evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

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Re: evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon zoellner » Fr 13. Jul 2012, 14:16

Mytix korrigiert mich bitte.

Der Lohn wird in der Schweiz unter anderem Brutto ausgezahlt und ein- oder mehrmals im Jahr bekommt man einen Steuerbescheid vom kantonalen Steueramt und zahlt seine Steuern dann direkt. Abzüge wie bei uns direkt vom Lohn gibt es nicht. Das heißt auch, dass der hohe Lohn nur auf dem ersten Blick hoch ist. Es müssen Rücklagen gebildet werden, um die Steuer zu zahlen. Ähnlich ist es auch bei Krankenversicherungen. Es wird hier bei uns immer gejammert, dass einige Behörden keine Heilfürsorge haben. In der Schweiz ist die Krankenversicherung eine Privatangelegenheit. Eine Grundversorgung gibt es zwar, aber die ist nicht mit der gesetzlich Krankenversicherung bei uns vergleichbar. Dazu kommen auch noch die viel höhere Mieten (schaut doch mal bei immobilienscout24.ch) und Lebensmittel, sowie Freizeitausgaben. Unter dem Schnitt, bleibt einem ähnlich viel übrig wie bei uns.

Es gibt auch keine Verbeamtung auf Lebenszeit. Das Berufsbeamtenum gilt in der Schweiz nur noch für Bundesrichter. Alle anderen Staatsbediensteten sind Angestellte mit einem Arbeitsvertrag. Das heißt, dass bei Einsparungsmaßnahmen auch Kündigungen ausgesprochen werden könnten oder bei schlechter Leistung eine Entlassung folgt.
Auf der anderen Seite ist man als Polizist auch flexibeler, da der Abschluss schweizweit gilt, und man ohne Tauschpartner, wie bei uns, von Polizeikorps zu Korps wechseln kann, so es denn freie Stellen gibt. Aber auch hier gilt dann keine Besitzstandswahrung, man kann Einkommenseinbußen oder auch -erhöhungen bekommen.

Und was alle Deutsche wissen müssen, ist das die Schweiz nicht Deutschlands kleiner Alpennachbar ist, der nur ne komische Sprache hat sondern ein ganz anderes Land mit anderer Mentalität, Kultur und Organisation ist. Die Schweize sind romanischer geprägt. Von der Mentaliät viel näher an den Franzosen und Italiener als an den Deutschen. Es wird auch erwartet, bzw sieht man es gern, dass man wenigstens Versucht alemannisch bzw Schwyzerdütsch zu reden.
In Deutschland hingegen fühlt man sich verarscht wenn einer einen anderen Dialekt nachzusprechen versucht.

Alles ein Für und Wider und alles nicht so einfach.

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Re: evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon buckdanny99 » Fr 13. Jul 2012, 14:24

llllllllllllllll hat geschrieben:Warum macht es die Schweiz nicht einfach wie die BRD ?

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Ich möchte jetzt mal behaupten ohne den Zwang durch die EU-Freizügigkeit hätte in Deutschland auch keine Öffnung im Beamtenrecht gegeben!

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Re: evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon Mystix » Fr 13. Jul 2012, 14:53

Der Lohn wird bei uns netto ausbezahlt (Lohnangabe ist aber immer brutto!).

Als Beispiel bei mir (alles in CHF!): Von meinem Bruttolohn Juni 2012 wurden mir insgesat 1'178.- direkt vom Arbeitgeber abgezogen, so dass mir ein entsprechend tieferer Nettolohn ausbezahlt wurde (ausbezahlt wird also der Netto-, nicht der Bruttolohn, der immer angegeben wird!). Die 1'178.- werden für die sogenannten Sozialversicherungen zurückbehalten (rund die Hälfte dieser Versicherungen zahlt der Arbeitnehmer, der Rest wird vom Arbeitgeber bezahlt): Altersrente, Pensionskasse, Unfallversicherung, IV-Rente, ...

Damit ist noch kein einziger Rappen an die Steuern bezahlt (bei mir rund zweieinhalb Nettomonatslöhne)! Auch nicht an die Krankenkasse (welche in der Schweiz für alle obligatorisch ist und durchschnittlich rund 400.- pro Monat kostet (Grundversicherung, wobei die ersten 700.- selbst zu bezahlen sind), auch der Zahnarzt will noch bezahlt sein (ist in der Krankenkasse (Grundversicherung) nicht abgedeckt).

Seit mehreren Jahren sind wir im Kanton BS keine Beamten mehr. Wir haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Gekündigt werden kann uns aber nicht einfach so. Die Gründe für einen Kündigung seitens Arbeitgeber sind abschliessend aufgezählt. Einsparungsmassnahmen gehören nicht dazu. Wenn man nicht irgendeinen grossen Scheiss macht (Straftat), bleibt man das Leben lang unkündbar.

Bitte vergesst nicht, dass Abweichungen in den Kantonen möglich sind (Föderalismus). Was ich geschrieben habe bezieht sich auf mich, resp. den Kanton Basel-Stadt.

Ach, ja: Bezüglich Immobilienpreise: die 4.5-Zi-Whg (100 qm, Cheminee, Balkon 9 qm, Bad und sep. WC/Dusche), die ich bewohne, kostet pro Monat 2'570.- (ist ein regional üblicher Preis). Das sind z. Z. rund 2'000 Euro! Etwa soviel, wie einige von euch verdienen...

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Re: evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon zoellner » Fr 13. Jul 2012, 16:35

Was ich geschrieben habe, bezog sich demnach auf Aussagen eines Kollegen des Kantons Basel-Landschaft.

Aber danke für die Korrektur. :zustimm:

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evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon MasterEd » Fr 13. Jul 2012, 17:17

Wenn ich das so grob überschlage, dann verdient ein Baseler Kollege ca. 3000 CHF netto (also nach allen Abzügen), stimmt die Zahl in etwa? Sollte es so sein und man rechnet die Lebenshaltungskosten gegen, dann bin ich froh in Deutschland (NRW) Polizeibeamter zu sein, weil ich am Ende des Monats (wenn ich alle meine Rechnungen bezahlt habe) mehr haben dürfte als ein Baseler Kollege.
"Polizisten sind rechtsradikale Dumpfbacken, die ein eigenes AKW im Garten haben
und vorzugsweise Frauen, Kleinkinder und honorige Bürger verprügeln." (PolBert, 08.12.2010)

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Re: evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon Mainzelmann2001 » Fr 13. Jul 2012, 17:30

Mystix hat geschrieben:Der Lohn wird bei uns netto ausbezahlt (Lohnangabe ist aber immer brutto!).

Als Beispiel bei mir (alles in CHF!): Von meinem Bruttolohn Juni 2012 wurden mir insgesat 1'178.- direkt vom Arbeitgeber abgezogen, so dass mir ein entsprechend tieferer Nettolohn ausbezahlt wurde (ausbezahlt wird also der Netto-, nicht der Bruttolohn, der immer angegeben wird!). Die 1'178.- werden für die sogenannten Sozialversicherungen zurückbehalten (rund die Hälfte dieser Versicherungen zahlt der Arbeitnehmer, der Rest wird vom Arbeitgeber bezahlt): Altersrente, Pensionskasse, Unfallversicherung, IV-Rente, ...

Damit ist noch kein einziger Rappen an die Steuern bezahlt (bei mir rund zweieinhalb Nettomonatslöhne)! Auch nicht an die Krankenkasse (welche in der Schweiz für alle obligatorisch ist und durchschnittlich rund 400.- pro Monat kostet (Grundversicherung, wobei die ersten 700.- selbst zu bezahlen sind), auch der Zahnarzt will noch bezahlt sein (ist in der Krankenkasse (Grundversicherung) nicht abgedeckt).

Seit mehreren Jahren sind wir im Kanton BS keine Beamten mehr. Wir haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Gekündigt werden kann uns aber nicht einfach so. Die Gründe für einen Kündigung seitens Arbeitgeber sind abschliessend aufgezählt. Einsparungsmassnahmen gehören nicht dazu. Wenn man nicht irgendeinen grossen Scheiss macht (Straftat), bleibt man das Leben lang unkündbar.

Bitte vergesst nicht, dass Abweichungen in den Kantonen möglich sind (Föderalismus). Was ich geschrieben habe bezieht sich auf mich, resp. den Kanton Basel-Stadt.

Ach, ja: Bezüglich Immobilienpreise: die 4.5-Zi-Whg (100 qm, Cheminee, Balkon 9 qm, Bad und sep. WC/Dusche), die ich bewohne, kostet pro Monat 2'570.- (ist ein regional üblicher Preis). Das sind z. Z. rund 2'000 Euro! Etwa soviel, wie einige von euch verdienen...
Sch...e, dann musst du ja locker mal 5000 Fränkli rausbekommen, damit du halbwegs gut leben kannst.

.............oder hast du jetzt was übertrieben, damit sich keiner bewirbt? ;D

PS, würds sichs da nicht lohnen in der Schweiz zu arbeiten und in D zu leben?
Was juckt es die stolze Eiche, wenn sich die Wildsau an ihr reibt.

Das frühe Vögeln entspannt den Wurm.

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Re: evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon M » Fr 13. Jul 2012, 21:32

Mainzelmann2001 hat geschrieben:
PS, würds sichs da nicht lohnen in der Schweiz zu arbeiten und in D zu leben?
Garantiert :ja:

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Re: evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon Knaecke77 » Sa 14. Jul 2012, 08:59

Mainzelmann2001 hat geschrieben: PS, würds sichs da nicht lohnen in der Schweiz zu arbeiten und in D zu leben?

Etliche Deutsche sind von Konstanz (D) nach Kreuzlingen (CH) gezogen, weil die Mieten in Konstanz (außerhalb der Problemviertel) zwischenzeitlich astronomische Höhen erreicht haben.
http://www.suedkurier.de/region/kreis-k ... 7993,4-pg1

Auch kann man sich als Deutscher mit Schweizer Wohnsitz und B-, oder C- Bewilligung (Aufenthaltstitel) die deutsche Mehrwertsteuer auszahlen lassen.
Übers Jahr kommt da einiges zusammen.

Für Grenzarbeitnehmer ist die Beschäftigung in der Schweiz alle Mal attraktiv.

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Re: evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon Mystix » Sa 14. Jul 2012, 17:35

Mainzelmann, für 5'000 Fränkli würde ich morgens nicht mal aufstehen... Da müsste ich einiges in meinem Leben ändern, um mit diesem Lohn durchzukommen...

Aber nochmals: ich warne vor einem Vergleich mit Deutschland!!

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Re: evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon Gegenüber » Sa 14. Jul 2012, 19:03

Sauschwaben bei der Schweizer Polizei? :gruebel:
Wo doch die arroganten Nachbarn aus dem nördlichen Hehlerstaat für den Untergang der Schweiz täglich verantwortlich gemacht werden. Es gibt doch eh schon viel zu viele Deutsche in der Schweiz. Sollten wirklich Deutsche in der Schweiz als Polizisten tätig werden, wird die SVP sicherlich eine schöne Kampagne los treten. Das gab es ja schon gegen den „Filz“ an der ETH Zürich. Da wird der deutsche Polizist sicherlich schicke Widerstände bei ner Fahrzeugkontrolle erleben. :pfeif:

Zöllner: Welches „Schwyzerdütsch“ hätte denn der Schweizer gern? Basler, Züricher oder Hinterbergli? Sorry, darum geht es nicht! Der Deutsche wird als Deutscher / Sauschwabe erkannt. Arrogant, besserwisserisch, laut.... und natürlich nehmen die Deutschen den Schweizern wieder die Arbeitsplätze weg. (Siehe Gesundheitswesen, Tourismus, Banken, Maschinenbau- und Elektrotechnikingenieure)

Hier die Schweizer Bildzeitung: http://www.blick.ch/news/schweiz/15000- ... 54738.html

Mit zwei Kindern und ner Frau mit Halbtagsstelle wird die Kohle in der Schweiz auch schnell alle. Einfach mal nachschaun Krankenversicherung, Kindergarten, etc. :buhu:

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Re: evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon Mystix » Sa 14. Jul 2012, 19:12

Vergesst Widmer. Der redet z. T. totalen Schwachfug. Zum Blick-Artikel: Polemik pur durch Hr. Widmer. Geht mir auf den Sack sowas.

Gegenüber, woher nimmst du deine Erkenntnisse?

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Re: evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon Gegenüber » Sa 14. Jul 2012, 19:43

Mystix: Naja, die Artikel (und speziell die Kommentare) in der NZZ oder im Tagesanzeiger sind auch nicht besser. Ich war von 2003-2010 im Firmenauftrag sehr häufig, meist mehrere Tage oder ein/zwei Wochen in der D-Schweiz. Ich habe auch ein paar Freunde / Bekannte (Deutsche mit bunten Zetteln, Deutsche mit Schweizer Pass, Schweizer) in der Schweiz. Ich hatte auch ein paar Jobangebote von ehemaligen Kooperationspartner in der Schweiz. Die SVP Kampagne gegen die Deutschen an der ETH Zürich durfte ich persönlich erleben.

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Re: evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon Mystix » Sa 14. Jul 2012, 20:17

Alles klar! :ja:

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Re: evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon Mainzelmann2001 » Sa 14. Jul 2012, 21:22

Mystix hat geschrieben:Mainzelmann, für 5'000 Fränkli würde ich morgens nicht mal aufstehen... Da müsste ich einiges in meinem Leben ändern, um mit diesem Lohn durchzukommen...

Aber nochmals: ich warne vor einem Vergleich mit Deutschland!!
Der ein oder andere muss es aber anscheinend doch, und sogar brutto.

http://www.polizei.lu.ch/index/kontakt_ ... dienst.htm

Der Gehaltsrechner

http://www.lohncomputer.ch/de/loehne.html

kommt für einen verheirateten Beamten in Basel Stadt, 35 Jahre, 1 Kind auf 5.200 Franken netto.

Is also doch nicht so doll bei 2.500 CHF Miete. Aber die hab ich noch nicht nachgeschaut.

Is schon toll son Internet.
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Re: evtl bald Deutsche bei der Schweizer Polizei?

Beitragvon Mystix » Sa 14. Jul 2012, 23:24

Kann schon sein. Aber der Lohn steigt ja von Jahr zu Jahr (bei uns in BS). Aber die Ansprüche auch.


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