Chaotische Situation der FKS

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Chaotische Situation der FKS

Beitragvon SR99 » Mi 18. Feb 2015, 23:15

Hallo!

Obwohl ich ("noch") kein Zollbeamter bin, interessiere ich mich immer über die inneren Angelegenheiten der Zollverwaltung, und momentan steht da ja die FKS im Vordergrund. Vorhin habe ich diesen Bericht gelesen und frage mich, wie demnächst 80% der Zollanwärter unter diesen Umständen zur FKS kommen sollen.
Schwarzarbeit-Kontrolle beim Zoll fast abgeschafft

Emmerich. Der Brief an die Politik ist ein Hilferuf. Mitarbeiter des Zolls in Kleve beklagen darin eine für sie mittlerweile unerträgliche Situation. Nachdem Strukturen durch die Zusammenlegung zweier Sachgebiete geändert wurden, werden nach Ansicht von Fahndern bedeutende Aufgaben des Zolls nicht mehr ausreichend wahrgenommen.

Die ehemalige "Kontrolleinheit Prävention" gibt es nicht mehr. Die Suche nach Betrügern wurde nahezu abgeschafft. Schwarzarbeit, Leistungsbetrug, illegale Beschäftigung, Einhaltung Mindestlohn - alles Aufgaben der aufgelösten Einheit.

In dem der RP vorliegenden Schreiben an die Politik wird heftig kritisiert, dass diese Überprüfungen so gut wie nicht mehr stattfinden. In dem neuen Erlass des Bundesministeriums der Finanzen würden keine genauen Vorgaben gemacht. Mittlerweile könnten Führungskräfte vor Ort mit ihrem Personal jonglieren, heißt es in dem Brief.

Ein Grund für die nur noch selten stattfindenden Kontrollen sei, dass man jetzt hauptsächlich Büroarbeit erledige. Es sei nicht mehr gewollt, auf Baustellen zu fahren.

Durch veränderte Arbeitszeitregeln, so heißt es, würden Prüfungen etwa in den frühen Morgenstunden oder am Abend sowie an Feiertagen und Wochenenden eigentlich nicht mehr stattfinden. Schichtdienst wurde abgeschafft. Streifenwagen stünden still, wenn man kontrollieren würde, dann im Rahmen der üblichen Bürozeiten.

Eine mögliche Reaktion auf die geänderten Arbeitszeiten: Potenzielle Leistungsbetrüger müssten sich zunächst über den Dienstplan des Zolls informieren, um vor den lästigen Kontrollen sicher zu sein. Und nach den üblichen Bürozeiten kommt ohnehin niemand mehr.

Auch beim Bauindustrieverband NRW löst die offenbar abzusehende Reduzierung der Kontrollen wenig Begeisterung aus. "Wir garantieren Mindestlöhne zwischen 13 und 14 Euro. Durch Schwarzarbeit werden seriöse Unternehmen geschädigt", sagt ein Sprecher des Verbands.

Frank Buckenhofer von der Gewerkschaft der Polizei, Bezirksgruppe Zoll, kann den Kollegen nur zustimmen. "Die Männer, die früher auf Streife gefahren sind, um unter anderem Schwarzarbeit zu kontrollieren, werden ausgebremst." Die Umsetzung des Erlasses würde bundesweit völlig unterschiedlich gehandhabt. Die Situation sei mit der eines Gemischtwarenladens zu vergleichen. "Jeder Regionalfürst macht, was er will. Einige Dienststellen kontrollieren noch regelmäßig, bei anderen wird darüber nachgedacht, die Streifenwagen zu verkaufen." Eine effektive Überprüfung des Anfang des Jahres eingeführten Mindestlohnes sei nicht möglich.
http://m.rp-online.de/nrw/staedte/emmer ... -1.4884773

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Re: Chaotische Situation der FKS

Beitragvon Cologne » Do 19. Feb 2015, 16:44

Das mit den angeblich "chaotischen Zuständen" höre ich seit jetzt ungefähr zehn Jahren,
meistens aus derselben Quelle.
Warte bis du vor Ort bist und die Kollegen fragen kannst.
Die meisten machen ihren Job gerne und, im Vergleich zu "Vor-FKS" Zeiten, mit grossem Erfolg.

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Re: Chaotische Situation der FKS

Beitragvon grenzwertig » Do 19. Feb 2015, 18:15

SR99 hat geschrieben:... und frage mich, wie demnächst 80% der Zollanwärter unter diesen Umständen zur FKS kommen sollen.
Wie kommst du denn auf diese Zahl? Politisch war vor einiger Zeit die Rede von 45% der Prüfungsabgänger (Quelle), was aber mittlerweile wohl wieder hinfällig ist. ML- Kontrollen sollen ja aktuell nicht mehr priorisiert werden.

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Re: Chaotische Situation der FKS

Beitragvon Knaecke77 » Do 19. Feb 2015, 19:37

Ich kann nicht für alle FKSen der Bundesrepublik sprechen, sondern nur für meinen Bezirk.

Und ja es stimmt... die Kollegen der EX-KEP sitzen überwiegend im Büro und sind mit Ermittlungsverfahren eingedeckt. Eben wie alle Kollegen im SG E.

Der Dienstherr muss eben wissen was er will. Entweder sitzen die Mitarbeiter in Grün auf dem Bock und zeigen Präsenz oder sie bearbeiten Ermittlungsverfahren (vom Schreibtisch aus).
Beides dauerhaft unter einen Hut zu bringen dürfte schwierig werden.

Ich für mein Teil bin froh, dass die Zeiten der sinnfreien Kontrollen / Prüfungen der Zahlen wegen vorbei sind.

Wir sollten mit den wenigen Ressourcen bei der FKS sinnvoll umgehen.
Risikoorientierte Einsätze zu ungünstigen Zeiten: ja gerne! Ständige Dauerpräsenz in Grün um Zahlen zu klopfen....nein Danke!

Ich bin allerdings lange genug im Verein um auch zu wissen, dass das Pendel wahrscheinlich schon bald wieder in die andere Richtung ausschlagen wird (spätestens wenn die GZD installiert sein wird)

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Re: Chaotische Situation der FKS

Beitragvon SR99 » Do 19. Feb 2015, 21:47

Bin ja mal gespannt auf die Mindestlohnkontrollen, wird dann aus dem Büro aus bei den Betrieben angerufen und nachgefragt, ob denn jeder auch den Mindestlohn erhält? :polizei10:

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Re: Chaotische Situation der FKS

Beitragvon zoellner » Do 19. Feb 2015, 21:55

Nein es werden Zettelchen in Briefkästen geworfen.

Bekommen sie 8,50€/h oder mehr?

Kreuzen sie an:

- Ja
- Nein
- Vielleicht


:polizei10:

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Re: Chaotische Situation der FKS

Beitragvon SR99 » Do 19. Feb 2015, 23:08

Selbst dafür müssten die Streifenwagen ja wieder rollen. ;D
Aber abwarten, evtl. beginnt der Zoll ja schon in 3 Jahren mit der Kontrolle.

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Re: Chaotische Situation der FKS

Beitragvon Knaecke77 » Fr 20. Feb 2015, 18:36

zoellner hat geschrieben:Nein es werden Zettelchen in Briefkästen geworfen.

Bekommen sie 8,50€/h oder mehr?

Kreuzen sie an:

- Ja
- Nein
- Vielleicht


:polizei10:

Es ist ja nun mal nicht damit getan, von Kontrollstelle zu Kontrollstelle zu eilen und eifrig Arbeitnehmer um Arbeitnehmer (mittels Erfassungsbogen) aufzunehmen.

Das ganze muss auch ausgewertet werden und zieht in der Regel auch wieder Geschäftsprüfungen in den Betrieben nach sich.

Meine Wenigkeit durfte letztes Jahr wieder einmal eine größere Prüfaktion in einer der bekannten "Schmudelbranchen" vorbereiten und im Nachgang auswerten und letztendlich auch Endbearbeiten (Ermittlungs- und Owi - Verfahren.)

Dies ist neben anderen laufenden Ermittlungsverfahren zu bewältigen.

Ich will hier nicht rumjammern.....sondern nur darauf aufmerksam machen, dass die Kontrolle von Arbeitnehmern vor Ort immer nur der erste Schritt sein kann.
Daran schließt sich oftmals eine Prüfung beim Arbeitgeber an und mündet mitunter in einem Ermittlungsverfahren.

Und die kosten Zeit......

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Re: Chaotische Situation der FKS

Beitragvon SR99 » Fr 20. Feb 2015, 20:53

Eine Prüfaktion in einem Jahr? Das ist ja präventiv.

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Re: Chaotische Situation der FKS

Beitragvon 2fast4u » Fr 20. Feb 2015, 21:06

SR99 hat geschrieben:Eine Prüfaktion in einem Jahr? Das ist ja präventiv.
Lesen und verstehen...

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Re: Chaotische Situation der FKS

Beitragvon zoellner » Fr 20. Feb 2015, 21:07

@ SR99
Ich sags ungern, aber komm erstmal in der Praxis an, dann wirst du den Unterschied zwischen TV Ermittlungen und echten Ermittlungen vielleicht mal sehen.

Jede Kontrolle und jeder Einsatz zieht unzählige Stunden im Büro nach sich. Die aufgefundenen Hinweise und Beweise müssen schließlich ausgwertet und bewertet werden. Alles muss in einen sinnvollen Zusammenhang gesetzt und gerichtsfest zu Papier gebracht werden.

Es bringt keinem etwas, sinnfreie Kontrollen durchzuführen und Massenaufgriffe zu machen, wenn sie niemand abarbeiten kann. Wer der Meinung ist, dass durch Polizei und Zoll Straftaten bekämpft und verhindert werden, ist sehr naiv. Verbrechensverwaltung ist eher der richtige Terminus.

Und nun rate ich dir dringend, dich zurück zu lehnen und die Argument der altgedienten Kollegen zu akzeptieren. :polizei10:

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Re: Chaotische Situation der FKS

Beitragvon Skorpion69 » Fr 20. Feb 2015, 22:09

@SR99:
Ich muss mich den Ausführungen von Zöllner leider anschliessen.
Du hast noch nicht mal die Ausbildung angefangen, insofern kannst Du die Situation der FKS auch nur schwer einschätzen. Nicht verwunderlich, wenn Dich dann Zeitungsartikel, die die Situation an einer Dienststelle beschreiben, verwirren. Aber ich denke, es steht Dir nicht zu, verächtliche Kommentare dazu abzugeben, noch bevor Du überhaupt eingestellt bist.
SR99 hat geschrieben:Obwohl ich ("noch") kein Zollbeamter bin, interessiere ich mich immer über die inneren Angelegenheiten der Zollverwaltung, und momentan steht da ja die FKS im Vordergrund. Vorhin habe ich diesen Bericht gelesen und frage mich, wie demnächst 80% der Zollanwärter unter diesen Umständen zur FKS kommen sollen.
Niemand plant, 80% der Zollanwärter in die FKS zu setzen.
Tatsächlich werden 100% der Zollsekretäranwärter im Rahmen der Ausbildung auch die FKS durchlaufen, aber "nur" 40% werden nach der Ausbildung im Bereich der Mindestlohnkontrolle der FKS eingesetzt. Die anderen 60% werden in die verschiedensten Bereiche verteilt, wobei die Priorität sicherlich bei den Großflughäfen (u.a. Frankfurt/Main) liegt. Gerade an den Flughäfen werden derzeit viele Leute sowohl in der Reisendenabfertigung als auch in der Frachtabfertigung benötigt.
Natürlich werden auch einige über die 40% hinaus in die FKS gehen, um sicherzustellen, dass Personaldefizite ausgeglichen werden und damit Kontrollen mit den nachfolgenden Prüfungen und ggf Ermittlungen (wieder) möglich sind. Man muss sich aber auch im Klaren sein, dass es zwischen den Dienststellen Unterschiede gibt. Die in dem Artikel beschriebene Situation trifft auch auf andere Einheiten zu - aber ganz sicher nicht (wie auch ausgesagt) auf alle.

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Re: Chaotische Situation der FKS

Beitragvon Knaecke77 » Sa 21. Feb 2015, 10:20

@ Zoellner und Skorpion69

:zustimm: :zustimm:

Nun, scheinbar sind nicht nur SR99´ Vorstellungen von der Arbeit der FKS von Formaten wie "Achtung Kontrolle" geprägt.
Auch manche Kollegen (außerhalb der FKS) sind der Meinung, dass es machbar sei, dass man wochenlang an Bahnhöfen observiere , damit die Arbeitszeiten von Taxifahrern dokumentiert werden könnten. :polizei7:

Das auswerten von unzähligen Ordnern und elektronischen Dokumenten, die Eintragung von Zahlen in Exel - Listen für DRV und Sta , das tippen von Berichten ist für TV- Sendungen natürlich wenig interessant und wird daher auch nicht gezeigt.

Aber weshalb soll´s dem Zoll anders gehen, als der Polizei......
Im TV - Krimi werden Beschuldigte auch zuhause aufgesucht, ohne rechte Belehrung vernommen und letztendlich doch des Mordes überführt. (Natürlich werden die Vernehmungen auch nicht schriftlich fixiert) :pfeif:

Ich wünsche SR99 viel Glück beim Bestehen aller Prüfungen und Hürden und wenn diese Überwunden sind, eine steile Karriere bei der Zollverwaltung.
Sicher werden die alten Hasen bei der FKS froh darüber sein, wenn sie von einem jungen engagierten Beamten gezeigt bekommen, wie man Schwarzarbeit richtig bekämpft. :ja:

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Re: Chaotische Situation der FKS

Beitragvon SR99 » Sa 21. Feb 2015, 16:04

Ich habe schon beim ersten Beitrag verstanden, dass ich anscheinend falsch liege, da brauche ich nicht weitere 3 User die mir das nochmal untermauern wollen.

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Re: Chaotische Situation der FKS

Beitragvon Controller » Sa 21. Feb 2015, 16:14

ist wie bei den Jägern und Sammlern;

alles was gejagt und gesammelt wird,
muss anschließend auch verwertet werden, damit man einen Nutzen davon hat. :polizei3:
Wäre es das höchste Ziel eines Kapitäns, sein Schiff in Stand zu halten,
so ließe er es auf immer im Hafen. (Thomas von Aquin)


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