Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Erfahrungsberichte, Probleme und Verbesserungsvorschläge...

Moderatoren: abi, supporter, Holger73, abi, supporter, Holger73

Knaecke77
Deputy Inspector
Deputy Inspector
Beiträge: 4862
Registriert: Mi 13. Sep 2006, 00:00
Wohnort: Baden-Württemberg

Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon Knaecke77 » Fr 24. Sep 2010, 17:50

Berlin: (hib/STO/BOB) Die 2008 beschlossene Neuorganisation der Bundespolizei stößt bei Experten auf deutliche Kritik. Dies wurde am Montagnachmittag auf einer öffentlichen Sachverständigen-Anhörung des Innenausschusses deutlich. Zu der Neuorganisation gehörte unter anderem die Schaffung des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam als Bundesoberbehörde sowie die regionale Zusammenfassung der vorherigen 19 Bundespolizeiämter zu 9 Bundespolizeidirektionen.

(....)

Sven Hüber, stellvertretender Vorsitzender des Bezirks Bundespolizei der Gewerkschaft der Polizei (GdP), berichtete von einer ”angespannten“ Stimmungslage bei der Bundespolizei. So wirke unter anderem der ”Kardinalfehler“ nach, dass die Neuorganisation ohne Einbindung der Polizeiführungskräfte und der Mitarbeiter erfolgt sei, was ”nachhaltig zu Akzeptanzproblemen“ führe

(....)

Der Bundesvorsitzende der Bundespolizeigewerkschaft, Rüdiger Reedwisch, monierte, die Neuorganisation sei schon im Vorfeld ”unsachgemäß vorbereitet worden“. ”Grundlage aller Fehler“ sei eine nicht erfolgte ”Aufgabenkritik“. Bis heute sei nicht geklärt, welche Kernaufgaben die Bundespolizei habe und ob sie damit möglicherweise nicht schon jetzt personell unterbesetzt sei. Ein ”Entscheidungsstau ohne Ende“ führe dazu, dass Mitarbeiter unzufrieden seien und ”jegliche Transparenz vermisst wird“.

(.....)

http://www.bundestag.de/presse/hib/2010 ... 31/01.html


Das seit Beginn der Neuorganisation verfolgte „Konzept für eine ergebnisorientierte Steuerung in der Bundespolizei“ durch Kennzahlen ist hinsichtlich seiner Sinnhaftigkeit, seiner eigenen Kosten, seiner Akzeptanz in der Bundespolizei und seiner Eingriffe in die regionale polizeiliche Schwerpunktsetzung kritisch zu hinterfragen.

http://www.bundestag.de/bundestag/aussc ... hme_03.pdf

Gast

Re: Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon Gast » Sa 25. Sep 2010, 09:40

Und nu?

Alter Hut - Juli 2010

Und was willst du uns damit sagen?

Nach 1314 Beiträgen sollte da schon ein eigener Kommentar drin sein.

Knaecke77
Deputy Inspector
Deputy Inspector
Beiträge: 4862
Registriert: Mi 13. Sep 2006, 00:00
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon Knaecke77 » Sa 25. Sep 2010, 10:03

CoolerCop hat geschrieben:Und nu?

Alter Hut - Juli 2010

Und was willst du uns damit sagen?

Nach 1314 Beiträgen sollte da schon ein eigener Kommentar drin sein.
Aber gerne doch.....

Auffällig ist, dass die sogenannten Reformen, sei es beim Zoll, oder auch bei der Bundespolizei vieles in Bewegung gesetzt haben, nur nicht das, was sie erreichen sollten.
Das war die Intension meines Beitrages.

Die Parallelen der (Zoll- und Bundespolizei)Reformen sind auffällig.
Alles soll schlanker, schneller und besser werden. Soll.....
Erreich wurde allerdings meist nur, dass der Wasserkopf aufgebläht, unsinnige und teuere "Steuerungselemente" und "Messgrößen" eingeführt worden, deren Sinn mir bis heute nicht einleuchten wollen (vielleicht fehlt mir da als Beamter des mD auch nur die Sicht über das große Ganze).

Auch fällt mir auf, dass die Führungen hier wie da, jegliche Kritik und konstruktive Vorschläge vom Tisch wischen, weil sie nicht ins eigene Weltbild passen.

Gast

Re: Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon Gast » Sa 25. Sep 2010, 10:10

So ist das halt wenn Theoretiker an einer Behörde rummurksen und dabei vergessen die Praktiker mit ins Boot zu nehmen.

Und - sind wir mal ehrlich - wer sind denn immer die Gewinner solcher Reformen?

die Führungen


Das die den Mund halten ist doch nochzuvollziehen.

Knaecke77
Deputy Inspector
Deputy Inspector
Beiträge: 4862
Registriert: Mi 13. Sep 2006, 00:00
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon Knaecke77 » Sa 25. Sep 2010, 10:21

CoolerCop hat geschrieben:So ist das halt wenn Theoretiker an einer Behörde rummurksen und dabei vergessen die Praktiker mit ins Boot zu nehmen.

Und - sind wir mal ehrlich - wer sind denn immer die Gewinner solcher Reformen?

die Führungen


Das die den Mund halten ist doch nochzuvollziehen.
Leider ja.....wenn ich sehe, wie viele Stellen für den hD neu geschaffen worden sind und das mit dem Vergleiche, was unten ankam :tot:

Das aus dieser Riege keine Kritik zu erwarten ist, ist wohl selbstverständlich.
Aber den Zug wird man wohl nicht mehr aufhalten können

Es sei den der Bundesrechnunghof verstellt die Weichen

Gast

Re: Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon Gast » Sa 25. Sep 2010, 10:32

Knaecke77 hat geschrieben: Es sei den der Bundesrechnunghof verstellt die Weichen
Mal sehen was die Wertebachkommission mit unseren beiden Behörden anstellen wird.

Benutzeravatar
Majestro
Sergeant
Sergeant
Beiträge: 928
Registriert: Mi 6. Mai 2009, 00:00
Wohnort: Bayern

Re: Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon Majestro » Sa 25. Sep 2010, 10:41

CoolerCop hat geschrieben:Mal sehen was die Wertebachkommission mit unseren beiden Behörden anstellen wird.
mMn wird diese Kommission überbewertet. Ich denke, dass zum Schluss lediglich einige Vereinbarungen getroffen werden, in Zukunft noch enger zusammen zu arbeiten. Für mehr, z.B. alle Vollzugszöllner ins BPOL-Boot zu holen, fehlen schlicht die finanziellen Mittel. :nixweiss:
"dass" / "das"

Gast

Re: Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon Gast » Sa 25. Sep 2010, 10:44

Majestro hat geschrieben:
CoolerCop hat geschrieben:Mal sehen was die Wertebachkommission mit unseren beiden Behörden anstellen wird.
mMn wird diese Kommission überbewertet. Ich denke, dass zum Schluss lediglich einige Vereinbarungen getroffen werden, in Zukunft noch enger zusammen zu arbeiten. Für mehr, z.B. alle Vollzugszöllner ins BPOL-Boot zu holen, fehlen schlicht die finanziellen Mittel. :nixweiss:
Gerade weil das Geld auf Jahre fehlen wird muss mMn über diverse Zusammenlegungen und Streichungen in den drei Bundesbehörden und in den Länderbehörden offen gesprochen werden.

Benutzeravatar
Majestro
Sergeant
Sergeant
Beiträge: 928
Registriert: Mi 6. Mai 2009, 00:00
Wohnort: Bayern

Re: Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon Majestro » Sa 25. Sep 2010, 10:59

CoolerCop hat geschrieben:Gerade weil das Geld auf Jahre fehlen wird muss mMn über diverse Zusammenlegungen und Streichungen in den drei Bundesbehörden und in den Länderbehörden offen gesprochen werden.
Das passt ja genau zu diesem Ausgangsfred!

ZUSAMMENLEGUNGEN und STREICHUNGEN bedeuten ja nicht zwangsläufig, dass alles besser geschweige denn kostengünstiger wird.
Die Beamten sind trotzdem noch da und müssen weiter bezahlt werden.
Synergieeffekte nutzen kann mMn nur in ganz bestimmten Einzelfällen Kosten sparen und das ist nach aktueller Rechtslage bez. Eilzuständigkeit jetzt ohnehin schon möglich.

Edit: farbliche Hervorhebung durch mich.
"dass" / "das"

Gast

Re: Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon Gast » Sa 25. Sep 2010, 11:12

Mir schwebt da so vor:

Bereitschaftspolizeien der Länder und des Bundes zu einem Pool zusammenlegen (besserer und effizienterer Einsatz, der zB die sinnlose Fanübergabe am Bahnhof beseitigen würde)

KBen zum BKA legen (auch wenn es weh tut aber da ist es besser aufgehoben)

Personenschutz der Bundespolizei zuschlagen (machen wir ja sowieso zum größten Teil schon)

Objektschutz teilweise privatisieren - frei werdenes Personal zu Schwerpunktdienststellen entsenden (idR Flughäfen, da die LuSi immer Polizeiaufgabe bleiben wird wg. der Anschlagsgefahr)

Bahnpolizeiaufgaben den Landespolizeien übertragen und das dortige Personal dem Land zuschlagen (machen die ja sowieso schon zu 80 % in der Fläche, da diese dort besser aufgestellt sind)

Koordination und Abordnungsentscheidung bei Auslandseinsätze zur Bundespolizei (mit Abordnungen der Kollegen Land zu uns)

Benutzeravatar
Majestro
Sergeant
Sergeant
Beiträge: 928
Registriert: Mi 6. Mai 2009, 00:00
Wohnort: Bayern

Re: Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon Majestro » Sa 25. Sep 2010, 16:47

Tja, solange man selbst nicht von den Maßnahmen betroffen ist...... :pfeif:

Und trotzdem meine ich, dass sämtliche deiner Ideen am fehlenden Geld schon scheitern.
"dass" / "das"

PolBert
Captain
Captain
Beiträge: 1824
Registriert: So 8. Nov 2009, 18:15

Re: Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon PolBert » Sa 25. Sep 2010, 18:49

Majestro,

es wird nicht nur am fehlenden Geld scheitern.
Die Länder werden nicht im Traum daran denken, die Bereitschaftspolizeien
aus ihrer Verfügungsmasse abzugeben.
Schließlich handelt es sich um ihre letzten Reserven, die heute schon ständig
dazu gebraucht werden, überall im Land Löcher zu stopfen.
Darüber hinaus sind sie von den Ländern auch für viel Geld ausgebildet worden.
Und dann sollen sie dem Land plötzlich nicht mehr zur freien Verfügung stehen?

Also, Punkt 1 auf der Wunschliste von Cooler Cop

ist schon mal völlig realitätsfern und unerfüllbar.


Gruß, der PolBert
Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt.
Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sich so wenige Leute damit beschäftigen.

- Henry Ford -
______________________

Benutzeravatar
Majestro
Sergeant
Sergeant
Beiträge: 928
Registriert: Mi 6. Mai 2009, 00:00
Wohnort: Bayern

Re: Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon Majestro » Sa 25. Sep 2010, 19:26

PolBert,

deshalb schrieb ich:
Majestro hat geschrieben:Und trotzdem meine ich, dass sämtliche deiner Ideen am fehlenden Geld schon scheitern.
Auf föderale Argumente die gegen cC`s Vorschläge sprechen, bin ich bewusst nicht eingegangen. :polizei2:
"dass" / "das"

Knaecke77
Deputy Inspector
Deputy Inspector
Beiträge: 4862
Registriert: Mi 13. Sep 2006, 00:00
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon Knaecke77 » Sa 25. Sep 2010, 19:39

PolBert hat geschrieben: Die Länder werden nicht im Traum daran denken, die Bereitschaftspolizeien
aus ihrer Verfügungsmasse abzugeben.
Schließlich handelt es sich um ihre letzten Reserven, die heute schon ständig
dazu gebraucht werden, überall im Land Löcher zu stopfen.
Darüber hinaus sind sie von den Ländern auch für viel Geld ausgebildet worden.
Und dann sollen sie dem Land plötzlich nicht mehr zur freien Verfügung stehen?

Gruß, der PolBert
Habe irgendwo Mal gehört, dass die Länder Geld vom Bund für die Aufstellung der Bereitschaftspolizeiverbände bekommen.....sollte das so sein, wäre es ja so abwegig nicht, wenn auch der Bund über deren Verwendung ein Wörtchen mitzureden hätte.

Die Kleinstaaterei in Deutschland ist mitunter nur lächerlich und nicht mehr zeitgemäß.

Gast

Re: Expertenkritik an Neuorganisation der Bundespolizei

Beitragvon Gast » Sa 25. Sep 2010, 21:41

Der einzig richtige Weg wäre, diesen ganzen Föderalismuswahnsinn im Bereich der inneren Sicherheit komplett zu beenden. Aber das wird ja, wie alles logische, daran scheitern, dass die Politik dagegen ist, schließlich gewinnt man mit Sicherheitsversprechen Wahlen in den Ländern.

Also habe ich folgende Vorschläge für eine neue Reform der Bundespolizei:

1. Komplette Privatisierung der Objektschutzaufgaben
2. Privatisierung der nichtpolizeilichen Aufgabe Luftsicherheit oder deren Abgabe an die Länderpolizeien.

3. Wenn es stimmt, dass der Bund die BPdL mit seinen Finanzen ausstattet, dann ist dies sofort einzustellen und dieses Geld der BPOL zuzuschlagen. Wer die Musik bestellt, der hat sie auch zu bezahlen.


Zurück zu „Bundespolizei - Mitten im Beruf“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast



  • Neue Mitglieder

  • Top Poster

  • CopZone Spende