Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

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Brot
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Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon Brot » Mo 25. Okt 2021, 21:18

In der Presse wird von Polizeigewalt gesprochen:
Polizeigewalt: Staatsanwaltschaft Pforzheim leitet Ermittlungen ein
Im Fall mutmaßlicher Polizeigewalt in Pforzheim hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher Körperverletzung im Amt eingeleitet. Ein Polizist hat mehrfach auf einen am Boden fixierten Mann eingeschlagen.
Hier beide Videosequenzen:
https://www.instagram.com/reel/CVYbpijj ... _copy_link

Hier noch ein Zitat aus einem anderen Artikel:
Ein Fall von Polizeigewalt in Pforzheim?
Er habe die Beamten angegriffen und versucht, sie zu verletzen. Ein Polizist sei verletzt worden und habe seinen Dienst abbrechen müssen.

Im Internet machen seither Videoaufnahmen die Runde, die unter anderem zeigen, wie ein Polizist einen am Boden liegenden und fixierten Mann schlägt. Auch das Wort "Arschloch" ist zu hören.

Wie Polizeisprecher Dirk Wagner am Montag sagte, hatte der Mann 2,2 Promille intus, wurde leicht verletzt und nahm keine ärztliche Hilfe in Anspruch. Nachdem er ausgenüchtert war, habe er sich bei den Kollegen für sein Verhalten entschuldigen wollen.

Unabhängig davon gelte es, das Vorgehen der Beamten zu untersuchen, sagte Wagner der Deutschen Presse-Agentur. Er räumte ein, dass die Szenen in den Videomitschnitten brutal aussehen. "Wenn Fehlverhalten festgestellt wird, hat man Konsequenzen zu tragen."
Meine persönliche Meinung:
Es handelt sich um zwei kurze Ausschnitte, weshalb es schwierig ist, die Situation zu beurteilen.

So wie ich es in der ersten Sequenz sehe erfolgten die Schläge erst, nachdem die Person an den Unterschenkel des Beamten gegriffen hat, wobei die Worte "Lass mich los du A***" von Seiten des Beamten ausgesprochen werden.

Die zweite Sequenz kann ich nicht beurteilen, da man hier die Beamten nur von hinten und die betroffene Person nicht sieht.

Wie seht ihr das?

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Re: Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mo 25. Okt 2021, 21:36

Ich sehe es immer noch so, dass kurze Sequenzen hier keine Grundlage für Einsatzbewertungen sein sollten. ;D

Dass Hr. Behr bereits dieses polizeiliche Handeln als unrechtmäßig bewertete, veranlasst mich beinahe - reflexmäßig - zur Gegendarstellung.

An sich denke ich, dass der Kollege schlüssig sein Handeln (auch die Verbalinjurie) begründen könnte, ohne straf- und disziplinarrechtlich belangt zu werden. Dass man das - auf der Couch bewertet - schlauer und schöner lösen könnte, ist nicht zwangsläufig vorwerfbar.
:lah:

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Re: Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon Aldous » Mo 25. Okt 2021, 21:37

Brot hat geschrieben:
Mo 25. Okt 2021, 21:18
Wie seht ihr das?
Die A12 ist für mich ein Hinweis auf eine gewisse Verweildauer im Verein und da darf man etwas mehr sprachliche Zurückhaltung während des uZ erwarten, finde ich. Ahndungswürdig ist das in so einer Situation meiner Meinung nach allerdings nicht.
Die Zwangsanwendung entspricht sicher nicht dem Bilderbuch - ohne Kenntnisse des gesamten Ablaufes zuvor und von der Couch gesprochen. Aber da die Intensität der Schläge augenscheinlich sogar noch unter denen im Training liegt, verstehe ich die Kritik gar nicht und würde mir einmal mehr Führungskräfte mit Rückgrat wünschen. Zumindest scheint man die Kollegen nicht schon von Anfang an vor die Meute zu stellen.

Ich prognostiziere mal, dass uns in den nächsten Jahren immer mehr Aufschreie wegen durchschnittlicher Zwangshandlungen von den konfliktunfähigen Generationen erwarten werden.

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Re: Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon Challenger » Mi 27. Okt 2021, 11:37

Aldous hat geschrieben:
Mo 25. Okt 2021, 21:37
Aber da die Intensität der Schläge augenscheinlich sogar noch unter denen im Training liegt, verstehe ich die Kritik gar nicht und würde mir einmal mehr Führungskräfte mit Rückgrat wünschen.
Aktuell scheint leider nicht die Zeit für "Rückgrat" zu sein. Wie man immer wieder feststellen kann, bewertet man Sachverhalte zur Zeit eher danach wie aussehen bzw. wie sie in social media ankommen, als dass man sie rechtlich und unvoreingenommen würdigt: fängt in der Politik an und wird über die Vorgesetzten nach unten weitergereicht...

Wie las ich einst (sinngemäß) in einer Signatur: die Kacke rinnt immer talwärts: je weiter unten du stehst, umso so mehr bekommst du ab. Dies ist leider aktueller denn je!

Aldous hat geschrieben:
Mo 25. Okt 2021, 21:37
Ich prognostiziere mal, dass uns in den nächsten Jahren immer mehr Aufschreie wegen durchschnittlicher Zwangshandlungen von den konfliktunfähigen Generationen erwarten werden.
Das dürfte die logische Konsequenz aus vorgenanntem sein. Da spielt, wie in dem Thread "Elfjähriger in Handschellen" bereits beispielhaft angeführt, auch die "Berichterstattung der Extreme" mit hinein, die polizeiliche Arbeit in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend verzerrt darstellt.
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Re: Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon Admcmuffin » Mi 27. Okt 2021, 11:54

Kaeptn_Chaos hat geschrieben:
Mo 25. Okt 2021, 21:36
Ich sehe es immer noch so, dass kurze Sequenzen hier keine Grundlage für Einsatzbewertungen sein sollten. ;D
Challenger hat geschrieben:
Mi 27. Okt 2021, 11:37
(…)
Wie man immer wieder feststellen kann, bewertet man Sachverhalte zur Zeit eher danach wie aussehen bzw. wie sie in social media ankommen, als dass man sie rechtlich und unvoreingenommen würdigt:
:zustimm:

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Re: Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon Kulinka » Do 28. Okt 2021, 16:32

Hallo zusammen,

ist das gezielte Zufügen von Schmerzen zum Brechen eines Widerstandes am Ende gar keine klassische und erlaubte Polizeitaktik mehr? Anders kann ich mir den Aufschrei in den (Sozialen) Medien nicht erklären. In einer Berichterstattung des Spiegel heißt es, der Mann sei laut Polizei stark alkoholisiert gewesen, habe lediglich leichte Blessuren davongetragen und sich nach seiner Ausnüchterung bei den Beamten entschuldigen wollen. Bleibt unter dem Strich das A-Wort. In einer solchen Situation wohl lässlich.

Im Moment findet die Presse wieder einmal viel Freude am Thema "Polizeigewalt". Interessant auch die Aussage in der Berichterstattung, die Staatsanwaltschaft sei "erst durch die Kritik von Internetnutzern am Verhalten der Polizei" auf den Sachverhalt in Pforzheim aufmerksam geworden. Das zeigt doch schon recht deutlich, aus welcher Richtung der Hase gehoppelt kommt.

Viele Grüße
Kulinka

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Re: Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon 1957 » Sa 30. Okt 2021, 11:58

Also Leute, ich geb euch ja in Teilen durchaus aus recht. Jeder Einzelfall muss entsprechend geprüft werden.
Unabhängig von diesem Einzelfall ist meine grundsätzliche Auffassung dazu:
Ich kenne solche Situationen aus eigenem Erleben und weiß, wie schnell die aus dem Ruder laufen. M.E. sind die hier gezeigten Kopfschläge sinnlos. Sie deuten eher auf Überforderung und Kontrollverlust hin. Es ist anstrengend und gefährlich, den Widerstand eines Menschen zu brechen. Auch wer bäuchlings in Bodenlage ist, kann noch enorme Kräfte entwickeln und wird das auch tun, denn in einer solchen Lage wird kaum ein Mensch seine muskuläre Aktivität einstellen, sondern eher panisch forcieren. Vor allem wird der Mensch kaum Schmerz spüren.
So eine Situation braucht Führung und (beruhigende) Ansprache, und zwar von demjenigen, der im Bereich des Kopfes agiert. Damit das nicht ausufert, gehört so etwas auch in die entsprechende Fortbildung.

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Re: Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon zulu » Sa 30. Okt 2021, 14:27

Wenn der Dienstherr nicht möchte, dass solche Widerstände so laufen, dann darf er es andererseits auch nicht als "völlig ausreichend" erachten, wenn die Streifen das nur 1-3 mal jährlich trainieren und üben.

Die Rechtmäßigkeit beurteile ich anhand der kurzen Videos nicht. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, dass Faustschläge eher nicht helfen um das Ziel zu erreichen. Mit etwas Bodenkampfausbildung lassen sich die meisten Störer fixieren, ohne einen einzigen Schlag. Ausnahme: Versuche an die Waffe zu kommen. Was hier geschehen sein könnte.

In den USA laufen Kampagnen für die Ausbildung der Officer in BJJ. Es hat sich gezeigt, dass das ziemlich effektiv ist.

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Re: Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon 1957 » Sa 30. Okt 2021, 14:32

:zustimm:

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Re: Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Sa 30. Okt 2021, 14:56

Grundsätzlich reichen drei Mal im Jahr aber doch aus, um eine andere Idee, wie das lösbar wäre, zu haben.
Gleichwohl macht es das ja nicht per se unrechtmäßig, wenn man die unter Stress nicht abrufen kann.
:lah:

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Re: Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon 1957 » Sa 30. Okt 2021, 18:24

:zustimm:

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Re: Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon Challenger » So 31. Okt 2021, 22:16

zulu hat geschrieben:
Sa 30. Okt 2021, 14:27
Wenn der Dienstherr nicht möchte, dass solche Widerstände so laufen, dann darf er es andererseits auch nicht als "völlig ausreichend" erachten, wenn die Streifen das nur 1-3 mal jährlich trainieren und üben.
Sowas 1-3 Mal im Jahr trainieren zu können, ist für uns in Hessen leider nur ein Wunschtraum... :help:
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Re: Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon 1957 » Mo 1. Nov 2021, 08:27

Wenn es so nicht klappt, geht das auch im kleinen Rahmen.Das wichtigste ist zunächst die Erkenntnis, dass diese Situationen anders ablaufen können.

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Re: Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon Knaecke77 » Fr 5. Nov 2021, 07:57

Neue Vorwürfe gegen Pforzheimer Polizei
Pforzheim: War es Polizeigewalt? Ermittlungen gegen vier Beamte
(....)
Staatsanwaltschaft Pforzheim ermittelt wegen weiterer Anzeige
Die Staatsanwaltschaft Pforzheim ermittelt indes auch wegen weiterer Vorwürfe gegen die Pforzheimer Polizei. Ein Anwalt hatte angezeigt, dass sein 38-jähriger Mandant im Hof des Polizeireviers Pforzheim-Nord zu Boden geworfen und getreten worden sei - ebenfalls am Samstag vor einer Woche. Über diese Vorwürfe hatte zuerst die Pforzheimer Zeitung berichtet.

Wie der Anwalt des 38-Jährigen dem SWR mitteilte, sei sein Mandant von "zwei oder drei" Polizisten angegangen worden sein. Er habe dabei unter anderem Schürfwunden im Gesicht und einen Rippenbruch davongetragen.

Kriminalpolizei in Calw geht Vorwürfen nach
Die Pforzheimer Polizei bestätigt zumindest, dass der 38-Jährige in der Nacht in Gewahrsam genommen wurde. Er sei betrunken gewesen und habe in einer Gaststätte unter anderem das Personal mit Gläsern beworfen. Gegenüber der Polizei habe er dann Widerstand geleistet. Wie die Staatsanwaltschaft Pforzheim mitteilte, überprüft die Kriminalpolizei mit Sitz in Calw die Vorwürfe.

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wue ... e-100.html

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Pforzheim: Schläge auf am Boden liegenden Mann

Beitragvon Officer André » Fr 5. Nov 2021, 08:10

Ich liebe es, wenn die Leute sich erst den Kanal volllaufen lassen, dann total eskalieren und anschließend rumheulen und höchst empört sind, wenn sie nicht mit Samthandschuhen gestreichelt wurden.
Zuletzt geändert von Officer André am Fr 5. Nov 2021, 08:10, insgesamt 1-mal geändert.
Ich wünsche mir das Gemüt eines Stuhls.
Der muss auch mit jedem Arsch klarkommen.


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