Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

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Officer André
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Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon Officer André » Di 24. Jul 2018, 17:28

http://www.tagesschau.de/inland/monitor ... t-103.html

Da kommen mir gemischte Gefühle auf.
Ich glaube nicht, dass sich dieses Thema länger als ein paar Tage im Fokus der breiten Öffentlichkeit hält.

Jeder hat bereits Situationen erlebt, die in Grauzone gehen. Unschön, aber in unserem
Beruf kann das verdammt schnell gehen.
Wer schon das Pech hatte mit diesem
Vorwurf konfrontiert zu werden, weiß wovon gesprochen wird.

Womit ich Polizeigewalt und notwendige Aufklärung nicht kleinreden will!


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Re: Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon Ahab_ » Di 24. Jul 2018, 17:41

In 90 Prozent der Fälle allerdings wurden die Verfahren eingestellt
Wieviel % der Vorwürfe erwiesen sich als erstunken und erlogen?
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Re: Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon PotionMaster » Di 24. Jul 2018, 17:55

Das ist doch wieder so ein typischer Artikel. Da wird einfach eine Aussage in den Raum gestellt. Man unterlegt sie mit irgendeiner Prozentzahl und bringt ein Beispiel welches die eigene Vorstellung untermauert. So wird dann mehr oder weniger unterschwellig eine einzige Wahrheit dargestellt.

Wie hoch ist denn die Verurteilungszahl in Ländern mit einem System mit externen Ermittlungsbehörden? Warum genügt hier eine Behörde wie bei uns nicht, die nicht Polizei ist und über Einstellungen entscheidet? Warum sollten die vier Polizisten im Beispiel dann eine andere Aussage abgeben? Kann es nicht einfach sein, dass in diesem Land eine gute Ausbildung und bürgernahe Einschreitpraxis dazu führt, dass wir eben tatsächlich wenig Fälle haben in denen Polizeibeamte ihren Kittel für eine willkürliche Misshandlung riskieren?

In Deutschland werden übrigens nur knapp drei Prozent der Gerichtsverfahren mit Freispruch beendet. Ich google gleich nach einem Urteil das den Täter schuldig sprach. Skandal. Andere Gründe können da unmöglich eine Rolle spielen :polizei3:

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Re: Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon Officer André » Di 24. Jul 2018, 18:11

Fraglich, ob die Zeugen das überhaupt beurteilen können.
So wie Maßnahmen oft als „äußerst brutal“ beschrieben werden.


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Re: Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon Aldous » Di 24. Jul 2018, 18:46

Ich verstehe auch nicht, woher der Autor des Artikels die Schlussfolgerung zieht, dass die Vorwürfe den Tatsachen entsprechen.
Aus den Zahlen könnte man ebenso ziehen, dass mit dem Thema bei uns besonders sensibel umgegangen und Sachverhalte zur Anzeige gebracht werden, welche sich im Nachhinein nicht als strafbar herausstellen. Eine solche Aussage stünde quasi konträr zur Aussage des Autors.

Bedenklicher als den Artikel an sich, empfinde ich den Umstand, auf welcher Plattform er erscheint. Sollte es nicht irgendeine Form der Qualitätskontrolle geben?

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Re: Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon vladdi » Di 24. Jul 2018, 18:52

Ahab_ hat geschrieben:
In 90 Prozent der Fälle allerdings wurden die Verfahren eingestellt
Wieviel % der Vorwürfe erwiesen sich als erstunken und erlogen?

Das ist, so denke ich, das Hauptproblem.
Aufklärung, Anklage und Verurteilung - sowie eingestellte Verfahren, wegen irgendwas, wo es aber tatsächlich KV im Amt war ist ein Teil.
Ein Großteil der Anzeigen sind jedoch unbegründet. Sie erfolgen aus Rache, als Gegenanzeige, als Taktik, aus Wut.
Diese Zahl müsste man zunächst ermitteln und rausrechnen. Dann kann man feststellen, ob es in den begründeten Verfahren, wegen behördlicher Nähe, fehlender Kennzeichnung oder was immer Handlungsbedarf gibt.
Es bleibt, im Rechtsstaat, immer ein Teil der Täter, denen die Tat nicht nachgewiesen werden kann. Das wird auch KV im Amt Täter betreffen.
Ich denke, dass es auch bei diese echten unverurteilten Tätern um eine sehr geringe Anzahl an Personen handelt. Unschuldige, die aufgrund Ermittlungen Nachteile hatten, wird eine erheblich größere Zahl sein.


Mir fehlt bei solchen Artikeln jedoch immer der andere Aspekt. (Wobei ich Gewalt, speziell KV im Amt, nicht schönreden will. )
Wie handzahm will der Staat seine Polizei? In Köln haben wir gesehen, wohin eine „Stubenreine Polizei“ führt.
Eine durchsetzungsfähige Polizei erfordert es auch, dass Menschen bewusst Gewalt gegen andere Menschen ausüben. Gewalt ist dabei nicht schön. Unterschiedliche Blickwinkel und Lebenseinstellungen eröffnen einen ständigen Streit, wieviel Gewalt erforderlich ist. Schubst der eine Polizist, kann in der gleichen Situation bei einem anderen Polizisten der Faustschlag - aus seiner Sicht - ebenso erforderlich sein. Das muss toleriert werden, wenn man seine Polizei zum Schutz von Recht und Freiheit nicht kastrieren will. Jedoch müssen Straftäter in Uniform verfolgt werden. Dabei darf jedoch nicht alle Form der Gewalt verurteilt werden.


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Re: Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon Buford T. Justice » Di 24. Jul 2018, 18:57

Aldous hat geschrieben:
Di 24. Jul 2018, 18:46
Bedenklicher als den Artikel an sich, empfinde ich den Umstand, auf welcher Plattform er erscheint. Sollte es nicht irgendeine Form der Qualitätskontrolle geben?
Die ARD nutzt (auch außerhalb des Sommerlochs) ihre Plattform tagesschau.de unter anderem auch, um ihre im Fernsehen ausgestrahlten Formate zu bewerben. Warum auch nicht?

Dass sämtliche dort produzierten Politmagazine jedwedem Thema ihre Wunschfärbung verleihen, ist bekannt und auch bei Sendern außerhalb der ARD an der Tagesordnung. Manchmal passt uns die Färbung halt nicht und manchmal schon :polizei3:
Wenn mal wieder der "gesunde Menschenverstand" als Beurteilungsgrundlage herangezogen wird:
3Sat Scobel - Was ist normal?

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Re: Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon Officer André » Di 24. Jul 2018, 21:05

Aldous hat geschrieben:
Bedenklicher als den Artikel an sich, empfinde ich den Umstand, auf welcher Plattform er erscheint. Sollte es nicht irgendeine Form der Qualitätskontrolle geben?
Auch auf ntv wurde das Thema aufgegriffen.




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Re: Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon der kanadier » Di 24. Jul 2018, 22:04

War ein super Beitrag: Ein Fall steht stellvertretend für ganz Deutschland, ein anonymer "hochrangiger Beamter mit 15 Jahren Diensterfahrung" berichtet von unspezifischen Auschreitungen und Verfolgung Unschuldiger, dazu dann die 90 % der Verfahren werden eingestellt, 6 Verfahren am Tag wegen "unrechtmäßiger Gewalt"...
Hintergründe werden nicht beleuchtet, aber schöne Schlagzeilen sind es trotzdem...

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Re: Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon ThorstenCologne » Mi 25. Jul 2018, 06:10

... zumindest ist die Sachlage nicht ganz neu: "Wer bewacht die Bewacher" Juvenal, röm. Satiriker.
Der Kreisel dreht sich seit 2000 Jahren. Der Artikel der tagesschau zeigt, dass die vierte "Gewalt" mit solchen Beiträgen, dazu nicht immer geeignet ist.
So verbleibt es bei Kaffeesatzleserei, ob es mehr oder weniger rechtswidrige
Polizeigewalt gibt.
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Re: Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon 1957 » Mi 25. Jul 2018, 11:18

Bereits der Begriff „Polizeigewalt“ ist in diesem Zusammenhang falsch.

Ja, es gibt Übergriffe, die in jedem Einzelfall geprüft werden müssen. Durch die Justiz. Nicht durch vo reingenommene polizeikritiker.

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Re: Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon ThorstenCologne » Mi 25. Jul 2018, 11:24

Stimmt, sollte auch gar nicht in die Richtung gehen.
Sorry, wenn es so rübergekommen ist.
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Re: Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon 1957 » Mi 25. Jul 2018, 12:03

Das war ganz allgemein auf den missbrauchten Begriff "Polizeigewalt" gemünzt. Du hast ja recht.

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Re: Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon 1957 » Mi 25. Jul 2018, 12:30

"Der Wissenschaftler will nicht von Einzelfällen sprechen, sondern sieht ein strukturelles Problem. So sprächen sich im Falle von Ermittlungen die betroffenen Polizisten oft so ab, dass das rechtswidrige Verhalten nicht der Polizei, sondern dem Gegenüber angelastet werden kann: "Das ist eine Struktur innerhalb der Polizei. Das kommt relativ häufig vor. In der Kriminologie sprechen wir von der Mauer des Schweigens, die auf dem besonderen Korpsgeist, der innerhalb der Polizei herrscht, basiert. Und es gilt innerhalb der Polizei als untunlich, diese Basis zu verlassen und die Kollegen zu beschuldigen"

Es gibt diverse Studien über den Komplex polizeiliche Übergriffe. Das ist wirklich komplex. So mal eben in Monitor, Panorama, oder sonstigen Formaten herausposaunte Teile und den dazu herausgehauenen Schlussfolgerungen ahnungsloser Journalisten helfen dem Problem nicht . Insofern es wirklich ein flächendeckendes Problem überhaupt ist.
Ich buin seit 1974 bei dem Laden. Es gab und gibt Übergriffe. Meist in der besonderen Gewaltsituation, in welcher Stress, Emotionen, viele beteiligte Menschen etc. ganz besondere Herausforderungen stellen.
Ich meine zu wissen, dass es eine wie oben beschriebene Struktur so nicht gibt. Ganz besonders nicht als "Ehrenkodex".
Polizisten sind Menschen. Ein bisschen Schutz brauchen sie in Gewaltsituationen. Jede Gewaltsituation ist dynamisch und emotional. Ich bitte, das nicht falsch zu verstehen. Wer durch Übergriffe auffällt, gehört in den Focus der Vorgesetzten - mit allen Konsequenzen.

Begegnen kann man solchen Phänomenen durch Ausbildung, Fortbildung, Nachbereitung, Ethik, Selbstkontrolle und Gelassenheit. Und selbst dann wird es zu "Übergriffen" kommen. Weil wir Menschen sind. Wir sind keine Gewalttäter.

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Polizeigewalt meist ohne Konsequenzen

Beitragvon Officer André » Mi 25. Jul 2018, 12:54

Bei einigen Anwälten und „Betroffenen“ ist das auch Masche.
Teilweise wird sich da derartig weit aus dem Fenster gelehnt und versucht dem Beschuldigten zu schaden und seinen Ruf zu ruinieren. Das ist schon erschreckend.
Eine Einstellung des Verfahrens, macht‘s dann nicht ungeschehen.
Das haftet dir an.
Sowas kann dann auch zum Verhängnis werden. Selbst, wenn es das eigentlich gar nicht dürfte. Bei Adoptionen oder anderen Verfahren. Immer wieder schön aufs Brot schmieren.


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