Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

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Re: Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon Controller » Mo 9. Jul 2018, 20:29

Und heute nun flatterte die Benachrichtigung über die Veröffentlichung durch den BGH in mein Postfach.

Hier ist sie also nun, die Entscheidung im Volltext, sehr interessant zu lesen.

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-b ... f&nr=85141
Wäre es das höchste Ziel eines Kapitäns, sein Schiff in Stand zu halten,
so ließe er es auf immer im Hafen. (Thomas von Aquin)

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Re: Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon Syzygy » Fr 20. Jul 2018, 19:11

Hm, wie reagiert ihr denn als PVB im Streifendienst, wenn ihr bei einem Fahrzeug eine installierte "Aufzeichnungseinrichtung" bemerkt? Der Markt ist ja so voll, da erkennt man ja nicht direkt ob das Ding ständig läuft, nur Minutenfenster aufnimmt oder gar Unfallaktiviert ist... selbst bei einem als Navi an der Scheibe angebrachten Handy weiss ja im Grunde niemand, ob die Kamera nicht mitläuft.

Ignoriert ihr das solange man euch nicht irgend ein Video als "Beweis" aufdrängen möchte, fragt ihr gezielt nach was das für ein Gerät ist und ob/wie es aufzeichnet und überprüft ihr die Angaben dann auch? Würde mich nur mal so interessieren, als ich noch im aktiven Dienst war, gabs diese Dinger noch nicht en masse und wenn damals einer 'nen irgendwie montierten Camcorder (der noch ca. so groß wie 'nen Sixpack Bier war, minimum ^^) im KfZ gehabt hätte, hätten wir das wohl angesprochen. Glaube ich. :)

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Re: Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon Controller » Fr 20. Jul 2018, 19:34

Fraglich ist ja, was will ich machen, wenn es eine Cam ist?

Mir wäre die Rechtslage noch zu unübersichtlich, um da irgendwelche Eingriffe zu starten.
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Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon Officer André » Fr 20. Jul 2018, 19:50

Bei einem VU würde ich nachhaken und mir da auch entsprechend Notiz machen.
Ich ziehe aber niemanden deswegen raus.
Wenn sich jemand dran stört, muss ich tätig werden und da ggf. Rücksprache halten, wie wir das nun konkret machen. Ansonsten werde ich da nicht von mir aus tätig.

Gesehen habe ich die Dinger noch nicht oft.


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Re: Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon Paolom » So 22. Jul 2018, 01:24

Ist schon irre was der Datenschutz für Kreise zieht.
Ich denke die Idee des Datenschuzes ist uns vor den Extremen zu schützen.

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Re: Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon Controller » So 22. Jul 2018, 01:42

lol, ne

der Datenschutz schütz ja nicht "die Daten"

sondern die Freiheit der Menschen,

selbst zu entscheiden, wer, was, wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß.
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Re: Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon wolfi71 » Fr 14. Sep 2018, 12:04

In der morgen erscheinenden CT 20/18 kommt ein Test über Dashcams, den der ADAC in Zusammenarbeit mit dem Heise-Verlag durchgeführt hat. Die Ergebnisse sind nicht schmeichelhaft.

https://www.heise.de/newsticker/meldung ... 63654.html

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Re: Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon e42b » Fr 28. Sep 2018, 21:14

Hi,

schon vor einigen Jahren habe ich mir eine Dashcam angeschafft und auch verwendet. Es steht "Blaupunkt" drauf, sie hat eine 1080p-Auflösung, macht 120 Grad, kann im 1-2-Minutentakt loopen und überschreibt auch die vorher aufgenommenen Daten.
Leider hält die Speicherkarte unter dieser Einstellung nur ca. sechs Wochen, wenn die Dashcam täglich ca. vier Stunden läuft. Durch das dauernde Überschreiben der physikalisch immer selben Speicherzellen kommt sie bald an ihr Lebensende.
Das allerdings ist Stand der Technik.
Die Strategie, die die Kapazität der gesamten Karte ausnutzt, indem sie die zuletzt aufgenommen 1 oder 2 Minuten nur als gelöscht (im FAT) einträgt und für die neue Aufnahme einen (physisch) neuen Bereich verwendet, sorgt für eine deutlich höhere Lebensdauer der Speicherkarte, wird aber derzeit als illegal angesehen, weil man die als gelöscht markierten Speicherschnipsel relativ einfach wieder lesbar machen kann.
Mein Vorschlag wäre, nach Beginn der Aufnahme eines neuen Schnipsels den alten mit Nullen zu überschreiben. Das wäre nicht schwierig, würde nur eine dazu erforderliche Kapazität der Hardware erfordern. Da gleichzeitig aufgenommen und Nullen geschrieben werden müssten, müsste die Rechenhardware knapp doppelt so stark ausgelegt werden, was am Ende in den Erstellungskosten nicht einmal großartig ins Gewicht fallen würde. (Die Karte würde dann zwar nur halb solange halten wie bei der derzeit erhältlichen Vollschreib-und-von-vorne-Variante, was aber immer noch deutlich mehr wäre als das, was man derzeit kaufen kann.)
Leider bietet so etwas niemand an, weil dieses Datenschutzproblem ein rein deutsches zu sein scheint.

Ich las in diesem Thread einmal den Satz "Datenschutz ist Täterschutz."
So kategorisch würde ich das nicht unterschreiben, sehe aber den Trend in diese Richtung.

Ich habe meine Dashcam in die Grabbelkiste verbannt und werde sie wohl nie wieder aktivieren. Schade eigentlich, ihr Einsatz wäre besser gewesen, als sich auf Knallzeugen verlassen zu müssen, wenn's knallt.

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Re: Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon vladdi » Fr 28. Sep 2018, 21:59

Was ist eigentlich die Rechtsfolge, wenn Mann illegal eine Dashcam mitlaufen lässt und die Aufnahme nicht auf Yo-u-Tube hochläd?

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Re: Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon e42b » Sa 29. Sep 2018, 00:14

Gute Frage.

Ich bin ja auch Fotograf und nach Inkrafttreten Der DSGVO, nach der ich jeden Menschen, der außerhalb eines "Ereignisses von allgemeinem Interesse" bevor ich ihn aufnehme zu fragen habe, ob ich das darf, lass ich jedwede Schnappschüsse und bemühe mich, nur noch Motive ohne Menschen aufzunehmen.

Einen Prozess im Bereich des Landgerichts pro Foto kann ich mir nicht leisten. Deswegen lasse ich das.
Über den Sinn, der dahinter steckt, kann ich nur spekulieren. Ich lass das aber in einem öffentlichen Forum.

Im Bedarfsfalle bekomme ich mindestens eine Privatklage an den Hals, die ich regelmäßig verliere und die Schadenersatzforderungen nach sich zieht, wobei ich keine Ahnung habe, was sich der gegnerische Anwalt noch so aus dem Kreuz leiert. Je höher der Streitwert, desto höher der Verdienst.
Da hab ich mal keinen Bock drauf und lass das alles.

Ich könnte der Polizei helfen, würde mich dann aber eventuell Forderungen Dritter aussetzen.
Also lass ich das.

Tut mir Leid, Leute.
Statt beweisbaren Tatsachen gibt's weiterhin nur Geblubber.

Ich habe das nicht so gewollt, aber der Gesetzgeber will das wohl so.

Wenn jemand auf vladdis Frage antworten kann, bitte gern.

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Re: Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon wolfi71 » So 30. Sep 2018, 09:18

@e42b: Ich habe die alte analoge Kamera wieder reaktiviert. Mit der werden nun kritische Bilder gemacht.

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Re: Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon e42b » Di 2. Okt 2018, 22:08

@wolfi71: Das wird Dich nicht von den Notwendigkeiten des Kunsturhebergesetzes oder der DSGVO befreien. Allerdings kannst Du so den Beweis für etwaige Übertretungen leichter vernichten.

Meiner Ansicht nach geht die einschlägige Gesetzgebung in eine völlig falsche Richtung. (Ganz schlimmes Beispiel ist Frankreich. Dort darf man nicht mal mehr z.B. das Centre Pompidou fotografieren, weil die Rechte des Architekten noch nicht abgelaufen sind, 70 Jahre.) Auf die Spitze getrieben dürfte man nicht mal ein Auto/Haus/Zaunpfahl fotografieren, das/der jünger als 70 Jahre ist.

Es muss m.E. möglich sein, alles im öffentlichen Raum Seh- und Hörbares zu konservieren, ohne mit der Tätigkeit der Konservierung unmittelbar kriminalisiert zu werden. Allein, derzeit ist das nicht so. Das führt zu forcierter Individualisierung des öffentlichen Raumes und damit zu forciertem Täterschutz.

Und bitte, wer weiß das schon, dass sie/er nicht rechtskonform handelt, wenn er jemand anders irgendwo fotografiert, ohne die/denjenigen vorher um Erlaubnis gefragt und letztere auch bekommen zu haben, was man natürlich im Nachhinein beweisen können muss, was unbedingt eine Verschriftlichung erfordert.

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Re: Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon e42b » Di 2. Okt 2018, 22:49

Doppelpost gelöscht
Zuletzt geändert von e42b am Mi 14. Nov 2018, 21:17, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon Controller » Di 2. Okt 2018, 23:41

Naja, die Panoramafreiheit unterscheidet schon zwischen Fotos machen und veröffentlichen und natürlich in welchem Land für welches Land veröffentlicht wird. :polizei10:
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Einsatz von Dashcams verstößt gegen Datenschutz

Beitragvon vladdi » Mi 3. Okt 2018, 09:12

e42b hat geschrieben:
Und bitte, wer weiß das schon, dass sie/er nicht rechtskonform handelt, wenn er jemand anders irgendwo fotografiert, ohne die/denjenigen vorher um Erlaubnis gefragt und letztere auch bekommen zu haben...

Ich denke, da muss man keine Gesetze kennen.
Alleine Nachdenken erklärt doch was erlaubt ist.

Einfach Fotos von Menschen machen, die man nicht kennt.
Mal überlegen. Wer hat wohl welche Rechte?

Ein Foto vom Fernsehturm und da laufen Menschen über den Platz.
Mal überlegen.

Ein Mensch macht was überragendes ( Straftat, Held, Promi).
Mal überlegen.

Normalerweise kommt man auf die korrekte Rechtslage.
Dann gibt es es Helden, die meinen, dass sie mit Begriffen und ihrem Wissen alles besser wüßten. „Panoramafreiheit. Ich darf jeden Menschen, wann ich will fotografieren. Allgemeine Handlungsfreiheit. Nur eben nicht veröffentlichen“
Jetzt mal kurz überlegen. Hat immer nur einer von zweien Rechte?
Nachdenken und ehrlich sein und man kommt auf das Richtige.


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