"Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

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"Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon Conni » Mo 30. Apr 2012, 13:20

Mal eine Frage an die Polizist/-inn/en hier im Forum, aber gern auch an andere Vielfahrer.
Mir fällt bei Autobahnfahrten seit Jahren auf, dass nicht nur - wie ja immer allgemein beklagt wird - gerast und gedrängelt wird, sondern dass nach meiner Wahrnehmung die Hauptsünde inzwischen aggressives VORDRÄNGELN ist - frei nach dem Motto: "Ich habe geblinkt, also kann ich auch nach links rüberziehen".
Ich selbst habe durch solches Verhalten schon viele mitunter sehr brenzlige Situationen erlebt - und ich habe seinerzeit in der Fahrschule gelernt, dass auf Autobahnen (vereinfacht gesagt) der links Fahrende Vorfahrt hat.

Ein Verkehrspolizist, den ich darauf mal angesprochen hatte, zeigte aber leider eher geringes Problembewusstsein. Ich als Vielfahrer finde das hingegen extrem gefährlich, zumal es m. E. dazu führt, dass der, der den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand einhält, faktisch "der Dumme" ist, vor den sich reihenweise die Langsamen von rechts vordrängeln. Manch ein Stau (oder zumindest eine erhebliche Verringerung der Geschwindigkeit - mitunter bis auf 70 oder 80 km/h auf der linken Spur!) wird so verursacht.

Meines Erachtens müsste diese Vordrängelei mindestens so hart bestraft werden wie Drängelei, zumal es sich dabei ja auch noch um ein "Vorfahrtnehmen" handelt.

Wie wird das hier - und in der Verkehrsrechtsprechung - gesehen?

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Re: "Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon VeSta » Mo 30. Apr 2012, 13:25

Problem ist vermutlich diese Situationen beweisen zu können.

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Re: "Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon Conni » Mo 30. Apr 2012, 13:31

VeSta hat geschrieben:Problem ist vermutlich diese Situationen beweisen zu können.
Sicherlich ist vieles von meinem Fahrschulwissen veraltet, aber mein Fahrlehrer (ehemaliger Polizist :polizei1: ) hatte mir beigebracht, dass dann, wenn mich ein vor mir Ausscherender zum Bremsen zwingt, der Tatbestand der Nötigung vorliegt.

Und ich denke, in Zeiten, in denen akribisch Geschwindigkeiten und Abstände gemessen werden, sollte die Beweisführung für Vordrängeln hoffentlich kein unlösbares Problem sein?!?

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Re: "Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon VeSta » Mo 30. Apr 2012, 13:42

Wie willst du das Ganze denn dann beweisen?

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Re: "Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon Conni » Mo 30. Apr 2012, 13:46

Im Zweifel mit Geschwindigkeits- und Abstandmessungen.
Ich meine, es widerspricht schon deutlich meinem Rechtsempfinden, dass in so einem Fall möglicherweise sogar noch der bestraft wird, der eigentlich überholen wollte, nur weil ihm so ein "Einscherer" die Vorfahrt genommen und damit den Sicherheitsabstand zunichte gemacht hat...

Immerhin kommen ja hier mehrere "Tatbestände" zusammen:
- Missachtung der Vorfahrt
- evtl. Nötigung
- Unterschreitung des Sicherheitsabstandes (die in diesem Fall eben mal nicht vom "Hinteren" verursacht wird, sondern vom Vordrängler)
- und nicht zu vergessen: Verkehrsbehinderung (ein angesichts der vollen Straßen m. E. stark unterschätztes und bei weitem nicht angemessen geahndetes Delikt)

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Re: "Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon Ghostrider1 » Mo 30. Apr 2012, 13:57

Ne Nötigung weil er sich reingedrängelt hat? Niemals.... Zu einer Nötigung gehört schon was dazu und du mußt ihm beweisen, dass es sein Ziel war zu nötigen.


Erstmal ist es eine Owi,
107106 - nicht rechtzeitig angekündigt (ich nehme an du meinst diese typische 1x anblinken und Wechsel
101106 - Behinderung

Aber ja, es ist zur Unsitte geworden. Deswegen strafen wir dies auch regelmäßig ab, um die Leute wieder zu Erziehen!
Blinker ist und bleibt ein Kommunikationsmittel im Straßenverkehr

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Re: "Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon Brot » Mo 30. Apr 2012, 16:58

Conni hat geschrieben:Im Zweifel mit Geschwindigkeits- und Abstandmessungen.
Ich meine, es widerspricht schon deutlich meinem Rechtsempfinden, dass in so einem Fall möglicherweise sogar noch der bestraft wird, der eigentlich überholen wollte, nur weil ihm so ein "Einscherer" die Vorfahrt genommen und damit den Sicherheitsabstand zunichte gemacht hat...

Immerhin kommen ja hier mehrere "Tatbestände" zusammen:
- Missachtung der Vorfahrt
- evtl. Nötigung
- Unterschreitung des Sicherheitsabstandes (die in diesem Fall eben mal nicht vom "Hinteren" verursacht wird, sondern vom Vordrängler)
- und nicht zu vergessen: Verkehrsbehinderung (ein angesichts der vollen Straßen m. E. stark unterschätztes und bei weitem nicht angemessen geahndetes Delikt)
Es handelt sich nur um einen Vorfahrtsverstoß, wenn jemand auf die Autobahn auffährt. Alles andere fällt in den Bereich des Überholens.

Zudem darf ich an § 1 (1) StVO erinnern: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht."
Soll heißen, dass man auch mit Fehlern anderer rechnen muss und diese, so schwer es fällt, auch mal hinnimmt, ohne am liebsten gleich den Vordermann von der Straße zu schieben.

Es ist natürlich etwas anderes, wenn man gemütlich mit 130km/h kommt und jemand meint, knapp vor einem mit 80km/h einscheren zu müssen, so dass man selbst eine Vollbremsung hinlegen muss, um einen Unfall zu verhindern. Anders sieht es aus, wenn ein Sportsmann mit 200+km/h angerauscht kommt. Da sieht sich Sache etwas anders aus.

Mich nerven auch die Leute, die auf 2-spurigen Autobahnen mit +5km/h einen Lkw überholen und so die linke Spur für kurze Zeit "dicht machen". Aber so ist es nun mal auf der Autobahn, und wenn nicht gerade durch das Verhalten der überholenden Verkehrsteilnehmer eine konkrete Gefährdung entsteht, müssen die anderen Autofahrer damit leben.

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Re: "Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon Conni » Di 8. Mai 2012, 13:43

Brot hat geschrieben:
Zudem darf ich an § 1 (1) StVO erinnern: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht."
Soll heißen, dass man auch mit Fehlern anderer rechnen muss und diese, so schwer es fällt, auch mal hinnimmt, ohne am liebsten gleich den Vordermann von der Straße zu schieben.
Jepp, aber ich erinnere mich an einen Absatz aus der gleichen StVO, der besagt, dass ich andere Leute nicht unnötig behindern darf. Bleibt also die Frage, wer auf wen Rücksicht zu nehmen hat. Warum ist es unserem Verkehrsrecht so fremd, dass der Langsamere auf den Schnelleren Rücksicht nehmen könnte???
Anders sieht es aus, wenn ein Sportsmann mit 200+km/h angerauscht kommt. Da sieht sich Sache etwas anders aus.
Wieso sieht es da anders aus? Wenn keine Geschwindigkeitsbegrenzung vorliegt, kann der, der es möchte, auch 200 + fahren. Das ist nämlich ein weiteres großes Problem, die Schulmeisterei (fällt für mich schon unter Selbstjustiz!) meist älterer Oberlehrer, die meinen, andere gezielt und bewusst ausbremsen zu müssen.
Mich nerven auch die Leute, die auf 2-spurigen Autobahnen mit +5km/h einen Lkw überholen und so die linke Spur für kurze Zeit "dicht machen". Aber so ist es nun mal auf der Autobahn, und wenn nicht gerade durch das Verhalten der überholenden Verkehrsteilnehmer eine konkrete Gefährdung entsteht, müssen die anderen Autofahrer damit leben.
Wieder die Frage: Warum damit leben? Man braucht nur mal am Freitagnachmittag über eine beliebige Autobahn zu fahren, um am eigenen Leib erleben zu können, wie genau solche Leute den Verkehr "zerschießen". Mir stellt sich da immer die Frage: "Mit welchem Recht entscheiden diese Leute eigentlich über die Zeit anderer Verkehrsteilnehmer?".
Und ganz nebenbei ist das auch noch extrem umweltunfreundlich, denn wenn ich immer wieder wegen solcher "Platz da, jetzt komme ich"-Überholschnecken abbremsen und danch wieder beschleunigen muss, verbrauche ich deutlich mehr Sprit als bei normaler Fahrt.

Das ist genau das, was mich so wundert und auch stört: Dass Verkehrsbehinderung und Verkehrsgefährdung nicht gleichgesetzt werden. Denn bei dem Verkehr, der auf unseren Straßen herrscht, bin ich der Meinung: Behinderung IST Gefährdung!

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Re: "Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon plupspinat » Di 8. Mai 2012, 14:07

Behinderung IST Gefährdung
Nein. Behinderung ist, wenn man genervt auf die Bremse tritt, weil der vor einem Herrausscherende die Geschwindigkeit des von hinten Nahenden falsch eingeschätzt hat.

Gefährdung ist zum Beispiel, wenn man sich nur mit einer Gefahrenbremsung und anschließendem Ausweichmaneuver davor retten kann, dem anderen den Kofferraum in Richtung Motorhaube zu schieben.

Das sind also schon zwei verschiedene Paar Schuhe und werden deshalb auch berechtigterweise unterschiedlich teuer geahndet.

Trotzdem ist es natürlich verständlich, wenn man sich über das ausgebremst werden aufregt. Doch sollte man meiner Meinung nach nicht den Fehler machen und dem anderen regelmäßig Vorsatz und Oberlehrergehabe zu unterstellen. Es fahren sowieso schon viel zu viele Emotionen mit, die eigentlich überhaupt nichts am Steuer verloren haben.

Wenn ich mit 120 einen Lkw überhole, dann ist das so. Wenn dann während des Überholvorgangs der mit 200 anrauschende Pkw hinter mir abbremsen muss, kann ich da auch nicht viel dran ändern. Bei so großen Geschwindigkeitsdifferenzen ist das von hinten kommende Fahrzeug regelmäßig kaum zu erkennen und noch weit entfernt.

Wenn ich also von der Richtiggeschwindigkeit von 130 enorm nach oben abweichen möchte, dann muss ich mich auch darauf einrichten, dass andere Fahrzeugführer das nicht immer rechtzeitig erkennen.

Also muss man sich entscheiden. Umweltfreundlich und entspannt mit 120/130 oder hektisch und schnell mit 200 und ständigen Bremsvorgängen. Zeitersparnis erreicht man dadurch sowieso nur in unerheblichem Maß.

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Re: "Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon Conni » Di 8. Mai 2012, 19:56

plupspinat hat geschrieben: Zeitersparnis erreicht man dadurch sowieso nur in unerheblichem Maß.
Aber nur aufgrund derer, die einen zum Bremsen zwingen. :polizei3: :polizei2:

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Re: "Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon plupspinat » Di 8. Mai 2012, 20:35

Richtiggeschwindigkeit
Nennt man das eigentlich einen Freud'schen Verschreiber?

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Re: "Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon Eragon » Di 8. Mai 2012, 20:37

Beweisen ist heutzutage kein Problem mehr:

Klick!
Paragraph 1 Abs. 1 StVO: Das einschalten der Warnblinkanlage setzt sämtliche Verkehrszeichen, insbesondere parkweisende Verkehrszeichen, außer Kraft.

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Re: "Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon VeSta » Di 8. Mai 2012, 20:39

Vielleicht wurde das Video ja nachträglich am PC bearbeitet?!

Und ob sich minimum 300 Flocken rechnen, weil jemand mal nicht geblinkt hat o.ä. Da gebe ich mein Geld für angenehmere Dinge aus...

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Re: "Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon Eragon » Di 8. Mai 2012, 21:03

Problem ist vermutlich diese Situationen beweisen zu können.
Nunja, das wäre damit als Argument ausgeschlossen.

Ich würde auch keine 300 Flocken dafür ausgeben, jedoch ist es wirklich uU ganz sinnvoll. Als zB mein Unfallgegner im September bei einem Unfall mit 25.000€ Sachschaden in der Stadt gesagt hat, ich hätte noch Vollgas gegeben und Lichthupe gemacht, wäre ich froh gewesen, son Teil drin gehabt zu haben...
Paragraph 1 Abs. 1 StVO: Das einschalten der Warnblinkanlage setzt sämtliche Verkehrszeichen, insbesondere parkweisende Verkehrszeichen, außer Kraft.

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Re: "Volkskrankheit" Vorfahrtmissachtung auf der BAB

Beitragvon jeenius » Di 8. Mai 2012, 21:14

man könnte aber auch mal nicht "typisch deutsch" denken "der will mir was böses" sondern, vor allem als vielfahrer, mal dran denken das es auch leute gibt die evtl angst haben oder geschwindigkeiten und entfernungen nur erschwert richtig einschätzen können... ich seh direkt was der/die auf der beschleunigungsspur gleich macht bzw vorhat, ich seh auch zB wenn jmd ne spur wechseln will bevor er überhaupt blinkt etc und ich komm fast nie in brenzlige situationen weil ich sehr vorausschauend fahre und mich auf die aktion meines mitverkehrsteilnehmers einstelle :zustimm:
kennst du die sitaution, dass man auf ner bundesstraße im zähfließenden verkehr steckt und die leute von der autobahnausfahrt fahren rechts an dir vorbei bis zum ende der "beschleunigungsspur"? so wie du das hier erläuterst bist du einer der autofahrer die dann extra dicht auf den vordermann auffahren das dich bloß niemand "überholt", sich bloß niemand vordrängelt weil das ist DEINE vorfahrt und die teilt ein kraftfahrer deutscher herkunft nicht, NIEMALS!!!
wie im kindergarten echt! ich will dich nicht direkt persönlich angehen aber so ne denke seh ich jeden tag bei autofahrern und mir ist eben schon der dampf aus den ohren gekommen als ich das hier gelesen hab....


und ganz nebenbei ist die neue "volkskrankheit" im straßenverkehr "grundsätzlich nie blinken oder erst dann wenn ich schon hart runtergebremst hab bevor ich abbiege" :polizei1:


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