Sehnenabriss nach Sprung u.U. kein Dienstunfall

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Sehnenabriss nach Sprung u.U. kein Dienstunfall

Beitragvon torben78 » Mi 16. Okt 2013, 12:11

http://www.lto.de/recht/nachrichten/n/v ... schicksal/

Sensationelles Urteil. Man kann nur hoffen, dass kein weiterer Dienstherr auf die Idee kommt, sich auf dieses Urteil zu berufen. Denn sonst ist für ü50 Schluss mit Außendienst.

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Re: Sehnenabriss nach Sprung u.U. kein Dienstunfall

Beitragvon Kerbus » Mi 16. Okt 2013, 13:26

Meiner Meinung nach wirklich nicht zu fassen.
Sollte denn jetzt jeder Polizist Ü50 damit nur noch Innendienst machen, damit er keine weiteren Kosten verursacht oder einfach jeden Laufen lassen, falls einer Stiften geht, um nicht um seine Versorgung bangen zu müssen? :polizei13:
Dafür habe ich gegenüber dem Gericht kein Verständnis :nein:.

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Re: Sehnenabriss nach Sprung u.U. kein Dienstunfall

Beitragvon Pr1mus » Mi 16. Okt 2013, 16:15

Daraus kann man nur einen konsequenten Schluss ziehen: Kollegen über 50 dürfen nicht mehr im Streifendienst eingesetzt werden. Dies liegt m.M.n. dann in der Führsorgepflicht des Dienstherren diese Beamten in die Lage zu versetzen, nicht mit solchen Situationen konfrontiert zu werden.
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Eine neue Seuche hat die Menschen befallen. Sie heißt Diarrhö cerebelli. Das bedeutet, das Kleinhirn hat Dünnschiss und kann das Gebrabbel nicht mehr bei sich behalten. Fritz J. Raddatz

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Re: Sehnenabriss nach Sprung u.U. kein Dienstunfall

Beitragvon MICHI » Mi 16. Okt 2013, 16:22

Zum Ersten ein VwG Urteil welches für andere Fälle nicht relevant ist, wie bei den ganzen hier im Forum zitierten Tattoourteilen und zum Zweiten dürfte auch
Ein Arzt hatte dem Mann zudem attestiert, dass die Achillessehne schon vorher geschädigt gewesen sei.
eine Rolle gespielt haben.
Gruß
MICHI


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Re: Sehnenabriss nach Sprung u.U. kein Dienstunfall

Beitragvon Pr1mus » Mi 16. Okt 2013, 16:29

Grund sei vielmehr, dass nach dem Beamtenversorgungsgesetz bei Menschen über 50 davon auszugehen sei, dass im Körper bereits degenerative Prozesse stattfänden.
Aus einer solchen Begründung lässt sich aber auch durchaus eine Generalisierung ableiten.
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Eine neue Seuche hat die Menschen befallen. Sie heißt Diarrhö cerebelli. Das bedeutet, das Kleinhirn hat Dünnschiss und kann das Gebrabbel nicht mehr bei sich behalten. Fritz J. Raddatz

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Re: Sehnenabriss nach Sprung u.U. kein Dienstunfall

Beitragvon Controller » Do 17. Okt 2013, 12:17

zum Anderen ist das Problem Achillessehne und DU asbach uralt und mit Urteilen zwischenzeitlich gut belegt, also keine Sensation
Im Dienstbetrieb hätte es vermutlich wieder anders ausgehen können :polizei10:

Problem beginnt da, wo ein Gutachten sagt, sie sei schon vorher degenerativ geschädigt gewesen
oder eine vorherige Schädigung kann nicht ausgeschlossen werden.

Urteil:

http://www.mjv.rlp.de/icc/justiz/nav/a0 ... 0000000042
Das Gericht hat damit auf die festgestellte individuelle Vorschädigung der Achillessehne abgestellt.

Wie in der mündlichen Verhandlung hat das Gericht die Versagung der Anerkennung nicht mit altersentsprechenden Verschleißerscheinungen des Klägers begründet.
Wäre es das höchste Ziel eines Kapitäns, sein Schiff in Stand zu halten,
so ließe er es auf immer im Hafen. (Thomas von Aquin)

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Re: Sehnenabriss nach Sprung u.U. kein Dienstunfall

Beitragvon vladdi » Sa 26. Okt 2013, 07:35

Das Kernproblem in diesem Fall war wohl nicht das Alter des Beamten, sondern die Vorschädigung.

D.h. dass auch jüngere Beamte mit Vorschädigungen bestimmte Verletzungen, die auf Grund der Vorschädigung stattfinden, nicht unbedingt als Dienstunfall anerkannt bekommen.

In dem konkreten Fall ist das außerdienstliche Einschreiten grundsätzlich gut, jedoch hätte er sich möglicherweise das Kennzeichen merken können anstatt, mit einer vorbelasteten Achillessehne, über den Zaun zu springen.
In einem anderen Fall (z.B. bei einem Verbrechen oder einer erheblichen Gefahr), könnte es sein wenn er mit der Vorschädigung springt - weil es absolut notwendig ist - dass der Dienstunfall trotz Vorschädigung anerkannt wird.

Die Thematik der Dienstunfälle ist sehr kompliziert und im Regelfall sind das alles Einzelfallentscheidungen. Die gleiche Handlung ist selten die selbe Rechtslage / Dienstunfallanerkennungslage


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