"Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Gast » Mi 22. Jun 2011, 23:43

Und leider fehlt ein ganz wichtiger Aspekt: Die neuen Bewohner würden wohl kaum bleiben...

Denn das, was eine Freiheitsstrafe nämlich ausmacht - eben den Entzug der Freiheit - hättest du nicht...

LG,

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon RuhrpottForever » Do 23. Jun 2011, 00:48

Das ist ja wie schon gesagt eine satirische Geschichte. Also lass bitte die Goldwaage aus dem Spiel... :polizei2:
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Guard » Do 23. Jun 2011, 04:17

Ruhrpotts satirischer Vergleich zeigt eigentlich ganz gut auf, das unser System nicht immer gerecht und ausgewogen ist.
Auch wenn der Vergleich die Pflege alter und kranker Bürger nicht gerade gut wegkommen läßt.... :polizei1:

Meine Eltern werden eine Kopie des Beitrages jedoch auf jeden Fall zu lesen bekommen.
Das sind ja nun ganz neue Perspektiven, welche man da fürs Alter aufgezeigt bekommt :polizei1:
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Gast » Do 23. Jun 2011, 11:39

Keine Sorge, ich lass die Goldwaage aus dem Spiel... ;D

Sicherlich enthält der Text auch in Teilen Wahrheit - nur der Freiheitsaspekt ist für mich ein ganz wesentlicher...
ICH kann selbst entscheiden, ob ich abends mal spontan mit Freunden ins Kino gehe, ob ich Ewigkeiten am Telefon mit meiner Family schnacke, ob ich heut Mittag Pizza essen gehe oder mir doch lieber selber wat brutzel... Sprich: ICH entscheide ziemlich selbstständig, was ich mache und ob ich da bleiben will, wo ich bin...
Das sind für mich ganz viele Freiheiten im Alltag, die ein ganz großes Stück Lebensqualität ausmachen.

Das man den Gefangenen diese Freiheit entzieht ist Sinn und Zweck der Strafe, klar.
Aber ich glaube schon, dass das an sich schon ziemlich heftig ist - auch ohne dass man da noch weiter einschränken müsste...

Wenn jemand drinnen Ärger macht, bin ich mit Guard d'accord: Dann an die kurze Leine (dafür gibt es doch auch Diszis?!?). Aber die Gefangenen, die für sich selber auch verstanden haben, dass sie was ändern müssen, verdienen auch Raum, um sich zu erproben und auszuprobieren...
Da dann wieder korrigierend einzugreifen, wenn mal was nicht funktioniert, ist sicherlich ne enorme Arbeit - wohl mehr, als die Leute generell kurz zu halten...
Mir ist klar, dass sowas gerade angesichts der häufig extrem engen Ressourcen im Vollzug auch viel persönliches Engagement von den Bediensteten fordert.

LG,

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Gast » Do 23. Jun 2011, 12:58

Nicci hat geschrieben: Das man den Gefangenen diese Freiheit entzieht ist Sinn und Zweck der Strafe, klar.
Aber ich glaube schon, dass das an sich schon ziemlich heftig ist - auch ohne dass man da noch weiter einschränken müsste...

Wenn jemand drinnen Ärger macht, bin ich mit Guard d'accord: Dann an die kurze Leine (dafür gibt es doch auch Diszis?!?). Aber die Gefangenen, die für sich selber auch verstanden haben, dass sie was ändern müssen, verdienen auch Raum, um sich zu erproben und auszuprobieren... Da dann wieder korrigierend einzugreifen, wenn mal was nicht funktioniert, ist sicherlich ne enorme Arbeit - wohl mehr, als die Leute generell kurz zu halten...
Mir ist klar, dass sowas gerade angesichts der häufig extrem engen Ressourcen im Vollzug auch viel persönliches Engagement von den Bediensteten fordert.
So siehts aus... :zustimm:

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon RuhrpottForever » Do 23. Jun 2011, 14:55

Nicci hat geschrieben:Mir ist klar, dass sowas gerade angesichts der häufig extrem engen Ressourcen im Vollzug auch viel persönliches Engagement von den Bediensteten fordert.
Ich stimme dir grundsätzlich zu.
Bei uns ist da aber selbst mit sehr viel persönlichem Engagement nicht mehr viel zu holen. Auf der Abteilung können wir kaum noch unseren eigentlichen Aufgaben nachkommen. Wir werden kontinuierlich mit administrativen Tätigkeiten "zugesch....." und da bleiben eben täglich Dinge auf der Strecke, weil man "Abkürzungen" nehmen muss um dem dienstlichen Anspruch im Ergebnis gerecht zu werden.
Von der Führung hört man dann immer, dass dies ja eine "Aufwertung" unserer Tätigkeit sei. Diese "Aufwertung" gibt es aber schon seit Jahren. Wir müssen beispielsweise in Sachen Betreueraufgaben ziemlich viel machen, werden aber nicht besoldet wie ein Sozialarbeiter. Wir haben die Gefangenenpersonalakten bei uns in den Flügeln und können dann schön lecker Ablage machen. Das Ganze wird einem unter "Aufwertung" verkauft, aber null honoriert. Da kann man den ein oder anderen absolut verstehen, der den Dienst ohne "viel persönliches Engagement" versieht...
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon ichhalt » Do 23. Jun 2011, 15:37

RuhrpottForever hat geschrieben:
Nicci hat geschrieben:Mir ist klar, dass sowas gerade angesichts der häufig extrem engen Ressourcen im Vollzug auch viel persönliches Engagement von den Bediensteten fordert.
Ich stimme dir grundsätzlich zu.
Bei uns ist da aber selbst mit sehr viel persönlichem Engagement nicht mehr viel zu holen. Auf der Abteilung können wir kaum noch unseren eigentlichen Aufgaben nachkommen. Wir werden kontinuierlich mit administrativen Tätigkeiten "zugesch....." und da bleiben eben täglich Dinge auf der Strecke, weil man "Abkürzungen" nehmen muss um dem dienstlichen Anspruch im Ergebnis gerecht zu werden.
Von der Führung hört man dann immer, dass dies ja eine "Aufwertung" unserer Tätigkeit sei. Diese "Aufwertung" gibt es aber schon seit Jahren. Wir müssen beispielsweise in Sachen Betreueraufgaben ziemlich viel machen, werden aber nicht besoldet wie ein Sozialarbeiter. Wir haben die Gefangenenpersonalakten bei uns in den Flügeln und können dann schön lecker Ablage machen. Das Ganze wird einem unter "Aufwertung" verkauft, aber null honoriert. Da kann man den ein oder anderen absolut verstehen, der den Dienst ohne "viel persönliches Engagement" versieht...
Nun weiss ich auch in welcher JVA du dienst. Willkommen im Club.
Ruhrpott hat recht. Die eigentlichen primären Aufgaben kommen zu kurz. Gerade im Frühdienst ist es fast unmöglich wirklich behandlerisch zu wirken. Wir haben eine riesen Rennerei und noch 6 bis 8 Betreuerfälle. Es gibt Tage, da komme ich vormittags nicht dazu auch nur einen vierzeiler zu schreiben.

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon RuhrpottForever » Do 23. Jun 2011, 15:48

ichhalt hat geschrieben:Nun weiss ich auch in welcher JVA du dienst. Willkommen im Club.
Jede JVA hat so ihre Eigenheiten. Da ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis man von dem ein oder anderen "enttarnt" wird... ;D :hallo:

ichhalt hat geschrieben:Es gibt Tage, da komme ich vormittags nicht dazu auch nur einen vierzeiler zu schreiben.
So siehts aus... :zustimm:
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Gast » Do 23. Jun 2011, 16:26

@Ruhrpott, ichhalt

Jetzt mal weiter offtopic: Ihr schreibt im Prinzip, wir werden mit Arbeit zugeschüttet, können aber die Kernaufgaben nicht mehr erledigen.
Woran liegt das eurer Meinung nach? Sind die Gelder zu knapp, so dass die Aufgaben deswegen weitergeschoben werden oder versucht man, da ne neue Aufgabenverteilung aufzubauen, die aber an den alltäglichen Belangen vorbeigeht oder weiß die Führungsetage gar nicht, was bei euch läuft oder ... ?

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon RuhrpottForever » Do 23. Jun 2011, 16:55

Nicci hat geschrieben:Sind die Gelder zu knapp, so dass die Aufgaben deswegen weitergeschoben werden oder versucht man, da ne neue Aufgabenverteilung aufzubauen, die aber an den alltäglichen Belangen vorbeigeht oder weiß die Führungsetage gar nicht, was bei euch läuft oder ... ?
Diese Aufgabenverteilung wird nicht neu eingeführt. Die besteht schon länger und beide deiner Annahmen treffen zu. Das geht völlig an den alltäglichen Belangen vorbei und die "Basis" bei uns hat schon länger den Eindruck, dass die "Führung" nicht genug Durchblick hat was wirklich in den unteren Ebenen passiert. Vielleicht handelt es sich hier um Kommunikationsverluste irgendwo zwischen der "Basis", den unmittelbaren Vorgesetzten, und der "Führung."
Was die Gelder angeht, die sind überall knapp. Seit Griechenland sowieso. Aber eigentlich kann es am Geld nicht scheitern, denn in anderen JVA'en funktioniert es ja auch. Dort nimmt jeder Dienst seine originären Aufgaben wahr. Es ist also meiner Ansicht nach eine Fehlentwicklung zu Lasten des AVD, die sich ganz massiv auf die Qualität unserer Arbeit niederschlägt.
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon brookek9 » Fr 24. Jun 2011, 22:53

Oderint dum metuant

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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Guard » Sa 25. Jun 2011, 08:55

Ob es eine ähnliche Umfrage, in schriftlicher Form, auch unter den Kollegen gibt?

Na ja... Österreich halt.
Deswegen hauen wir die beim Fußball auch immer weg :polizei3: (kleiner Spaß....Gruß nach Österreich :polizei2: )
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon brookek9 » Sa 25. Jun 2011, 09:11

Guard hat geschrieben:Ob es eine ähnliche Umfrage, in schriftlicher Form, auch unter den Kollegen gibt?

Na ja... Österreich halt.
Deswegen hauen wir die beim Fußball auch immer weg :polizei3: (kleiner Spaß....Gruß nach Österreich :polizei2: )
Mir ist eine Umfrage unter Kollegen nicht bekannt!

Wenn ich so manche Berichte über Deutschland JVA`s lese, scheints bei euch auch nicht besser :/
(Einen Vorteil auf Beamtenebene sehe ich in Österreich noch bei unseren Status als Exekutivbeamte und das wir die selbe Uniform haben wie die Polizei!)
Der Cordoba - Mythos ist so schön, das wir uns diesen mit einem Sieg in Fußball über euch nicht zerstören wollen :pfeif:

Wer auf Facebook unterwegs ist, wir recht herzlich eingeladen auf den Seiten "pro Justizwache Österreich" und "AUF/FEG -Justizwache" vorbei zu sehen!
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Re: "Mein Knast ist kein Hotel" / JV im weltweiten Vergleich

Beitragvon Eisscrat » Sa 25. Jun 2011, 17:46

Da sollen sie erstmal ne Umfrage bei den Soldaten und Bereitschaftspolizisten machen wie zufrieden die mit ihren 20 Jahre alten 10-2 Mannstuben sind. :stupid:
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