Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

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-SKY-
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Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

Beitragvon -SKY- » So 21. Jul 2013, 16:25

Hallo liebe CZ-Community,

habe gerade einen Posting erhalten, welches mich zum Denken angeregt hat.

Das Posting enthält folgenden Text:
Ich bin gerade von XY nach YX in einem dunklen Waldstück gefahren ich war ziemlich langsam so ca. 60-70 kmh. Weil mir schon einige Wildtiere begegnet sind, außerdem hatte ich mein Fernlicht an. Plötzlich stand da ein dunkel bekleideter evtl alkoholisierter Junger Mann auf meiner Straßenseite ich hab ihn im letzten Moment erst gesehen. Ich musste apruppt abbremsen und auf die andere Fahrspur ausweichen, sonst hätte ich ihn erwischt. Das kann aber auch nicht gut ausgehen können wenn mir ein Auto entgegen gekommen wäre.

BITTE LIEBE LEUTE, LAUFT AUF DER ENTGEGEN GESETZTEN FAHRTRICHTUNG!!!!

.. damit man euch sieht und euch nicht gleich erwischt...

Hätte ich ihn umgefahren wär ich dran Schuld gewesen obwohl er auf der verkehrten Seite gelaufen ist und alkoholisiert war.
Meine Frage diesbezüglich: Wie sieht jetzt hier die genaue Rechtslage aus?

Mein gesunder Menschenverstand würde folgendes behaupten:

* Was sucht der alkoholisierte Mann auf der Landstraße, auch wenn er seinen Heimweg abkürzen möchte, hat er dort doch nichts verloren, oder?
* Was würde sich daran ändern, wenn der Mann auf der entgegengesetzter Fahrbahnläuft, wenn dort ebenfalls Fahrzeuge fahren, ggf. der betrunkene sogar noch geblendet wird und ggf. dadurch nicht ausweichen könnte, sondern auf der Fahrbahn stehen bleibt oder weiter hinein läuft, ähnlich wie mit Wildtiere, die man ebenfalls nicht mit Fernlicht blenden sollte.
* Trägt hier wirklich der Autofahrer die gesamte Schuld? Ich bin der Meinung, er trägt hier "nur" eine Mitschuld, da er auf das Fehlverhalten aller Verkehrsteilnehmer (hier auch Fußgänger?) achten muss. Ähnlich wie bei einem "Rechts vor Links", sollte man nicht auf seine Vorfahrt bestehen, da man sonst ggf. ebenfalls in der Schuld steht, richtig?

Würde mich über eine kleine Aufklärung freuen, auch gerne mit den nötigen § zum selber nachschlagen :-)

Danke und noch einen schönen, sonnigen Sonntag.

:hallo:
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Huey89
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Re: Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

Beitragvon Huey89 » So 21. Jul 2013, 16:56

§3(1) Satz 4 StVO:
Er [der Fahrzeugführer] darf nur so schnell fahren, dass er innerhalb der übersehbaren Strecke halten kann.

Sprich: Ja, du bist mit dran.

§25(1) Satz 3 StVO besagt nur, dass Fußgänger außerhalb geschlossener Ortschaften am linken Fahrbahnrand gehen müssen, wenn das ZUMUTBAR ist.
Somit würde ich den PKW-Fahrer auf jeden Fall zum 01 machen! Teilschuld oder nicht ist keine Polizeifrage, da wir nur Verstöße ahnden.

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-SKY-
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Re: Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

Beitragvon -SKY- » So 21. Jul 2013, 19:35

Vielen Dank für deine schnelle Antwort.

Zum 01 machen, heißt?

Also wäre der Fahrer wirklich der Hauptschuldige, der Fußgänger muss keine Konsequenzen erwarten?
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Re: AW: Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

Beitragvon torben78 » So 21. Jul 2013, 21:19

Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Es kommt natürlich auf die Umstände des Einzelfalls an.

Grundsätzlich hat der Fußgänger nichts auf der Fahrbahn zu suchen. Allerdings darf er diese benutzen, wenn kein Fußweg zur Verfügung steht. Wenn er die Fahrbahn nutzt, hat auch er Pflichten, Unfälle zu verhüten. Deshalb soll er auch entgegengesetzt der Fahrtrichtung laufen, um auf entgegenkommende Fahrzeuge reagieren zu können.

Fußgänger dürfen alkoholisiert nur dann am Straßenverkehr teilnehmen, wenn sie den sicher meistern. Ein Fußgänger, der betrunken über die Fahrbahn torkelt, darf am Straßenverkehr nicht teilnehmen.

Also kann auch ein Fußgänger gegen Sorgfaltspflichten verstoßen und Unfallursachen setzen. Das entbindet einen Fahrzeugführer aber nicht vom Sichtfahrgebot. Wobei eine Geschwindigkeit von 70 km/h bei Nacht und eingeschalteter Beleuchtung dem Gebot genügen sollte.

Erfahrungsgemäß gehen Unfälle zwischen Fußgänger und PKW auf Landstraßen selten glimpflich aus, was zur Folge hat, dass man ganz genau gucken wird, welches Verhalten wie zum Unfall beigetragen hat. Deshalb kann man nicht pauschal sagen, wer wieviel Schuld zugesprochen bekommt.

Gast

Re: Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

Beitragvon Gast » So 21. Jul 2013, 22:18

-SKY- hat geschrieben:Also wäre der Fahrer wirklich der Hauptschuldige, der Fußgänger muss keine Konsequenzen erwarten?
Wenn der Fahrer der "Schuldige" ist, heißt das doch, dass es einen Zusammenstoß zwischen einem Fahrzeug und einem Fußgänger auf der Landstraße gegeben hat. Die Konsequenzen für den Fußgänger möchte ich mir gar nicht vorstellen. :nein:

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Re: Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

Beitragvon poliziotto » So 21. Jul 2013, 23:17

Pauschalisieren kann man da nichts:
Winterzeit, zum Berufsverkehr ist es noch komplett dunkel, dunkel gekleidete Person läuft auf der rechten Fahrbahnseite mit ca. 3 ‰ vor ein Auto.
Natürlich ist der Autofahrer hier erstmal BS einer fahrlässigen Tötung, aber das wird sich durch die Gesamtumstände sehr schnell relativieren...

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Re: Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

Beitragvon -SKY- » So 21. Jul 2013, 23:32

Kommissar Zufall hat geschrieben: Wenn der Fahrer der "Schuldige" ist, heißt das doch, dass es einen Zusammenstoß zwischen einem Fahrzeug und einem Fußgänger auf der Landstraße gegeben hat. Die Konsequenzen für den Fußgänger möchte ich mir gar nicht vorstellen. :nein:
Dann hab ich das falsch formuliert, denn ich habe nur die Nachricht bekommen, die ich oben rein kopiert habe. Nur ich wollte eben wissen, ob die Nachricht richtig formuliert wurde und ob man das einfach so pauschal sagen kann, wenn es zum Unfall kommt, hätte der Fahrer schuld...

Danke für eure Antworten :-)
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Re: Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

Beitragvon Ghostrider1 » Mo 22. Jul 2013, 04:12

Die Polizei stellt keine Schuld fest.
Entgegen der Fahrtrichtung laufen, ist absolut vernünftig. Man sieht den Verkehr. Für Pkw-Fahrer total uninteressant, da es keinen Unterschied macht, in welche Richtung er läuft, da die Geschwindigkeit sehr gering ist.
Jeder hat Pflichten. Nietest du jemanden weg, der ordentlichen gelaufen ist, egal ob alkoholisiert oder nicht, hast du ein Problem. Alkohol muss unfallursächlich sein, damit sich da der SV relevant zu deinen Gunsten verschiebt. Da geht's nämlich um ein mögliches Strafverfahren und um Vermeidbarkeitsberechnung.
Wer hinterher wieviel % trägt, ist Zivilsache.

Edit:
Natürlich bezieht sich die Aussage auf eine rechtmäßige Nutzung der Fahrbahn durch den Fußgänger.

Aber selbst bei widerrechtlicher Nutzung hat der PKW Führer die höheren Pflichten

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Re: Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

Beitragvon -SKY- » Mo 22. Jul 2013, 11:14

Okay danke für die vielen Antworten, dann hoffen wir mal das sowas keinem passiert, auch wenn es leider unvermeidbar sein wird.

Dann passt die Nachricht ja mehr oder weniger :-)

Danke nochmals. :hallo:
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Re: Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

Beitragvon mapi » Mi 24. Jul 2013, 13:04

-SKY- hat geschrieben:Vielen Dank für deine schnelle Antwort.

Zum 01 machen, heißt? [...]

01 steht hier für einen Beteiligten 01. Der Beteiligte 01 ist immer der Unfallverursacher.

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Re: Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

Beitragvon Eisscrat » Mi 24. Jul 2013, 13:17

Eine Weißheit aus Kindertagen heißt "Links gehen Gefahr sehen!"
Ist gerade Nachts auf einer Landstraße absolut vernüftig nur leider mangelt es den Leuten oft am gesunden Menschenverstand.
„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ Albert Einstein

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Re: AW: Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

Beitragvon R.M.L. » Mi 24. Jul 2013, 14:17

mapi hat geschrieben:01 steht hier für einen Beteiligten 01. Der Beteiligte 01 ist immer der Unfallverursacher.
So wenig geschrieben, und doch so viel falsch.

Rechtlich haben die ON keinerlei Bindung, es hat sich teilweise die obige Vergabe eingebürgert.
Oft genug sind sie aber auch frei gewählt.
IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII

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Re: Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

Beitragvon zulu » Mi 24. Jul 2013, 14:34

Najaaa...

Die ganze Vorgangsbearbeitung baut doch auf 01 = Verursacher auf. Habt ihr nicht auch ComVor in Hessen? Andere ONs können natürlich auch Betroffener sein, aber insgesamt macht es so auch am Meisten Sinn in meinen Augen.

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Re: AW: Überlandfahrt, auf

Beitragvon mapi » Mi 24. Jul 2013, 14:57

R.M.L. hat geschrieben:
mapi hat geschrieben:01 steht hier für einen Beteiligten 01. Der Beteiligte 01 ist immer der Unfallverursacher.
So wenig geschrieben, und doch so viel falsch.

Rechtlich haben die ON keinerlei Bindung, es hat sich teilweise die obige Vergabe eingebürgert.
Oft genug sind sie aber auch frei gewählt.

Es wird in Niedersachsen im Studium so gelehrt. Es ist auch absolut gängige Praxis. Können die meisten hier wohl auch bestätigen.

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Re: Überlandfahrt, auf "Fußgänger" treffen.

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mi 24. Jul 2013, 15:05

In NRW war es bis zur Einführung der aktuellen Unfallmitteilung

https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_show_anlage?p_id=15545

sogar so, dass extra angekreuzt werden musste, wenn dem nicht so war.

Nun wird immer noch angekreuzt, dass es eine unklare Sach-/Rechtslage ist...aber es steht nicht mehr extra dahinter: Die Vergabe der Rangnummern erfolgt ohne Verursacherzuweisung. (sinngemäß)
:lah:


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