"Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon Gast » Fr 17. Dez 2010, 22:14

Kampfsport gibt es ja nicht erst seit gestern. Früher war es Kung-Fu (zu Bruce-Lee-Zeiten) und Karate (-Kid), heute ist halt MMA modern. Ist aber ja auch nicht so, dass da Hinz und Kunz hin rennt. Ein Messer in der Hand eines Normalis kann ebenso schnell gefährlich werden, nur dass die Wahrscheinlichkeit in so eine Situation zu geraten wohl wesentlich größer ist, als sich mit einem top trainierten MMA-Kämpfer konfrontiert zu sehen.

Ehemalige Soldaten, Söldner und Kriminelle aus den Ostblockstaaten sind doch bestimmt das größere Problem und vor allem die größere Gefahr für Polizisten, oder?

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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Fr 17. Dez 2010, 23:18

Also, ich weiß ja nicht, in welcher Welt ihr arbeitet, aber mein größter Feind sind Alkohol- und BTM Einfluss.

Ja, ich habe auch Rockerkunden, selbsterklärte Fremdenlegionäre und Tschetschenienveteranen und unsere MMA Szene in meiner Kundenkartei, nur sind die in die Regel bei entsprechender Ansprache kooperativ.

Nur unter Einfluss o. g. Suchtmittel drehen auch diese frei. Da hilft mir aber auch keine Technik und kein Stil weiter, sondern nur 'viel hilft viel'.

Der größte Vorteil des o. g. Adressatenkreises ist zudem, dass man ihm die potentielle Gefährlichkeit auch ansieht - und entsprechend handelt.

Neulich hat ein Mensch, den die eingesetzten Beamten unter Müsliesser kategorisiert haben (was ich nach dem Foto auch getan hätte), mal einen fixen lucky punch gelandet.

Das ist dann wirklich ein Problem.
:lah:

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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon octodon-degus » Fr 17. Dez 2010, 23:28

Ich hab schon auch Widerstände erlebt, bei dem schnell klar wurde, dass der "Böse" etwas mehr drauf hatte als der Normalbürger. Da musste man ehrlich feststellen, dass da auch schon eingesteckt werden musste. Bislang war es jedoch immer so, dass der der bis zuletzt austeilt, gewinnt - und das war dann meinereiner...

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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Fr 17. Dez 2010, 23:31

Keine Frage.

Letzter Sieger war ich bislang auch immer...

Im o. g. lucky punch Fall waren wir auch Sieger...
:lah:

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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon octodon-degus » Fr 17. Dez 2010, 23:39

Naja, man muss dann aber auch dazu sagen, dass meine Kollegen zum Teil schon ordentlich was abbekommen haben. Es ist halt auch immer wieder gut zu sehen, dass zahlenmäßige Überlegenheit viel ausmacht.
Wenn einer Ärger macht, hat er es halt mit zwei PVB zu tun, welche zu zweit viel besser auf eine Person einwirken können.

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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon Danny.reloaded » Sa 18. Dez 2010, 12:23

Früher war es Kung-Fu (zu Bruce-Lee-Zeiten) und Karate (-Kid), heute ist halt MMA modern.
So pauschal kann man das jetzt aber nicht vergleichen. "Früher" war wohl eher Boxen und Ringen ein Problem.
Der größte Vorteil des o. g. Adressatenkreises ist zudem, dass man ihm die potentielle Gefährlichkeit auch ansieht
Wie erkennt man den Veteranen und Kampfsportler? An der Ausstrahlung?

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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon TypausHH » Sa 18. Dez 2010, 13:11

Mal eine Interessenfrage, bitte nicht hauen.

Wie sieht es mit einem Schusswaffeneinsatz gegen einen definitiv unbewaffneten aus, der entsprechende Skills hat und einen angreift (Natürlich als letztes mittel)?

ähnlich diesem Video:

http://www.youtube.com/watch?v=kX1Oer2EGu8

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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon schutzmann_schneidig » Sa 18. Dez 2010, 15:00

Wie soll es damit schon aussehen? Das ist, soweit erforderlich, nach dem Polizeigesetz möglich.
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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon Danny.reloaded » Sa 18. Dez 2010, 15:09

Würde mal behaupten, dass das auch unter Notwehr fällt.

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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon Trooper » Sa 18. Dez 2010, 15:23

Nur unter Einfluss o. g. Suchtmittel drehen auch diese frei. Da hilft mir aber auch keine Technik und kein Stil weiter, sondern nur 'viel hilft viel'.
Kommt drauf an, ich finde, man sollte das etwas differenzierter betrachten. Je mehr Zeit man damit zubringt, sich mit guten Jungs auf der Matte zu schubsen, desto besser sind die eigenen Chancen, das benötigte "Viel" zeitnah und mit möglichst geringer Eigengefährdung anzubringen. Und dabei geht es auch gar nicht unbedingt in erster Linie nur um konkrete, spezifische Techniken, sondern um Reaktionsfähigkeit, Geschwindigkeit, Timing, Distanzgefühl, taktisches Verständnis und die Fähigkeit, sich schnellstmöglich an variierende neue Konstellationen der Auseinandersetzung anzupassen - also kämpferische Grundattribute, die man am ehesten durch regelmäßiges Training mit viel Sparring erwirbt.

Ja, ich weiß, es gibt auch Kollegen, die einen Bierbauch haben, seit der Ausbildung nie ein Gym von innen gesehen haben und eine Vielzahl von Einsätzen immer erfolgreich mit dem "Richard" und der "Schutzmannskelle" bewältigen konnten. Jeder Mensch hat aufgrund seiner Veranlagung, Herkunft und Lebenserfahrung unterschiedliche Eigenschaften und Fähigkeiten, und es gibt nunmal Leute, die sich aus diversen Gründen mit körperlichen Konflikten leichter tun als andere - genauso wie es welche gibt, die auch mit jahrelangem Training keine großen Kämpfertypen werden.

Mir geht es auch gar nicht darum, dem trainierenden Kollegen X pauschal eine größere Einsatzfähigkeit zuzusprechen als dem nichttrainierenden Kollegen Y. Ich behaupte aber (und sowohl der gesunde Menschenverstand als auch alles, was ich bisher dienstlich und privat mitbekommen habe, unterstützt diese These), daß Kollege X - wenn man ihn ganz individuell betrachtet - durch sein Training leistungsfähiger ist, als wenn er nicht trainieren würde. Auch wenn er kein Leistungssportler ist, sein Zeitmanagement kein wirklich umfangreiches Training zuläßt, oder er aus persönlichen Gründen einfach kein besonders begabter Kämpfer ist - er ist auf jeden Fall schon mal deutlich besser dran als wenn er nix machen würde.

Tatsächlich halte ich das gerade für besonders wichtig für jemanden, der eben kein naturbegabter Fighter ist. Nicht jeder ist von Haus aus ein geborener Athlet mit der nötigen Grundaggressivität und kämpferischem "Killerinstinkt", um sich - koste es, was es wolle - durchzusetzen. Tatsächlich haben etliche unserer Nachwuchskräfte das nicht, weil sie aus einem gebildeten Mittelschichtmilieu kommen, in dem sich nunmal meistens nicht geprügelt wird. Mein eigener Werdegang sieht ja nicht anders aus.

Ich denke aber, daß es eine ganz wesentliche Einsicht ist, daß auch Leute mit einem weitgehend konfliktfreien Background durch entsprechendes Training die besagten Attributre entwickeln können (und sollten), die es zumindest etwas wahrscheinlicher machen, eine gewalttätige Konfrontation erfolgreich zu bewältigen. Und da man aus rechtlichen und gesundheitlichen Gründen nunmal nicht einfach auf die Straße gehen und "Übungskämpfe" provozieren sollte, ist das Mittel der Wahl in meinen Augen nunmal neben dem Erlernen von bestimmten technischen Fähigkeiten das regelmäßige Absolvieren von "Kämpfen light" unter kontrollierten (sprich sportlichen oder quasi-sportlichen) Bedingungen mit guten Sparringspartnern.
Ehemalige Soldaten, Söldner und Kriminelle aus den Ostblockstaaten sind doch bestimmt das größere Problem und vor allem die größere Gefahr für Polizisten, oder?
Das kommt wohl eher auf den Einzelfall an. Ich halte aber einen guten Boxer (oder meinetwegen auch nur einen mittelguten... oder Ringer, Judoka oder sonstigen Kontaktsportler) im Grundsatz für wesentlich gefährlicher als jemanden, der irgendwann in seiner Militärlaufbahn mal ein bißchen Nahkampf genießen durfte. Ersterer hat den Kram nämlich meistens über einen langen Zeitraum x-mal pro Woche geübt und ihn regelmäßig gegen sich ernsthaft wehrende, kompetente Gegner eingesetzt.
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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Sa 18. Dez 2010, 15:34

Als ultima ratio bei entsprechendem Angriffsverhalten zumindest nicht ganz auszuschliessen.

Danny, denk nach, bevor du fragst.
:lah:

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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon Danny.reloaded » Sa 18. Dez 2010, 15:40

Danny, denk nach, bevor du fragst.
Komm, erleuchte mich, ich komm einfach nicht drauf... wie erkennt man Veteranen oder Kampfsportler?

Wenn die "Dauerkunde" sind, weisst du eventuell Bescheid, aber sonst?

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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Sa 18. Dez 2010, 15:49

Je mehr Zeit man damit zubringt, sich mit guten Jungs auf der Matte zu schubsen, desto besser sind die eigenen Chancen, das benötigte "Viel" zeitnah und mit möglichst geringer Eigengefährdung anzubringen. Und dabei geht es auch gar nicht unbedingt in erster Linie nur um konkrete, spezifische Techniken, sondern um Reaktionsfähigkeit, Geschwindigkeit, Timing, Distanzgefühl, taktisches Verständnis und die Fähigkeit, sich schnellstmöglich an variierende neue Konstellationen der Auseinandersetzung anzupassen - also kämpferische Grundattribute, die man am ehesten durch regelmäßiges Training mit viel Sparring erwirbt.
Unbestritten.
:lah:

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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon Challenger » Mo 20. Dez 2010, 16:49

Trooper hat geschrieben:
Regelmäßiges Training ist für Polizeibeamte unverzichtbar.
Apropos... hatte mir da nicht schon mal jemand vor Jahren versprochen, daß er sich ein Gym suchen und regelmäßig rödeln gehen will? ;D
Ich weiß, Totschlagsargument, aber: Lieber unregelmäßig und dann professionell rödeln als gar nicht. :anonym:

Aber mein Gewissen rügt mich regelmäßig, wenn es dich beruhigt... ;-)
Trooper hat geschrieben:Nicht jeder ist von Haus aus ein geborener Athlet mit der nötigen Grundaggressivität und kämpferischem "Killerinstinkt", um sich - koste es, was es wolle - durchzusetzen. Tatsächlich haben etliche unserer Nachwuchskräfte das nicht, weil sie aus einem gebildeten Mittelschichtmilieu kommen, in dem sich nunmal meistens nicht geprügelt wird.
Ich finde, das ist einer der wichtigsten Aspekte: Grundvoraussetzung hierfür ist allerdings die mentale Vorbereitung. Sprich: Ich muß wissen, daß auf der Gasse die Situationen X und Y eintreten können und dann wissen wie sowie gewillt sein, mein polizeiliches Ziel zu erreichen, um es dann tatsächlich auch umsetzen zu können!
Trooper hat geschrieben:Ich denke aber, daß es eine ganz wesentliche Einsicht ist, daß auch Leute mit einem weitgehend konfliktfreien Background durch entsprechendes Training die besagten Attributre entwickeln können (und sollten), die es zumindest etwas wahrscheinlicher machen, eine gewalttätige Konfrontation erfolgreich zu bewältigen.
Da sehe ich (auf Grund eigener Erfahrung) leider das Problem, daß Viele nicht von "Matte" auf "Straße" umschalten können. Bei Vielen harpert es bereits im Kopf. Und solange diese Barriere besteht ist es problematisch, da solche Leute sehr wahrscheinlich auch nie Sparring betreiben werden...
Challenger


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Re: "Kampffähiger Zustand" des polizeilichen Gegenübers

Beitragvon Danny.reloaded » Mi 22. Dez 2010, 11:49

Und solange diese Barriere besteht ist es problematisch, da solche Leute sehr wahrscheinlich auch nie Sparring betreiben werden...
Und ohne ordentliches Sparring bleiben die Barrieren.


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