§ 90a Stgb und Christoph Harting

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Re: § 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon Controller » Sa 10. Sep 2016, 20:39

Ghost, das ist ja schön und gut, nur, ist das denn auch ein Dienstvergehen ?

Die Straftat lass ich jetzt mal weg, :o
imho passt das absolut nicht.

Dienstvergehen wäre also die Verletzung einer aus dem Beamtenrecht zu entnehmenden Verpflichtung, etwas zu tun oder zu unterlassen.

Das zu greifen :polizei10:
das Hampeln beim Abspielen der Nationalhymne so zu fassen, dass da möglw. auch ein Gericht mitzieht - ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Aber formulier mal ...... vlt lass ich mich ja überzeugen :ja:

Cancer, deine ständigen Versuche immer wieder zum Fußball zu leiten sind ermüdend.
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Re: § 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon cancer91 » Sa 10. Sep 2016, 20:48

Sorry, es ging mir nicht um den Fußball ansich sondern die Rituale. Da ich nicht weiß, wie diese Rituale beim Wasserball aussehen, kann ich das nunmal nicht als Vergleich nehmen.
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Re: § 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon Controller » Sa 10. Sep 2016, 21:01

es gab dann natürlich auch noch den hier beim Stabhochsprung:

Der US-Amerikaner Sam Kendricks hat während der Qualifikation seinen Anlauf unterbrochen – weil im Olympiastadion die Nationalhymne der USA zu hören war.

Innerhalb weniger Sekunden stoppte er ab, legte seinen Stab ab und nahm Haltung an.

Vermutlich dachte Kendricks, dass in diesem Moment die Hymne für eine Siegerehrung eines Landsmannes eingespielt wurde und blickte zur Anzeigetafel.
Dort war aber nichts zu sehen und so blickte sich der 23-jährige etwas verwundert um.
Den Grund entdeckte der US-Meister und Rekordhalter bei den Trials zwar nicht, erntete für die Aktion aber durchaus Lob in den sozialen Netzwerken.
„Sam Kendricks lässt seinen Stab fallen, mitten beim Warmmachen, als er die Nationalhymne hört. #respect“, schrieb eine Userin bei Twitter.
Auf seine Leistung hatte die Aktion übrigens keinen Einfluss.
Kendricks qualifizierte sich für das Finale der Stabhochspringer am Sonntag.

– Während der Qualifikation: Olympia kurios: Stabhochspringer unterbricht Anlauf für Hymne | noz.de - Lesen Sie mehr auf: http://www.noz.de/deutschland-welt/spor ... -fur-hymne
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Re: § 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon RafaelGomez » Sa 10. Sep 2016, 21:08

Controller hat geschrieben:es geht nicht um ...

sondern darum, ob das Verhalten ein Diszi verdient :polizei4:
Tja, und da liegt der Hase im Pfeffer. Dass das Verhalten ungebührlich war, scheint die Mehrheit inklusive meiner selbst so zu sehen. Also besteht Regelungsbedarf. Ein vernünftiger Anschiss alter Art wäre mMn ausreichend.
Nun hast Du aber kritikwürdiges Verhalten vor Millionenpublikum. Die Ansehensschädigung also in großem Ausmaß. Und da denke ich(!), dass 17 BDG dem DV keine große Wahl lässt.

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Re: § 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon Beobachter » Sa 10. Sep 2016, 21:19

Das "Ansehen" (meinst du Deutschlands???) muss aber schon weit runter sein, wenn es dadurch Schaden nehmen soll.
"Ich glaube an das Gute im Menschen, rate aber dazu, sich auf das Schlechte in ihm zu verlassen. "
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Re: § 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon RafaelGomez » Sa 10. Sep 2016, 21:24

Es geht um den Arbeitgeber des Herrn, Beo. Wer sich mit dessen Förderung einem Riesenpublikum präsentiert und Fettnäpchen bestolpert, hinterlässt halt nicht den besten Eindruck. Du siehst es anders, geschenkt. Du wärest aber auch konsequent genug, diese Förderung nicht in Anspruch zu nehmen, nur weils der Karriere nützt.

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Re: § 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon Ghostrider1 » Sa 10. Sep 2016, 21:27

Ihr Verhalten innerhalb und außerhalb des Dienstes muss der Achtung und dem Vertrauen gerecht werden, die ihr Beruf erfordert.
Ja, das Ansehen wird geschädigt. Ich will nicht wissen, wie andere Nationen darüber denken, wenn ein Olympiasieger, der für Deutschland antritt, bei der eigenen Siegerehrung und der Nationalhymne rum hampelt.
Die fahren auch Recherchen, und kamen als bald darauf, dass dieser Mann im Dienste des deutschen Staates steht.

Tja, ich habe wahrscheinlich an andere Definition der Nationalen Identität. Es gibt eine Zeit außerhalb 33-45.
Ich finde schon, dass man als deutscher Olympiateilnehmer der deutschen Flagge Respekt erweisen sollte.

Respekt- & Ehrerweisung hat nichts damit zu tun, der Flagge zu Füßen zu liegen. Nicht im Geringsten.

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Re: § 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon DerLima » Sa 10. Sep 2016, 21:33

Beo,

die Meinung die du hast, die du vertrittst und frei äußern darfst ... ist ein Teil der nationalen (deutschen) Identität...
Und von einem Staatsdiener erwartet man ein anderes Auftreten. Es muss ja nicht jeder in Grundstellung gehen. Und auch nicht militärisch grüßen.
Aber von einem Staatsdiener, der seine Bezüge vom Staat erhält, einen DIENSTEID geschworen hat... Da kann man anderes erwarten.
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Re: § 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon Controller » Sa 10. Sep 2016, 21:34

Rafael,

ich brauch ein Dienstvergehen.

Formuliere es mal.

Das Bundesverwaltungsgericht sagte mal:

Außerdienstliches Verhalten kann den Pflichtenkreis des Beamten nur berühren, wenn es die Achtungs- und Vertrauenswürdigkeit betrifft und dadurch mittelbar dienstrechtliche Relevanz erlangt. Das Vertrauen der Bürger, dass der Beamte dem Auftrag gerecht wird, als Repräsentant des demokratischen Rechtsstaates eine unabhängige, unparteiliche und gesetzestreue Verwaltung zu sichern, darf der Beamte auch durch sein außerdienstliches Verhalten nicht beeinträchtigen (BVerwG, Urteil vom 30.08.00 - 1 D 37.99 - BVerwGE 112, 19 <26>).

Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Neuordnung des Bundesdisziplinarrechts vom Juli 1967 (BGBl. I S. 725) reicht bei außerdienstlichen Verfehlungen nicht bereits die Pflichtverletzung selbst zur Annahme eines Dienstvergehens aus, und zwar auch dann nicht, wenn hierdurch eine Straftat begangen worden ist (BVerwG, Urteil vom 25.03.10 - 2 C 83.08 - BVerwGE 136, 173 Rn. 14). Hinzutreten müssen weitere, auf die Eignung zur Vertrauensbeeinträchtigung bezogene Umstände. Nur soweit es um die Wahrung des Vertrauens der Bürger in die Integrität der Amtsführung und damit in die künftige Aufgabenwahrnehmung geht, vermag das durch Art. 33 Abs. 5 GG geschützte Interesse an der Funktionsfähigkeit des Berufsbeamtentums die im privaten Bereich des Beamten wirkenden Grundrechte einzuschränken (BVerfG, Kammerbeschluss vom 08.12.04 - 2 BvR 52/02 - BVerfGK 4, 243 <254>).

14 Unterhalb dieser Schwelle erwartet der Gesetzgeber von Beamten kein wesentlich anderes Sozialverhalten mehr als von jedem anderen Bürger (BT-Drs. 16/7076 S. 117 zum BBG sowie BT-Drs. 16/4027 S. 34 zum BeamtStG; hierzu auch BVerwG, Urteile vom 30.08.00 - 1 D 37.99 - BVerwGE 112, 19 <26 f.> und vom 27.06.13 - 2 A 2.12 - BVerwGE 147, 127 Rn. 24)


Ob und in welchem Umfang durch das außerdienstliche Verhalten eines Beamten das für sein Amt erforderliche Vertrauen beeinträchtigt wird, hängt in maßgeblicher Weise von Art und Intensität der jeweiligen Verfehlung ab :o

Wegen der Hampelei ?

Sorry , ich glaubs nicht.
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Re: § 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon vladdi » Sa 10. Sep 2016, 21:38

RafaelGomez hat geschrieben:Ein vernünftiger Anschiss alter Art wäre mMn ausreichend.
Ich zitiere mich mal selber:
vladdi hat geschrieben:Da ich nur das Verhalten kenne, aber nicht den Rest des Menschen, maße ich mir nicht zu über eine Disziplinarmaßnahme zu entscheiden. Es kann von einem erhobenen Zeigefinger bis zur Entlassung alles die richtige Maßnahme sein.

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Re: § 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon DerLima » Sa 10. Sep 2016, 21:51

Controller zitierte hat geschrieben:Nur soweit es um die Wahrung des Vertrauens der Bürger in die Integrität der Amtsführung und damit in die künftige Aufgabenwahrnehmung geht, vermag das durch Art. 33 Abs. 5 GG geschützte Interesse an der Funktionsfähigkeit des Berufsbeamtentums die im privaten Bereich des Beamten wirkenden Grundrechte einzuschränken
Es stellt sich jetzt nur mal die Frage, ob es sich überhaupt um ein außerdienstliches Verhalten handelt oder ob die Teilnahme an Wettkämpfen nicht sogar Dienst ist... (Ich weiß es tatsächlich nicht)...

Tatsächlich kann man aber in das Verhalten durchaus einen Vertrauensbruch in die Intergrität der Amtsführung und damit der zukünftigen Aufgabenwahrnehmung sehen kann.
"Wenn der sich bei der Nationalhymne soooo verhält. Was für ein Beamter soll das denn sein?"

Wobei ich selber nicht das Verhalten kritisiere, weil ich es nicht geehen habe, sondern nur die Auswirkungen des Verhaltens hier und woanders feststelle und damit auch feststelle, dass es in der Öffentlichkeit kritisiert wird, demzufolge wohl tatsächlich ein Schaden entstanden ist.

Straftat imho: Nein.
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§ 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon RafaelGomez » Sa 10. Sep 2016, 21:57

C., es geht doch nicht nur um das Gezappel. Interview-Verweigerung gegenüber dem übertragenden Sender, dann die PK danach... Und, ja, eine vernünftige Außendarstellung gehört dazu. Die Behörde hat n Haufen investiert, dass Herr H. dort ist, wo er steht. Das ist aber keine Einbahnstraße.
Und die Frage, ob es sich um inner- oder außerdienstliches Fehlverhalten handelt, konnte ich mir immer noch nicht beantworten...

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Re: § 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Sa 10. Sep 2016, 22:03

Herr H. ist mir zu sehr AfD Spre....ach, falscher Fred.

Gute Güte. Dieser Fred ist ein Zeichen, sich als Profisportler nicht beim Bund zu verdingen. Wenn ich die Früchte meiner Arbeit nicht selbst definiert ernten darf? Denke nicht, dass RB so stringent als Sponsor wäre.

Armselig.
:lah:

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Re: § 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon Controller » Sa 10. Sep 2016, 22:08

eigentlich @ K_C bin ich froh, dass die Kollegen keine Richter sind :polizei3:
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Re: § 90a Stgb und Christoph Harting

Beitragvon RafaelGomez » Sa 10. Sep 2016, 22:10

Wenn Du diese Arbeit eigenverantwortlich verrichtet hast, mach was Du willst. Wenn Du Dir gute Bedingungen dafür von dritter Seite sponsern lässt, musst Du halt auch auf die Rücksicht nehmen.
Der Unterschied zu RB oder anderen dürfte sein, dass in deren Verträgen deutlich geschrieben sein wird, was erwartet wird.


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