"Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Eisscrat » Di 21. Jun 2011, 21:33

CookieMonster hat geschrieben:Das Argument, das die Sitzenden nicht straffällig werden passt nunmal nicht.
Ok dann ändern wir das eben das die Bevölkerung vor Einsitzenden Straftätern sicher ist.

Nebenbei halte ich 15 Jahre als Höchstrafe auch lächerlich.
Wenn schon dann wenigstens zusammengezählt.

Heißt RAF Terrorist wegen 9 fachem Mord = 141 Jahre Freiheitsstrafe.
Dann kann man ihn von mir aus auch nach 2/3 entlassen.
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Gast » Di 21. Jun 2011, 21:41

Nebenbei halte ich 15 Jahre als Höchstrafe auch lächerlich.
Wenn schon dann wenigstens zusammengezählt.
Was ist das denn jetzt? Das hat a) mit dem Thema nichts zu tun, und ist b) falsch.

Die Höchststrafe ist auch in Deutschland lebenslänglich. Und lebenslänglich bedeutet auch in Deutschland lebenslänglich, es kann lediglich nach einer Mindestverbüßung von 15 Jahren die Möglichkeit auf eine vorzeitige Entlassung geprüft werden.
Zuletzt geändert von Gast am Di 21. Jun 2011, 21:41, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Mainzelmann2001 » Di 21. Jun 2011, 21:41

CookieMonster hat geschrieben:Das Argument, das die Sitzenden nicht straffällig werden passt nunmal nicht.

Ich sagte: In der regel, also normalerweise. Man man man

Desweitern rede auch ich hier nicht von Privilegien, sondern nur von Gestaltungsgrundsätzen im internationalen Vergleich, um die es hier ja immerhin geht.
Ich weiß, und bin auch dafür, den allermeisten Strafgefangenen alle möglichen Möglichkeiten angedeien zu lassen um sie wieder als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu machen.
Ja genau, aber wie stellt man das denn nun an? Wie mache ich aus einem Straftäter einen gesetzestreuen Bürger?

Indem ich alles versuche, ihn zu resozialisieren. Magst du jeweils 5 zu deinen 3, bitte. Morgen.
Alles andere ist Heuchelei und...........ein Verbrechen an der Gesellschaft
Was genau betrachtest du denn jetzt als Heuchelei?
Dass denjenigen welche es eben verwirkt haben, weil sie sich durch die eine oder durch mehrere Taten disqualifiziert und als permanente oder unberechenbare Gefahr erwiesen haben, genau das Selbe erfahren als denn die möglicherweise resozialisierbaren Gefangenen.

Ich finde es falsch alle in einen Topf zu schmeißen.

Die Taten sind ja auch nicht gleich.
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Gast » Di 21. Jun 2011, 21:54

Indem ich alles versuche, ihn zu resozialisieren. Magst du jeweils 5 zu deinen 3, bitte. Morgen.
Ja hätte ich gerne... bitte, danke!
Ich finde es falsch alle in einen Topf zu schmeißen.

Die Taten sind ja auch nicht gleich.
So, und da kommen wir fast zusammen.
Nur wer trennt denn nun die Spreu vom Weizen?
Und, möchte man tatsächlich festlegen, wem schlussendlich die Möglichkeit durch Vollzugsgestaltung und Behandlungsmaßnahmen in Zukunft ein straffreies Leben zu führen, verwehrt bleiben soll?! Und wie gestaltet man den Vollzugsalltag derer, die eben deiner Meinung nach das Recht auf Resozialisierung verwirkt haben?

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Mainzelmann2001 » Di 21. Jun 2011, 21:58

CookieMonster hat geschrieben: So, und da kommen wir fast zusammen.
Nur wer trennt denn nun die Spreu vom Weizen?
Der Richter im Urteil. Nur der darf und kann das.

Und der Rest morgen, Gute Nacht.

PS: wenn der schon div. Grundrechte als verwirkt ansehen darf, kann er solche Sachen sicherlich.Man muss ihn nur lassen.
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Guard » Di 21. Jun 2011, 22:25

Thread von Beiträgen außerhalb des Themas befreit.

@ Mr. Burnz und Nicci......Nun ist hier bitte Ruhe im Karton, ansonsten gibts Verwarnungen.
Danke :polizei2:

Das Thema wird bitte sachlich weitergeführt !
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Gast » Di 21. Jun 2011, 22:25

PS: wenn der schon div. Grundrechte als verwirkt ansehen darf
Tut er das? Oder schränkt er nur ein? Aber schleifen wir sie alle vor das BVerfG... Ist dann nur leider der Forderung nach einer zeitnahen Aburteilung zuwider.
Man muss ihn nur lassen
Man kann aber auch die Erkenntnis erlangen, dass das was wir hier in Deutschland machen im internationalen Vergleich sich gar nicht mal ganz so mistig darstellt, wie es hier von einigen versucht wird darzustellen...

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Guard » Di 21. Jun 2011, 22:36

CookieMonster hat geschrieben: Nur wer trennt denn nun die Spreu vom Weizen?
Du, ich, der AL und die anderen Kollegen.
Jeden Tag macht irgendwer eine Vollzugsplanfortschreibung.
In diesen trennt man Spreu von Weizen.
In enger Zusammenarbeit mit den Gerichten und den StAen machen wir auch bezgl. den vorz. Entlassungen nichts anderes.
Und ich maße mir auch mal einfach an zu behaupten, dass ich das gut kann.
Ist ja auch mein Beruf :polizei2:

Vieles gebieten, zumindest wenn man sie ernst nimmt, auch schon deine zitierten Grundsätze.

Bsp. Angleichungsgrundsatz:

Freiheit: Keine Arbeit = kein Geld = Grundversorgung vom Staat
Knast: Keine Arbeit = Grundversorgung + Taschengeld

Meine Frage ist da ganz einfach.
Muss jemand der nicht straffällig war, mit seinem Geld haushalten muss, sein Essen selber zubereiten muss und sich noch aktiv nach einer neuen Arbeitsstelle umsieht, dem Inhaftierten mit ähnlichen Umständen gegenüber benachteiligt sein?

Dem Ganoven bringen wir das Essen, bieten ihm Arbeit an. Geben ihm kostenlos die Möglichkeit an Sport und anderen Freizeitgestaltungen teilzunehmen. Geben ihnen Taschengeld für Luxusartikel.
Ist das der Welt da draußen angeglichen?
Ist das Gerecht?

Wenn Angleichung, dann doch auch dort, wo es angemessen scheint.

Ich gebe dir Recht wenn du sagst, dass wir resozialisieren müssen. Jedoch sollten unsere Angebot dosiert und maßgeschneidert, nicht wie eine Streubombe auf den Gefangenen losgelassen werden.
Das kostet nur unnötig Zeit, Geld und Nerven.

Jedem das was er braucht.... nicht mehr, aber auch nicht weniger !
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Eisscrat » Di 21. Jun 2011, 22:40

CookieMonster hat geschrieben:
Nebenbei halte ich 15 Jahre als Höchstrafe auch lächerlich.
Wenn schon dann wenigstens zusammengezählt.
Was ist das denn jetzt? Das hat a) mit dem Thema nichts zu tun, und ist b) falsch.

Die Höchststrafe ist auch in Deutschland lebenslänglich. Und lebenslänglich bedeutet auch in Deutschland lebenslänglich, es kann lediglich nach einer Mindestverbüßung von 15 Jahren die Möglichkeit auf eine vorzeitige Entlassung geprüft werden.
Mh scheint die entlassung nach 25 Jahren oder weniger eher die Regel als die Ausnahem zu sein.
Soviel zu "Lebenslänglich"

Aus wiki RAF
Mit Birgit Hogefeld (seit 1993 in Haft) wurde das letzte RAF-Mitglied im Juni 2011 auf Bewährung entlassen. Christian Klar wurde am 19. Dezember 2008 nach 26 Jahren Haft auf Bewährung entlassen, Eva Haule (inhaftiert seit 1986) wurde am 17. August 2007 auf Bewährung entlassen, Brigitte Mohnhaupt (wie Klar seit 1982 inhaftiert) wurde nach 24 Jahren am 25. März 2007 entlassen. Hanna Krabbe war von 1975 bis 1996 inhaftiert. Rolf Clemens Wagner, der vornehmlich in den 1970ern für die RAF aktiv war, wurde am 9. Dezember 2003 nach 24 Jahren aus der Haft entlassen. Adelheid Schulz, die unter anderem wegen ihrer Beteiligung an der Schleyer-Entführung zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, wurde am 1. Februar 2002 vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau begnadigt. Schulz genoss zuvor schon seit Oktober 1998 wegen ihres Gesundheitszustandes Haftunterbrechung. Im Oktober 2001 wurde die Haftstrafe Rolf Heißlers zur Bewährung ausgesetzt, er war 1982 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Ex-Terroristin Andrea Klump sitzt seit 2001 ebenfalls eine Haftstrafe ab, der Vorwurf der RAF-Zugehörigkeit wird jedoch von Klump bestritten.
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Gast » Mi 22. Jun 2011, 08:27

Bsp. Angleichungsgrundsatz:

Freiheit: Keine Arbeit = kein Geld = Grundversorgung vom Staat
Knast: Keine Arbeit = Grundversorgung + Taschengeld
Genau. Weiter zeigt dein Beispiel auch ganz deutlich, das die BRD ein demokratischer und sozialer Bundesstaat ist. Das nennt sich Sozialstaatsprinzip und eben dieses Prinzip macht nicht halt an der Pforte einer JVA.

Jeder der aus eigener Kraft oder aus eigenen Mitteln seine Existenz nicht sichern kann erhält Unterstützung! Als Bürger in Form von Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe, der Gefangene erhält Taschengeld und Entlassungsbeihilfe. Das Existenzminimum wird vom Staat gesichert!
Dem Ganoven bringen wir das Essen, bieten ihm Arbeit an. Geben ihm kostenlos die Möglichkeit an Sport und anderen Freizeitgestaltungen teilzunehmen. Geben ihnen Taschengeld für Luxusartikel. Ist das der Welt da draußen angeglichen? Ist das Gerecht?
Das ist insofern gerecht, als dass durch das Schaffen von Behandlungs und Freizeitmöglichkeiten dem Gefangenen ermöglicht werden soll, nach der Entlassung ein Leben ohne Straftaten in sozialer Verwantwortung zu führen. Um in sozialer Verantwortung leben zu können muss auch soziale Verantwortung erlernt werden können, vermittelt werden können und auch praktiziert werden können.

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Knaecke77 » Mi 22. Jun 2011, 09:26

Ich danke euch für die zahlreichen informativen Beiträge.

Vieles wusste ich schlicht nicht und ich muss zugeben, dass ich, wahrscheinlich wie ein Großteil der Bevölkerung, nicht viel Ahnung von eurer Arbeit bzw. den Strafvollzug im allgemeinen hatte.
Es ist eben nicht damit getan, die Türe hinter den Insassen abzuschließen.

Wenn ich also richtig mitgelesen habe, gibt es für jeden rechtskräftig verurteilten Häftling einen "Vollzugsplanfortschreibung". Hier wird erfasst, wie sich dieser führt und sollte es keine Beanstandungen geben, kann es nach einer gewissen Zeit zu Vergünstigungen bis bin zum offenen Vollzug kommen.

Weiter muss ich mich wohl auch vom Gedanken trennen, dass Sühne etwas ist, was durch den Vollzug zu gewährleisten ist.

Zusammenfassend kann man wohl feststellen, dass der "Stein der Weisen" im Strafvollzug noch nicht gefunden wurde.
Ich glaube, hier besteht absoluter Konsens darüber, dass das prügeln von Häftlingen, wie die Szenen aus Russland drastisch gezeigt haben, der falsche Weg sind.
Nach dieser Diskussion glaube ich, dass auch das tragen von rosa Unterwäsche nur bedingt ein taugliches Mittel ist zukünftige Straftaten zu verhindern.

Anderseits zeigt die Rückfallquote (sollte ich die Zahlen richtig gedeutet haben) bei "erlebnisorientierten Jugendlichen", dass auch der therapeutische Ansatz hier nur bedingt erfolgreich ist.

Es scheint eben wie immer zu sein.....man muss wohl leben, dass man nicht aus jedem Häftling einen Musterbürger machen kann, wenn dieser die JVA verlassen hat.
Was mich doch sehr gewundert hat, war der Anstieg der weiblichen Insassen im Vollzug.
Worauf ist dies zurück zu führen?

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon ichhalt » Mi 22. Jun 2011, 16:54

fast nur btmer... leider.

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Guard » Mi 22. Jun 2011, 20:50

CookieMonster hat geschrieben:
Bsp. Angleichungsgrundsatz:

Freiheit: Keine Arbeit = kein Geld = Grundversorgung vom Staat
Knast: Keine Arbeit = Grundversorgung + Taschengeld
Genau. Weiter zeigt dein Beispiel auch ganz deutlich, das die BRD ein demokratischer und sozialer Bundesstaat ist. Das nennt sich Sozialstaatsprinzip und eben dieses Prinzip macht nicht halt an der Pforte einer JVA.
Richtig.
Jedoch sollte man sich m.E. Gedanken darüber machen, on LUXUSARTIKEL wirklich von Nöten sind.
Wer nicht arbeitet, der sollte die GRUNDversorgung erhalten, mehr nicht.
Die Grundversorgung besteht nach meinem Verständnis aus einer sicheren Unterbringung (Dach über dem Kopf), 3 Mahlzeiten, den Zugriff auf mind. eine Informationsquelle (Zeitschrift oder TV oder Radio)... mehr ist nicht nötig.
Wer mehr möchte, der sollte etwas dafür tun.
Wenn ich mehr möchte, muss ich auch mehr machen. Von nichts kommt nichts.... etc.
Anders erreicht man die Gefangenen nicht, die ihre Zeit "abmachen" wollen und mit dem Empfang von Taschengeld mehr als zufrieden sind.
Und da kennt jeder von uns mannigfaltige Beispiele.
Deswegen bleibe ich dabei... Jeder Gefangene muss individuell bestraft und/oder behandelt werden. Wer Angebote im Vollzug ablehnt und sich somit der Mitwirkung an der Erreichung des Vollzugsziels entzieht, der muss auch eindeutige Benachteiligungen im Vergleich zu denen erleben, die an Ihrer Resozialisierung mitarbeiten.
Dies ist in unserem System teilweise leider nicht der Fall.
Und so lange Menschen, welche für 2 Jahre "einfahren", diese Zeit mit fernsehen, futtern und schlafen verbringen können, nach wie vor nicht nachhaltig sanktioniert werden (keine Luxusartikel z.B.), so lange braucht mir niemand damit kommen, dass wir alles in unserer Macht stehende versucht haben.
Man ist sich nur politisch zu fein dazu, uns endlich zu legitimieren, Gefangene auch mal an der kurzen Leine halten zu dürfen. Vielmehr ist es so, das selbst der letzte Strolch und Tunichtgut Möglichkeiten offeriert bekommt, von denen so manch einer draußen nur träumen kann.
Wer nicht arbeiten geht, der hat auch kein Geld für das Fitnessstudio und kann ergo auch nicht zum Sport.
Frag doch mal unsere Stammkunden, welche während der Inhaftierung wahre Sportfreaks waren, ob sie "draußen" auch nur einmal beim Sport waren. Die Antwort wird dich vielleicht überraschen?!
Draußen ist niemand der um 17 Uhr daran erinnert, dass Fußballgruppe 3 und Kraftsport 2 jetzt ausrücken müssen. Niemand ist da, der an den Gefangenen appelliert, dass er doch etwas für sich und seinen Körper tun muss. Da ist manchmal nur der Haftentlassene... und sonst niemand. Kein Sozialarbeiter der auf Antrag "ins Haus" kommt, kein Betreuer der sich um die kleinen und großen Probleme des Alltags kümmert oder mit leichten Anstößen einer "Hilfe zur Selbsthilfe" praktiziert.
Der Gefangene sollte spätestens bei uns lernen, das ihm NICHTS in den Schoß fällt, man mit ein wenig Engagement und Eigeninitiative jedoch eine Menge erreichen kann.
Wer dies nicht zeigt, der sollte -wie bereits erwähnt- eine Mindestversorgung erhalten.... zu welcher kein Tabak, Kaffee oder andere Luxusgüter gehören.
Dann erkennt der Eine oder Andere vielleicht die Zeichen der Zeit ..... vielleicht....
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon RuhrpottForever » Mi 22. Jun 2011, 23:03

Ich sehe das genauso wie Guard. :zustimm:
Guard hat geschrieben:Deswegen bleibe ich dabei... Jeder Gefangene muss individuell bestraft und/oder behandelt werden. Wer Angebote im Vollzug ablehnt und sich somit der Mitwirkung an der Erreichung des Vollzugsziels entzieht, der muss auch eindeutige Benachteiligungen im Vergleich zu denen erleben, die an Ihrer Resozialisierung mitarbeiten.
Guard hat geschrieben:Wer dies nicht zeigt, der sollte -wie bereits erwähnt- eine Mindestversorgung erhalten.... zu welcher kein Tabak, Kaffee oder andere Luxusgüter gehören.
Das meinte ich mit meinem Beitrag auf Seite 2, dass eine Strafe "wehtun" muss. Falsches Verhalten muss bestraft werden. Ebenso muss man aber auch richtiges Verhalten belohnen. Das funktioniert bei den allermeisten leider nur mit der Methode: Lernen aus Erfahrung !!!
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon RuhrpottForever » Mi 22. Jun 2011, 23:28

Ich hätte da noch einen kleinen, sehr originellen Beitrag, den ich heute per E-Mail erhalten habe.

"Welche schöne Idee !!!
Setzen wir doch ältere Menschen in die Gefängnisse und die Verbrecher in Heime für ältere Menschen.
Auf diese Art und Weise hätten unsere alten Leute täglich Zugang zu einer Dusche, Freizeit, Spaziergänge, Arzneimittel und regelmäßige medizinische Untersuchungen. Sie würden Anspruch auf Rollstühle haben usw. Sie würden Geld erhalten, anstatt für ihre Unterbringung zu zahlen. Dazu hätten sie Anspruch auf eine konstante Überwachung durch Video, würden also im Notfall sofort Hilfe bekommen. Ihre Wäsche würde regelmäßig gewaschen und gebügelt. Sie hätten alle 20 Minuten Besuch vom Beamten und würden Ihre Mahlzeiten direkt ins Zimmer bekommen. Sie hätten einen speziellen Raum, um ihre Familie zu empfangen. Sie hätten Zugang zu einer Bibliothek, zum Gymnastikraum, physischer und geistiger Therapie und sogar das Anrecht auf kostenlose Weiterbildung. Auf Antrag wären Schlafanzüge, Schuhe, Pantoffeln und sonstige Hilfsmittel legal kostenlos zu bekommen. Private Zimmer für alle mit einer eigene Aussenfläche, umgeben von einem großartigen Garten. So hätte jede alte Person Anspruch auf einen Fernseher, ein Radio sowie auf Telefonieren. Es gäbe einen Direktorenrat, um die Klagen anzuhören, und die Bewachung hätte einen Verhaltenskodex zu respektieren!

Die Verbrecher würden meist kalte, bestenfalls lauwarme Mahlzeiten bekommen, sie wären einsam und ohne nennenswerte Überwachung gelassen. Die Lichter würden um 20 Uhr ausgehen. Sie hätten Anspruch auf ein Bad pro Woche (wenn überhaupt!), sie würden in einem kleinen Zimmer leben und wenigstens 2000 € pro Monat zahlen, ohne Hoffnung, lebend wieder heraus zu kommen! Und damit schließlich gäbe es eine gerechte Justiz für alle!"


Das ist natürlich satirisch gemeint, enthält aber meiner Meinung nach einen wahren Kern.
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