Tierabwehrspray ausnahmslos zur Menschenabwehr

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Re: Tierabwehrspray ausnahmslos zur Menschenabwehr

Beitragvon vladdi » Sa 29. Dez 2018, 17:33

Es ist möglich in Rahmen der Gefahrenabwehr jeglichen Gegenstand sicherzustellen, wenn es zweckdienlich und angemessen ist, die Gefahr abzuwehren.

Ein Tierabwehrspray mit dem Zweck bei sich zu führen, um sich zu verteidigen gibt gar keinen Anlass für irgendeine Gefahr


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schutzmann_schneidig
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Re: Tierabwehrspray ausnahmslos zur Menschenabwehr

Beitragvon schutzmann_schneidig » Sa 29. Dez 2018, 17:50

vladdi hat geschrieben:
Sa 29. Dez 2018, 17:33
Ein Tierabwehrspray mit dem Zweck bei sich zu führen, um sich zu verteidigen gibt gar keinen Anlass für irgendeine Gefahr
Richtig. Es sei denn, der PVB gelangt im Rahmen seiner Gefahrenprognose zu dem Ergebnis, dass eine hinreichende Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Führende die Auseinandersetzung, in welcher er es zur Verteidigung nutzen möchte, selbst verursachen oder provozieren wird.

Alles eine Frage des Einzelfalls, wie ja nun auch schon mehrfach erwähnt wurde. Und sollte der Führende mit der Entscheidung des PVB nicht einverstanden sein, steht ihm im Nachgang die Überprüfung auf dem Rechtsweg frei.
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Re: Tierabwehrspray ausnahmslos zur Menschenabwehr

Beitragvon berlinmitteboy » Sa 29. Dez 2018, 17:52

Danke Schutzmann. War noch beim tippern..


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Re: Tierabwehrspray ausnahmslos zur Menschenabwehr

Beitragvon vladdi » Sa 29. Dez 2018, 18:40

Ich hab schon viele Menschen mit Pfeffer-Tierabwehrspray kennenlernen dürfen, die das genau zu dem Zweck, sich gegen menschliche Angreifer zu verteilen, bei sich führten.
So eine Konstruktion, dass diese dann die Notwehrsitution provozieren würden, damit dann das TAS sichergestellt werden kann, habe ich noch nicht erlebt.

... aber in der CZ muss man sich das ja so konstruieren. ... einfach sagen, darf Mensch haben, zu dem Zweck, und darf er behalten (so wie es im echten Leben ist) fällt euch beim Schreiben zu schwer?

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Re: Tierabwehrspray ausnahmslos zur Menschenabwehr

Beitragvon schutzmann_schneidig » Sa 29. Dez 2018, 19:07

vladdi hat geschrieben:
Sa 29. Dez 2018, 18:40
... aber in der CZ muss man sich das ja so konstruieren. ... einfach sagen, darf Mensch haben, zu dem Zweck, und darf er behalten (so wie es im echten Leben ist) fällt euch beim Schreiben zu schwer?
Wenn du den Thread aufmerksam gelesen hättest, hätte dir auffallen können, dass z.B. ich gerade nicht auf den Zug aufgesprungen bin, im Führen eines Tierabwehrsprays zu Zwecken der Selbstverteidigung gegen Menschen einen Verstoß zu sehen, sondern begründet habe, wieso es nach meiner Bewertung keinen Verstoß darstellt.

Gleichwohl haben andere User zu Recht darauf hingewiesen, dass das Führen eines solchen Sprays in Verbindung mit einer entsprechenden Gefahrenprognose zu einer Sicherstellung desselben führen kann. Nicht mehr und nicht weniger.
Immer am Einzelfall orientiert (wie oft soll man das eigentlich noch schreiben?).
Von einem Automatismus, den du nun zu suggerieren versuchst, kann dabei keine Rede sein.
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Re: Tierabwehrspray ausnahmslos zur Menschenabwehr

Beitragvon 1957 » Sa 29. Dez 2018, 21:21

Hallo Jungs und Mädels,


habe mal recherchiert und Erkundigungen eingeholt.
Der vom TE erwähnte "Bereithaltegrund" ist in den mir zugänglichen Recherchesystemen ( Jurisweb) nicht zu finden. Befragten Juristen ist er ebenso unbekannt.
Einzig ein RA im Netz erwähnt diesen Begriff allerdings ohne Angaben von Quellen.
Er findet sich auch in einigen einschlägigen Seiten ( Schützenvereine, Pfeffersprayverkäufer etc.).

Insofern dürfte das eine sehr untergeordnete Rolle Spielen und mag im Einzelfall juristische Bedeutung erlangen. Es ist wohl eine als juristische Spitzfindigkeit geäußerte Einzelmeinung

Was die Sicherstellung betrifft verweise ich auf Schutzmann.

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Tierabwehrspray ausnahmslos zur Menschenabwehr

Beitragvon Officer André » So 30. Dez 2018, 00:54

vladdi hat geschrieben:
Officer André hat geschrieben:Ich weise mein Gegenüber durchaus darauf hin, dass es sich um ein TIERabwehrspray handelt und ich mich beim Rest ganz sicherlich gerade verhört habe ;)
Warum?
!
Um auch den braven Bürger nochmal dafür zu sensibilisieren, dass er sich in einem Schlupfloch bewegt und aufzuzeigen, dass man nicht alles ausplappern muss. :polizei10:
Leere Fässer klappern, die Vollen schweigen.

Ansonsten wurde hier schon alles gesagt.
Den Worten von Schutzmann und BMB ist nichts hinzuzufügen.





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Re: Tierabwehrspray ausnahmslos zur Menschenabwehr

Beitragvon Close1086 » Sa 26. Jan 2019, 19:06

Der Bereithaltegrund ist im WaffG nicht aufgeführt und Punkt.

Er kann aber definitiv zur Strafbewertung beitragen.

Ein Einbrecher, der ein Tierabwehrspray mit sich führt, wird mir wohl kaum vernünftig erklären können, dass er dies ausschließlich zur "legalen" Tierabwehr nutzt.
Das wird dann schon eher für unangenehme Überraschungen während seines Coups gedacht sein. Und so wird es vermutlich auch in der Strafzumessung bewertet werden...mal abgesehen davon, dass es ggf. als "gefährliches Werkzeug" nach §244 StGB eingestuft werden könnte.

Auch Mitglieder div. Ultragruppierungen im feinen Neon-Schwarz auf Anreise zum 3.Ligaspiel werden mich kaum davon überzeugen können, dass sie jetzt und heute Angst vor Hunden (außer unseren Kollegen) haben. Somit kann ich mir gut vorstellen, dass er seinen weiteren Weg zum Spiel ohne das Teil fortsetzt...und wenn er es wieder will, soll er sich's später abholen. Ich denke die Polizeigesetzte aller BL haben mit dieser Maßnahme wohl kein Problem.

Der Begriff mag zwar rechtlich nicht definiert oder genannt sein. Trotzdem spielt er aus meiner Sicht eine nicht untergeordnete Rolle bei unterschiedlichen Szenarien.

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Re: Tierabwehrspray ausnahmslos zur Menschenabwehr

Beitragvon Officer André » Sa 26. Jan 2019, 19:39

Close1086 hat geschrieben:
Sa 26. Jan 2019, 19:06
...
Ein Einbrecher, der ein Tierabwehrspray mit sich führt, wird mir wohl kaum vernünftig erklären können, dass er dies ausschließlich zur "legalen" Tierabwehr nutzt.
...
der Einbrecher hat durchaus ein erhöhtes Risiko unangenehme Begegnungen mit Hunden zu haben.
Also alles eine Frage der Argumentation. Dafür hat er seinen Anwalt.
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Re: Tierabwehrspray ausnahmslos zur Menschenabwehr

Beitragvon Syzygy » Sa 26. Jan 2019, 22:06

Officer André hat geschrieben:
Sa 26. Jan 2019, 19:39
der Einbrecher hat durchaus ein erhöhtes Risiko unangenehme Begegnungen mit Hunden zu haben.
Also alles eine Frage der Argumentation. Dafür hat er seinen Anwalt.
Wenn man den Gedanken konsequent verfolgt, kann er es vielleicht auch als Arbeitsmittel von der Steuer absetzen? :polizei7:
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Re: Tierabwehrspray ausnahmslos zur Menschenabwehr

Beitragvon Diag » So 27. Jan 2019, 11:54

Stimmt. Wenn er seine Einbrechertätigkeit versteuert. Dann macht er sich zumindest beim Finanzamt nicht strafbar und fällt unters Steuergeheimnis. :pfeif:

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Re: Tierabwehrspray ausnahmslos zur Menschenabwehr

Beitragvon Officer André » So 27. Jan 2019, 12:13

Mit dem richtigen Rechtsverdreher .... ähhh Anwalt, geht da einiges


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Re: Tierabwehrspray ausnahmslos zur Menschenabwehr

Beitragvon DerLima » Mo 28. Jan 2019, 05:23

Close1086 hat geschrieben:Der Bereithaltegrund ist im WaffG nicht aufgeführt und Punkt.

Er kann aber definitiv zur Strafbewertung beitragen.

Ein Einbrecher, der ein Tierabwehrspray mit sich führt, wird mir wohl kaum vernünftig erklären können, dass er dies ausschließlich zur "legalen" Tierabwehr nutzt.
Das wird dann schon eher für unangenehme Überraschungen während seines Coups gedacht sein. Und so wird es vermutlich auch in der Strafzumessung bewertet werden...mal abgesehen davon, dass es ggf. als "gefährliches Werkzeug" nach §244 StGB eingestuft werden könnte.

Auch Mitglieder div. Ultragruppierungen im feinen Neon-Schwarz auf Anreise zum 3.Ligaspiel werden mich kaum davon überzeugen können, dass sie jetzt und heute Angst vor Hunden (außer unseren Kollegen) haben. Somit kann ich mir gut vorstellen, dass er seinen weiteren Weg zum Spiel ohne das Teil fortsetzt...und wenn er es wieder will, soll er sich's später abholen. Ich denke die Polizeigesetzte aller BL haben mit dieser Maßnahme wohl kein Problem.

Der Begriff mag zwar rechtlich nicht definiert oder genannt sein. Trotzdem spielt er aus meiner Sicht eine nicht untergeordnete Rolle bei unterschiedlichen Szenarien.
Der Begriff ist rechtlich nicht definiert und genannt, weswegen der Begriff gar keine Rolle spielt.
Der Sinn des Begriffes schon. Bei dem Einbrecher wird es dann Strafverschärfend gewertet, wenn es unter §244 StGB subsumiert wird. Ist das nicht der Fall, wird es nicht strafverschärfend gewertet.
In der Gefahrenabwehr spielt der Begriff auch keine Rolle, du hast oben bereits selber erwähnt, dass du den Ultra mit einer solchen Döse das Zeug abnehmen wirst, auch wenn sein Dir genannter Bereithaltegrund der der Tierabwehr ist.

Dennoch muss ich sagen, dass mir das Wort gefällt. Das findet bestimmt seinen Weg in das Recht.
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