"Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Erfahrungsberichte, Probleme und Verbesserungsvorschläge...

Moderator: Team Justizvollzug

Knaecke77
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"Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Knaecke77 » Sa 18. Jun 2011, 21:12

„Brauchst Du ein Autogramm? Hier, komm her!“ Sheriff Joe zieht einen Stift aus der Sakko-Innentasche und kritzelt der Frau seine Unterschrift auf eine Postkarte. Im Schwenkbereich eines Kameramanns, der für eine lokale TV-Station die Krebskinder-Aktion filmt, mimt Arpaio den Star. Die Gefangene bedankt sich artig und schlurft in blassroten Plastiklatschen und in pinken Wollsocken zurück zu ihrem Zelt.

„Wer nach Hause schreiben will“, sagt Arpaio und deutet mit dem Daumen über die Schulter nach der Insassin, „der muss das auf so einer Karte tun. Auf jeder bin ich drauf.“

Die Karte zeigt ihn mit in die Hüften gestemmten Händen vor einem betroffen dreinblickenden Hünen in pinken Unterhosen. Auf einem Schild daneben steht: Tent City heute: harte Arbeit, kurze Haare, 35-Cent-Mahlzeiten, Bildungsfernsehen, rosa Unterwäsche, 50 Grad im Schatten. Kein Kaffee, keine Zigaretten, keine Filme, keine Mädchenmagazine. If you don´t wanna do the time, don´t do the crime - wenn du keine Zeit hier verbringen willst, brich das Gesetz nicht.

Die Karte ist kein Witz. Arpaios Häftlinge tragen rosa drunter, seit vor sechs Jahren ein Versuch aufflog, weiße Gefängnis-Unterwäsche hinauszuschmuggeln. „Warum pink?“, fragt Arpaio. „Weil sie pink hassen! Warum sollte ich ihnen etwas geben, das sie mögen?“ Der Sheriff versucht, den Insassen das Leben so schwer wie möglich zu machen - sie sollen nie wieder hierher wollen.

In Tent City gibt es nur zwei Mahlzeiten am Tag: pappige Weißbrot-Sandwiches mit Keksen, einer Pflaume und einem halben Liter Magermilch am Vormittag, Eintopf und Kartoffeln am Abend. Fernsehen ist auf politische Sendungen und den Wetterkanal beschränkt, Zigaretten und Kaffee sind verboten. Männer haben sich täglich glatt zu rasieren die Haare so zu schneiden, dass Ohren und Kragen frei liegen, für Frauen sind Zöpfe oder Dutts Pflicht. Schimpfwörter, Flüche und Gossensprache stehen unter Strafe, die Wärter sind mit „Sir“ und „Ma´am“ anzusprechen. Es gilt, sich im eigenen Zelt aufzuhalten, der klimatisierte Tagesraum ist auf kürzester Strecke anzusteuern. Wer gegen die Wachbeamten aufmuckt, wird auf Wasser und „Brot“ gesetzt, ein hinreichend nahrhaftes Getreidegemisch. Wer die Regeln bricht, riskiert die Bestrafung seines ganzen Zelt-Kollektivs, gröbere Verstöße wie Rangeleien oder Zigarettenschmuggel haben den „Lockdown“ zur Folge: 23-stündiger Verschluss täglich mit drei Mithäftlingen in einer winzigen Zelle. „Ich vermute, Sie servieren Ihren Strafgefangenen in Deutschland Sardellen-Pizza und Steaks. Nun, mein Gefängnis ist kein Hotel“, sagt Joe Arpaio. „Sehen Sie das dort?“ Er deutet auf ein Schild, das über den Zelten und Zäunen in den wolkenlosen Himmel ragt: „Vacancy“ blinkt dort in roter Neonschrift. Hier sind noch Plätzchen frei.

http://kulturbotschaft.de/arpaio.htm

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel"

Beitragvon MrBurnz » So 19. Jun 2011, 00:03

die ärmsten.


:polizei10:

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel"

Beitragvon ichhalt » So 19. Jun 2011, 02:37

interessant zu lesen...

Wile E. Coyote
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel"

Beitragvon Wile E. Coyote » So 19. Jun 2011, 07:34

Tja, was soll ich sagen. So etwas KLICK dürfte dort wohl nicht vorkommen.

Gruß

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel"

Beitragvon RuhrpottForever » So 19. Jun 2011, 10:16

Knaecke77 hat geschrieben:If you don´t wanna do the time, don´t do the crime - wenn du keine Zeit hier verbringen willst, brich das Gesetz nicht.
Ein bisschen mehr davon könnte bei uns auch nicht schaden... :ja:

Da gibt es übrigens auch eine interessante fünfteilige Reportage auf Youtube zu:

http://youtu.be/xrUtXMWtoN4

http://youtu.be/yupp_tdT8I0

http://youtu.be/L2dlV0UMtys

http://youtu.be/OZV_lRZRQ8k

http://youtu.be/LoeYFtd-GtE
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel"

Beitragvon schutzmann_schneidig » So 19. Jun 2011, 12:17

Wird bereits hier diskutiert.
- It's a deadly stupid thing to point a gun (real or fake) at a police officer in the dark of night or the light of day -

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel"

Beitragvon Guard » Mo 20. Jun 2011, 07:50

Wenn wir hier eine eigenständige Diskussion in Anlehnung an die deutschen Justizverhältnisse führen, dann lasse ich den Thread trotzdem offen.
Ich benenne ihn jedoch mal etwas um und gebe ihm ein anderes Spektrum, dann ist auch der Schutzmann glücklich :polizei1:
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon RuhrpottForever » Mo 20. Jun 2011, 10:34

Ist vielleicht auch besser. Scheint ein brisantes Thema zu sein. Der andere Thread befindet sich nämlich kurz vor der Eskalationsgrenze... :)
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Eisscrat » Mo 20. Jun 2011, 14:21

Na dann Start ich mal damit

Ein Luxusknast in Österreich.

Sry leider ist der Ton bescheiden
http://www.youtube.com/watch?v=oqohoVxsrb8

In Deutschland wird so einer gerade gebaut.
Und ratet mal wo...?
Richtig in Berlin! Dafür ist immer Geld da.
Passen zum thema "Mein Gefängnis ist (k)ein Hotel"
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Knaecke77 » Mo 20. Jun 2011, 14:35

Eisscrat hat geschrieben:Na dann Start ich mal damit

Ein Luxusknast in Österreich.

Sry leider ist der Ton bescheiden
http://www.youtube.com/watch?v=oqohoVxsrb8

In Deutschland wird so einer gerade gebaut.
Und ratet mal wo...?
Richtig in Berlin! Dafür ist immer Geld da.
Passen zum thema "Mein Gefängnis ist (k)ein Hotel"
Beachtlich, beachtlich.

Ein Gefängnis mit Sonnenterasse und Wohlfühlraum wenn die Frau/Freundin zu besuch kommt, Sportplatz und Kraftraum.

Meines Erachtens ist dies ein Schlag ins Gesicht der Opfer dieser "Insassen"..

Hier zum Vergleich......ein russisches Gefängnis:

http://www.n-tv.de/img/65/654270/Img_16 ... rison2.jpg

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Aufbruchsstimmung » Mo 20. Jun 2011, 19:35

Ich würde aus meiner Erfahrung heraus mal behaupten, dass wir in Deutschland schon eine relativ annehmbare "Mitte" verkörpern. Wir haben Anstalten welche überzogenden "Luxus" anbieten (riesige Sporthallen, Krafträume, Fernsehräume, Billiard, Kicker und Co.), auf der anderen Seite haben wir sehr einfach gehaltene Anstalten in denen Sicherheit das oberste Gut ist. Wenn man dann noch den offenen Vollzug miteinbezieht, so denke ich doch, dass wir unterm Strich für jeden Insassen das Passende anbieten können.
Man sollte jedoch mal etwas genauer hinsehen, wem man was in den Allerwertesten steckt.
Das Inhaftierte mit unstrittig unschönen Straftaten in "schöne" Anstalten kommen, ist m.E. nach nicht unbedingt notwendig. Sollte man da doch mal an die opfer denken.

Und so ein - zwei Dinge könnte man vielleicht grundsätzlich einsparen (ich denke da an Taschengeld, Selbstverteidigung für Straftäter und manches anderes).

Ich weiß, dass man da geteilter Meinung sein kann. ich unterstütze jedoch Guard mit seinem Wunsch nach Sachlichkeit!

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Knaecke77 » Di 21. Jun 2011, 09:40

@ CookieMonster

Zitat aus den Thread "Joe Arpaio - der härteste Sheriff in Amerika" :

" Ist es denn Ziel des Gesetzgebers bzw. im Interesse des Bürgers, dass Menschen nach langem Freiheitsentzug in Freiheit gelangen, die keine Gleichbehandlung vor dem Gesetz erfahren haben, die unter der Obhut des Staates gedemütigt und ihrer Menschenwürde beraubt wurden, die über Jahre unter staatlicher Aufsicht das erfahren haben, weswegen man sie einst verurteilte? "
Zitat Ende


Hier stellen sich für mich folgende Fragen:

- Welche Grundlegende Aus- und Zielrichtung hat der Justizvollzug in Deutschland?
- Wie soll eine "Wiedergutmachung" (wenn so was überhaupt möglich ist!) der großen Schuld, die manche Straftäter auf sich geladen haben, gesühnt (!) werden, wenn diese in Haftanstalten mit Schwimmbad, Sonnenterasse und speziellen "Paarbesucherräumen" inhaftiert sind?

Vielleicht liege ich ja auch ganz falsch und Begriffe wie "Sühne" & "Vergeltung" sind Begrifflichkeiten, die bei der Strafbeurteilung und dem sich anschließendem Vollzug gar keine Rolle spielen?

Muss man alles der Resozialisierung unterordnen? Hat das Opfer einer Straftat kein Recht darauf, dass die ihm/ihr zugefügten Rechtsgutverletzungen auch angemessen bestraft werden?

Inwieweit die Methoden des Sheriffs hilfreich sind, den einen oder die andere vor Straftaten abzuschrecken, weiß ich nicht....vielleicht ist ja hier eine sachliche Diskussion darüber möglich.

Um auch eines klar zu stellen.....ich befürworte nur "Methoden" die mit dem Grundgesetz vereinbar sind.
Anderseits sollte es doch möglich sein, die amerikanische und deutsche Vorgehensweise im Strafvollzug sachlich zu beurteilen, dazu gehört eben auch, dass man sich mit der einen oder anderen Methode näher befasst.
Ich würde mich über möglichst viele Beiträge von Beschäftigen des Justizvollzuges freuen! :)

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Nightshift » Di 21. Jun 2011, 11:03

Moin,
hier mal der Link zu Wiki: Strafvollzug

Dort wird kurz und knackig unsere gesetzliche Grundlage dargestellt. Damit sich diejenigen, die sich mit den Normen des Justizvollzuges nicht so gut auskennen, informieren können.

Da werden einige Fragen, die @Knaecke hier gestellt hat, beantwortet!


Da es sich hier nun um einen internationalen Vergleich handelt - Hier mal zwei Youtube Clips, wie unsere rusischen Kollegen mit Vollzugsstörern umgehen:russian riot und dazu noch hier Kritik am Vollzugssystem Russlands
Zuletzt geändert von Nightshift am Di 21. Jun 2011, 11:07, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon RuhrpottForever » Di 21. Jun 2011, 11:06

Finde ich gut, dass du das nochmal aufgreifst Knaecke. Vielleicht ist hier ja wirklich eine sachliche Diskussion möglich.

Momentaner Stand ist aus meiner Sicht folgender:
Knaecke77 hat geschrieben:- Welche Grundlegende Aus- und Zielrichtung hat der Justizvollzug in Deutschland?
§ 2 StVollzG Abs. 1: Behandlung und Resozialisierung
§ 2 StVollzG Abs. 2: Sicherheit und Schutz der Allgemeinheit

Die Behandlung und Resozialisierung hat der Gesetzgeber hier 1976 klar in den Vordergrund gestellt. Die Sicherheit und der Schutz der Allgemeinheit kommen hier an zweiter Stelle. Das kann man u.a. an der Formulierung mit dem Wörtchen "Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten" sehen. Der Gesetzgeber hatte damals auch vorgesehen, dass der offene Vollzug der "Regelvollzug" sein sollte (siehe § 10 StVollzG). Es gibt bestimmt noch mehr solche Passagen im StVollzG. Der Grundgedanke an sich war mit Sicherheit auch gut gemeint. Die Realität hat diesen Grundgedanken meiner Ansicht nach jedoch völlig überrannt. Das Schlimme ist, dass wir mit diesem Gesetz in einer Situation arbeiten, die sich wesentlich von dem ursprünglichen "Traum" unterscheidet.
Knaecke77 hat geschrieben:- Wie soll eine "Wiedergutmachung" (wenn so was überhaupt möglich ist!) der großen Schuld, die manche Straftäter auf sich geladen haben, gesühnt (!) werden, wenn diese in Haftanstalten mit Schwimmbad, Sonnenterasse und speziellen "Paarbesucherräumen" inhaftiert sind?
Das frage ich mich auch. Ich orientiere mich nochmal am StVollzG und nehme mal den Angleichungsgrundsatz des § 3. Hier steht, dass das Leben im Vollzug den allgemeinen Lebensverhältnissen soweit als möglich angeglichen werden soll. Das kann aus meiner Sicht aber nicht bedeuten, dass Straftätern eine bessere Behandlung zukommt als den Opfern. Wenn hier beispielsweise Schwimmbäder schliessen, die Dächer von Kindergärten undicht sind und der Zustand der Sportplätze in Gefängnissen besser ist, als der den unsere Kinder zur Verfügung haben, dann hat das mit Angleichung absolut nichts mehr zu tun. Ferner gibt es irgendwo bei uns im Strafrecht den Begriff des "Strafübels." Ich frage mich nur manchmal: Wo ist das Übel??? Die meisten Gefangenen haben einen Fernseher, einen DVD-Player, können kostenlos zum Sport, haben rund um die Uhr kostenlos Strom auf den Hafträumen usw. Diese Aufzählung lässt sich noch beliebig fortführen und zeigt, dass wir auf einem äusserst weichgespülten Kurs sind, der mit Strafe nicht viel zu tun hat. Konfuzius hat mal gesagt: "Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu Handeln; erstens durch Nachdenken, das ist das Edelste, zweitens durch Nachahmen, das ist das Leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist das Bitterste. Die ersten beiden Wege haben bei den Straftätern offensichtlich versagt. Dann sollte man aber wenigstens dafür sorgen, dass der dritte Weg sein Ziel nicht auch noch verfehlt.
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Knaecke77 » Di 21. Jun 2011, 12:06

@ Nightshift

Das sind ja grauenerregende Zustände in Rußland. Das die Strafgefangenen dort "gestörter" aus den Gefgängnissen rauskommen als sie reingekommen sind, darüber besteht wohl konsens.
Danke für den Link bei wiki....absolut verständlich geschrieben.

@ RuhrpottForever

Vollzugsziel und Vollzugsgrundsätze

In § 2 Satz 1 StVollzG ist als Vollzugsziel die Resozialisierung festgeschrieben. Häufig wird jedoch auch von (Re-) Sozialisation gesprochen, da man annimmt, dass ein Teil der zu Freiheitsstrafe Verurteilten im Rahmen des Strafvollzugs erstmals mit den gesellschaftlich verbindlichen Normen vertraut gemacht wird. Darüber hinaus gehört zu den weiteren Aufgaben des Strafvollzugs der Schutz der Bevölkerung vor weiteren Straftaten (§ 2 Satz 2 StVollzG). Allerdings handelt es sich dabei nach herrschender Meinung nicht um ein gleichrangiges Ziel des Vollzugs. Vielmehr soll dadurch lediglich der Sicherungsaspekt der Freiheitsstrafe (negative Spezialprävention) als Minimal-Aufgabe des Vollzugs der Freiheitsstrafe zum Ausdruck gebracht werden. Die Berücksichtigung anderer Strafzwecke wie Schuldausgleich, Generalprävention etc. bei der Gestaltung des Vollzugs ist dagegen nach herrschender Meinung nicht zulässig.

Quelle : Wikipedia

Was ist unter den Begriffen Generalprävention und Schuldausgleich im Sinne des StVollzG zu verstehen?
Sehe ich es also richtig, dass Reue und Sühne bzw. Wiedergutmachung im Sinne, dass dem Opfer einer Straftat „Gerechtigkeit“ wiederfährt, keine Begrifflichkeiten sind, die bei der Strafzumessung bzw. danach im Vollzug eine Rolle spielen?
Da gem. § 2 Satz 1 StVollzG ist als Vollzugsziel (Re)Sozialisierung und Schutz der Bevölkerung (§ 2 Satz 2 StVollzG) maßgeblich sind.
Das frage ich mich auch. Ich orientiere mich nochmal am StVollzG und nehme mal den Angleichungsgrundsatz des § 3. Hier steht, dass das Leben im Vollzug den allgemeinen Lebensverhältnissen soweit als möglich angeglichen werden soll. Das kann aus meiner Sicht aber nicht bedeuten, dass Straftätern eine bessere Behandlung zukommt als den Opfern. Wenn hier beispielsweise Schwimmbäder schliessen, die Dächer von Kindergärten undicht sind und der Zustand der Sportplätze in Gefängnissen besser ist, als der den unsere Kinder zur Verfügung haben, dann hat das mit Angleichung absolut nichts mehr zu tun. Ferner gibt es irgendwo bei uns im Strafrecht den Begriff des "Strafübels." Ich frage mich nur manchmal: Wo ist das Übel??? Die meisten Gefangenen haben einen Fernseher, einen DVD-Player, können kostenlos zum Sport, haben rund um die Uhr kostenlos Strom auf den Hafträumen usw. Diese Aufzählung lässt sich noch beliebig fortführen und zeigt, dass wir auf einem äusserst weichgespülten Kurs sind, der mit Strafe nicht viel zu tun hat.


Wäre zu befürchten, dass die in den § 2 StVollzG genannten Vollzugsziele nicht zu erreichen wären, wenn die Einrichtung so mancher JVA weniger luxuriös (im Vergleich zu anderen Ländern) wäre?

Gibt es Studien wie erfolgreich das Deutsche Justizvollzugssystem in Bezug auf folgende Punkte gegenüber anderen Ländern ist?:
- Rückfallquote
- Kosten des Vollzuges
- Gewalt innerhalb von JVA´s gegenüber dort eingesetztem Personal und Insassen durch Insassen.

Ist bekannt, welche Vollzugesziele in den USA maßgeblich sind? Wäre es möglich, dass dort der Gedanke der Strafe (im Sinne von Wiedergutmachung für die leiden der Opfer) im Vordergrund stehen.... im wahrsten Wortsinne eben eine :STRAFjustiz?


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