Der Realeinsatz-Videothread

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon schutzmann_schneidig » So 21. Jun 2020, 13:01

Verlinkten Kommentar aus der taz entsorgt, da es in dieser Sektion um Diskussionen mit fachlichem Hintergrund geht, und nicht darum, gehaltloses Geschwätz aus der Medienlandschaft abzubilden.
- It's a deadly stupid thing to point a gun (real or fake) at a police officer in the dark of night or the light of day -

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon palmair » So 21. Jun 2020, 13:13

schutzmann_schneidig hat geschrieben:
So 21. Jun 2020, 13:01
Verlinkten Kommentar aus der taz entsorgt, da es in dieser Sektion um Diskussionen mit fachlichem Hintergrund geht, und nicht darum, gehaltloses Geschwätz aus der Medienlandschaft abzubilden.
Mea culpa :zustimm:
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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Rantanplan » So 21. Jun 2020, 16:07

Wir hatten vor wenigen Wochen eine ähnliche Situation, in der Pfeffer eingesetzt wurde. Die Wirkung war sofort da, er hat das Messer fallen gelassen und ist heulend zusammengesunken. Der Störer litt ebenfalls unter einer Psychose und stand unter Medikamenteneinfluss, daher war diese Wirkung sehr erstaunlich.
Aus diesem Grund war meines Erachtens der Versuch, durch Pfeffer eine Wirkung zu erzielen, durchaus erfolgversprechend. Wobei in dieser Situation das große RSG aufgrund der erhöhten Reichweite vermutlich die optimalere Lösung gewesen wäre.
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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon grenzwertig » So 21. Jun 2020, 16:20

Fatal finde ich den offensichtlich behördenübergreifenden Ansatz,den Kollegen im Training einzuimpfen,dass wenn sich der Täter des Messers (oder sonstigen Waffe) entledigt, die Schusswaffe ebenfalls "aus dem Spiel" genommen wird. Das mag aus Sicht der deeskalierenden Kommunikation nachvollziehbar sein. Allerdings hat meiner Meinung nach immer noch die Eigensicherung oberste Priorität,sodass solch ein Vorgehen für mich nur in Frage kommt,wenn im backup mindestens noch eine Schusswaffe auf die Situation gerichtet ist.
Immerhin hat der Angreifer ja schon in erheblichem Maße deutlich gemacht,zu was er gedanklich bereit ist. Und die Annahme,dass durch das Ablegen der Waffe von Seiten des Täters dessen Angriffswille gebannt ist,halte ich für eine absolute Fehlannahme und entsprechende Hinweise im Training für unangebracht.

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Ale » So 21. Jun 2020, 17:36

In einer solchen Situation würde es mir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht in den Sinn kommen, den Taser der Schusswaffe vorzuziehen. Das ist natürlich eine Einschätzung, die aus der Retroperspektive und als Unbeteiligter von Außen geschieht.
Bei einem Messer ist jedoch der Toleranzbereich für "Experimente" recht gering und ein Taser wird idR. mit der Schusswaffenhand bedient. Ein eventuell erforderlicher Systemwechsel bei Versagen des Tasers (da gibt es ja nun auch einige Möglichkeiten, warum der Taser im Zweifelsfall nicht zum gewünschten Erfolg führt) wird somit ungleich komplizierter als das nahezu zeitgleiche Verwenden von PS und das Bereithalten der Waffe. Ein Risiko, das ich bei einem letalen und so zerstörerischen Werkzeug in der Hand des Gegenübers eher nicht eingehen möchte.
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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Kaeptn_Chaos » So 21. Jun 2020, 18:19

In der Anfangssequenz, als er der Aufforderung, das Messer abzulegen nicht nachkommt, wäre der Taser genau richtig gewesen. Genügend Sicherungsschützen waren ja vor Ort. Taser im Streifendienst, dann hätten wir jetzt eventuell einen Überlebenden.
:lah:

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon zambo84 » So 21. Jun 2020, 18:57

Kaeptn_Chaos hat geschrieben:
So 21. Jun 2020, 18:19
In der Anfangssequenz, als er der Aufforderung, das Messer abzulegen nicht nachkommt, wäre der Taser genau richtig gewesen. Genügend Sicherungsschützen waren ja vor Ort. Taser im Streifendienst, dann hätten wir jetzt eventuell einen Überlebenden.
So ist es, genau das habe ich ja auch geschrieben.
2 Kollegen sichern den Taserschützen, der sich HINTER einem der Sicherungsschützen befindet. Dann wird der Taser eingesetzt. Und zwar noch VOR dem Angriff mit dem Messer.

Mit dem beginnenden Angriff ist der Taser selbstverständlich aus dem Spiel.

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Old Bill » So 21. Jun 2020, 19:35

zambo84 hat geschrieben:
So 21. Jun 2020, 18:57
Taser
Kann man mal beiläufig erwähnen, war aber anders und bitte jetzt keine Taserdiskussion starten.
In Krisenzeiten suchen Intelligente nach Lösungen, Idioten suchen nach Schuldigen.
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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Ale » So 21. Jun 2020, 20:09

Kaeptn_Chaos hat geschrieben:
So 21. Jun 2020, 18:19
In der Anfangssequenz, als er der Aufforderung, das Messer abzulegen nicht nachkommt, wäre der Taser genau richtig gewesen. Genügend Sicherungsschützen waren ja vor Ort. Taser im Streifendienst, dann hätten wir jetzt eventuell einen Überlebenden.

Ich versetzte mich bei meiner Aussage lediglich in den letztendlich schießenden Beamten in konkret seine Situation - da war ich vielleicht mißverständlich. Aus dieser Perspektive bleibt es für mich dabei.

Aber grundsätzlich hast du recht, mit dem Hintergrund der Sicherungsschützen und der dabei zu beachtenden Positionierung hätte ein anderer Kollege vorher eventuell damit zu einem anderen Ausgang führen können. :lupe:
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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Rantanplan » Mo 22. Jun 2020, 18:00

Solange es den Taser nicht gibt, wie seht ihr die Möglichkeit eines Warnschusses? Gerade bei psychisch Kranken, die auf Ansprache überhaupt nicht reagieren, könnte das eventuell einen Reiz setzen. Habt ihr dazu Erfahrungswerte oder gibt es dazu Studien?
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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon zambo84 » Mo 22. Jun 2020, 18:09

Solange der einfach nur mit dem Messer in der Hand rumsteht ist die Abgabe eines Warnschusses rechtlich nicht möglich.

Edit sagt: Falls der Typ natürlich so durch den Wind ist, dass er erkennbar nicht mitbekommt, dass da da Polizisten mit Schusswaffen im Anschlag vor ihm stehen, kann die Abgabe eines Schusses unter gewissen Rahmbedingungen durchaus möglich sein. Dann jedoch nicht als Warnschuss, was ja gleichzusetzten ist mit der Androhung des Schusswaffenbrauchs, sondern als "Signalschuss". Nach dem Motto: "Hey, aufwachen, hier steht die Polizei vor dir und wir machen ggf. Gebrauch von der Schusswaffe, falls du uns angreifen solltest."

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Controller » Mo 22. Jun 2020, 18:26

und wir machen ggf. Gebrauch von der Schusswaffe, falls du uns angreifen solltest."
Was dann Warnschuss wäre ........
Wäre es das höchste Ziel eines Kapitäns, sein Schiff in Stand zu halten,
so ließe er es auf immer im Hafen. (Thomas von Aquin)

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Fritz4081 » Mo 22. Jun 2020, 19:06

Moin,

es sind durchaus einige Beobachtungen in der Entwicklung der Lage zu machen:

- Der RSG-Einsatz hat eine recht kurzfristige Irritation, ein Zögern in den Bewegungsabläufen bewirkt
- RSG begleitend schein der Täter den schnellen Bewegungsabläufen dabei nur "ungern" zu folgen
- Die Distanz war gefährlich gering
- Der Geschädigte versuchte sein Gegenüber blickmäßig zu fixieren was ihm scheinbar nur für Sekunden pro Person gelang

Die deutliche Ansprache fällt sehr positiv auf, ob angesichts des Zustandes ein Warnschuss auch richtigt "ankommt"? Oder ist nicht ebenso der Gedanke: "Die schießen eh, vielleicht erwische ich noch einen?" ausgeschlossen?
RSG mit größerer Reichweite und stärkerer Wirkung (ich weiß wird nicht kommen) ist wünschenswert.
Auch beim, gerne mehrschüssigen, Elektroimpulsgerät ist bei einer akuten Psychose nicht unbedingt ein harmloser Ausgang drin, wenn auch weniger wahrscheinlich.

Natürlich kann man immer "warten" allerdings ist das Umfeld ja auch dem Täter bekannt, neben der Möglichkeit auf Zeit zu spielen steht natürlich immer die Gefährdung Dritte im Raum.
Letztlich geht es ja nicht um wilde Spekulationen oder Vorhaltungen sondern auch um gedankliche Vorbereitungen die möglicherweise helfen eine zweckmäßige Bereinigung zu ermöglichen bei der Personenschäden sich in Grenzen halten.
Danke für die überlegten Beiträge
Fritz

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon zambo84 » Mo 22. Jun 2020, 20:34

Controller hat geschrieben:
Mo 22. Jun 2020, 18:26
und wir machen ggf. Gebrauch von der Schusswaffe, falls du uns angreifen solltest."
Was dann Warnschuss wäre ........
Vielleicht zu krümelkackerig, aber das ist meiner Meinung nicht richtig. Zumindest in Berlin in "Warnschuss" meines Wissens nach eindeutig belegt.

In einer statischen Lage, in der eine Person ausschließlich da steht und ein Messer in der Hand hält, gibt es keine Rechtsgrundlage für einen Schusswaffengebrauch nach dem UZwG gegen diese Person. Folglich darf dieser auch nicht angedroht werden. Ein "Warnschuss" wäre eine solche Androhung.

Ein Schuss, der im Bericht später als "Signalschuss" bezeichnet wird, ist nicht zwangsläufig ein "Warnschuss" und folglich auch keine Androhung des Schusswaffengebrauchs nach dem UZwG.

Dass die Wirkung identisch ist, ist klar. Aber spätestens bei der ersten Äußerung oder dem "zu Papier bringen", sollte man sich 2 Mal überlegen, ob man in einer statischen Lage von einem "Warnschuss" spricht. Ich würde davon abraten.

(Wir hatten bei uns im Bereich vor ein paar Jahren genau die beschriebene Situation.)

Ende mit offtopic meinerseits :polizei1: Aber das Thema dient ja der Sensibilisierung, denke es ist daher auch nicht ganz unwichtig.

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mo 22. Jun 2020, 20:39

In Berlin, mit der dortigen Funkproblematik, kann man das ja auch als Standortbestimmungsschuss verkaufen, um nachfolgende Kräfte einzuweisen. :pfeif: ;D
:lah:


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