Frage zu Selbstverteidigun/Notwehr

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Gast1

Frage zu Selbstverteidigun/Notwehr

Beitragvon Gast1 » So 14. Aug 2005, 03:03

Hallo,
ich interessiere mich ein bisschen für Recht&Gesetze.

Beim stöbern in Gerichtsurteilen zum Thema "Notwehr" ist mir das hier aufgefallen:

4. Ist dem Angreifer die Existenz einer dem Verteidiger zur Verfügung stehenden Waffe unbekannt, muß je nach Lage vom Verteidiger regelmäßig verlangt werden, daß er die Verwendung der Waffe androht, ehe er sie lebensgefährlich einsetzt (vgl. nur BGHSt 26, 143, 146; 26, 256, 258). Dabei kann je nach den Umständen eine konkludente Drohung ausreichend sein. (Bearbeiter)

Dazu habe ich eine Frage an euch "Experten vom Dienst":
Gilt die Anwendung von lethalen Waffenlosen Techniken (deren es u.a. in verschiedenen Kampfsportarten einige gibt, die nicht allzu schwer an- und durchzusetzen sind) gegen einen Angreifer auch als "Waffe", d.h. müsste man einen eventuellen Angreifer darauf hinweisen, dass man dazu in der Lage ist?

Vielen dank für die Antwort (oder Diskussion?) im Vorraus...

MfG, Gast.

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Beitragvon Trooper » So 14. Aug 2005, 13:51

Davon gehe ich nicht aus. Allerdings halte ich es für möglich, daß bei einem erfahrenen Kampfsportexperten etwas strengere Maßstäbe an die Wahl des Mittels gelegt werden.


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Beitragvon Niten » Mo 15. Aug 2005, 22:49

Für einen "letalen Angriff" muß man nicht zwangsläufig in einer Kampfsportart ausgebildet sein. Die Zeiten, in denen manche glauben, durch Drücken der richtigen "Knöpfe" am Körper eines Gegners sozusagen als Geheimtechnik diesen töten zu können, sind ja - Gott sei's gedankt - vorbei.
Wer fünf Sekunden nachdenkt, weiß, wie er jemanden in äußerster Absicht ohne Hilfsmittel wirksam (und tödlich) verletzen kann. Somit ist dies kein nur Kämpfern bekanntes Wissen und dadurch muß es auch nicht "angedroht" werden.

Wohl aber steht man bei einigen besonders kritischen (oder sehr "traditionellen" :wink: ) Richtern schlecht da, wenn man in solch Sachen bewandert ist und sich erfolgreich damit seiner Haut erwehrt hat, wie es Trooper bereits angemerkt hat...
Für den Fall sollte man immer ein paar "friedlichere" Alternativen in der Hinterhand halten. Oder sich seine Aussage vor Gericht schon im voraus zurechtlegen :mrgreen:

Es gab in meiner Jugend dieses häßliche Gerücht, man müsse Kenntnisse drei mal androhen, bevor man sich wehren dürfte. Oh Mann :60:

pfüti
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Beitragvon Nordlicht » Fr 19. Aug 2005, 15:50

In einer Notwehrsituation ist im Zweifel dasjenige Abwehrmittel zu nutzen, daß die geringsten Schäden beim Angreifer verursacht. Ein geübter Kampfsportler sollte also in der Lage sein, sich auch mit nicht letalen Mitteln zu wehren.
Schon vor etlichen Jahren wurde z.B. einem Jäger, der mit einem Messer bedroht wurde, vorgeworfen, daß er statt von der mitgeführten Kurzwaffe von der Flinte Gebrauch gemacht hatte.

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Beitragvon Trooper » Fr 19. Aug 2005, 16:19

In einer Notwehrsituation ist im Zweifel dasjenige Abwehrmittel zu nutzen, daß die geringsten Schäden beim Angreifer verursacht.
Es ist allerdings nach herrschender Meinung dem Verteidiger nicht zuzumuten, aus dieser Erwägung ein Mittel zu wählen, das den Angriff nicht mit sehr großer Sicherheit stoppt.

Dies gilt insbesondere bei potentiell tödlichen Angriffen, da in einem solchen Fall schwerste Folgen zu befürchten sind, wenn der Angriff nicht abgewehrt wird.

Insofern ist das immer eine Frage, die nur anhand des jeweiligen konkreten Einzelfalles geklärt werden kann.


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Beitragvon Gast1 » Sa 20. Aug 2005, 21:49

Also im Zweifelsfall lieber nicht so böse treffen und schauen, ob der Schmerz den Angreifer zur Räson bringt?

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Beitragvon DonCorleone » So 21. Aug 2005, 13:56

Also im Zweifelsfall lieber nicht so böse treffen und schauen, ob der Schmerz den Angreifer zur Räson bringt?
Wir sind uns ja glaub ich einige, dass tötlich wirkende Techniken oder der Einsatz von Waffen der Situation vorbehalten ist, in der das Lebens des Verteidigers unmittelbar und ernsthaft in Gefahr ist. Und dann muss der Verteidiger sich nicht auf zweifelhafte Methoden zurückziehen, die nicht sicher zum Erfolg führen. In einer Situation auf Leben und Tod erstmal nicht so hart schlagen und dann gucken was passiert, kann im Zweifelsfall für den Verteiger den Tod bedeuten.

Andererseits sollte man die Lebensgefahr nicht zu früh bejahen. Das Leben muss tatsächlich gefährdet sein, z.B. wenn Waffen im Spiel sind.
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Frage zu Selbstverteidigun/Notwehr

Beitragvon Apollo » So 21. Aug 2005, 14:37

[quote=""Nordlicht""]In einer Notwehrsituation ist im Zweifel dasjenige Abwehrmittel zu nutzen, daß die geringsten Schäden beim Angreifer verursacht. Ein geübter Kampfsportler sollte also in der Lage sein, sich auch mit nicht letalen Mitteln zu wehren.
Schon vor etlichen Jahren wurde z.B. einem Jäger, der mit einem Messer bedroht wurde, vorgeworfen, daß er statt von der mitgeführten Kurzwaffe von der Flinte Gebrauch gemacht hatte.[/quote]


Das kanns doch wohl nicht sein oder?


Wenn der Jäger wirklich deswegen verurteilt wurde.........na dann gute Nacht armes Deutschland.....
"All gave some, some gave all"

In Xanadu schuf Kubla Khan
Ein prunkvolles Vergnügungsschloss.
Wo Alph, der heil´ge Strom, durchfloss,
die tiefen Höhlen, unendlich groß,
hinab zum dunklen Ozean.


A Message to Humanity


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