Der Realeinsatz-Videothread

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon scw » Mi 21. Okt 2020, 03:14

Die Kollegin aus den USA kann von Glück reden, dass er augenscheinlich nicht richtig zugestochen hat. Das wäre sonst ganz ganz anders ausgegangen. Ich finde es auch sehr beachtlich, wie die Kollegen dort reagieren. Auch aus dieser kurzen Distanz quasi an der Kollegin vorbei zu schießen, ohne das sie was abbekommt. Dazu gehört eine Menge Mut, Training und eine gehörige Portion Adrenalin.
Was aber mir wieder deutlich wird, dass Taser in keiner Weise eine Option für mich darstellen würde. +

Und zu der Sache mit der Ersten Hilfe.
Ich weiß nicht, wie du dir das vorstellst aber ich behaupte mal, die Drei (insbesondere die Kollegin) sind ziemlich unter Schock. Ich würde bei solch einem Angriff auch die Erste Hilfe ganz nach Hinten stellen und erstmal prüfen ob es meinen Kollegen gut geht.

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Officer André
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Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Officer André » Mi 21. Okt 2020, 04:46

Dass der erstmal gesichert wird, ist mir schon klar. Ob der nun die Ursache selbst gesetzt hat oder nicht, dass da niemand auf die Idee kommt Erste Hilfe zu leisten, finde ich erschreckend.

Zum Taser: Ein Taser ist kein Allheilmittel und nur für bestimmte Lage geeignet. Statt körperlicher Gewalt oder Pfeffer.
Wann das Messer natürlich nicht gesehen wurde, sieht man wie verdammt gefährlich die Lage werden kann.

Bin schon gespannt, was ein Kollege aus DO, bald von seiner Schulung berichten wird.

@scw: Selbstverständlich ich überzeuge ich mich erstmal davon, ob meine Kollegin verletzt ist und wie es ihr geht. Aber dies so zügig wie möglich und dann leiste ich Erste Hilfe.
Ich wünsche mir das Gemüt eines Stuhls.
Der muss auch mit jedem Arsch klarkommen.

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Aessaem » Mi 21. Okt 2020, 05:34

Officer André hat geschrieben:
Mi 21. Okt 2020, 04:46
Dass der erstmal gesichert wird, ist mir schon klar. Ob der nun die Ursache selbst gesetzt hat oder nicht, dass da niemand auf die Idee kommt Erste Hilfe zu leisten, finde ich erschreckend.

Zum Taser: Ein Taser ist kein Allheilmittel und nur für bestimmte Lage geeignet. Statt körperlicher Gewalt oder Pfeffer.
Wann das Messer natürlich nicht gesehen wurde, sieht man wie verdammt gefährlich die Lage werden kann.

Bin schon gespannt, was ein Kollege aus DO, bald von seiner Schulung berichten wird.

@scw: Selbstverständlich ich überzeuge ich mich erstmal davon, ob meine Kollegin verletzt ist und wie es ihr geht. Aber dies so zügig wie möglich und dann leiste ich Erste Hilfe.
In den USA gibt es einfach eine andere Ausbildung und selbst diese ist teils extrem unterschiedlich in den einzelnen Bundesstaaten. Ich finde die Videos sehr lehrreich in Bezug auf die oft vernachlässigte Eigensicherung. Ich werde mir die Videos innerlich abspeichern und daraus lernen.

Um deine Fragen zu beantworten wegen der unterlassenen Erste-Hilfe könnte dieser Artikel der New York Times aus 2016 viele Fragen beantworten:

https://www.google.com/amp/s/www.nytime ... g.amp.html

Das Englisch ist verständlich. Sonst musst mich anschreiben.

Darüber hinaus ist die Erste-Hilfe in den USA weitaus weniger verbreitet als in Deutschland. Es gibt meines Wissen nicht den Tatbestand der "unterlassenen Hilfeleistung". Das Problem ist wohl, dass Amerikaner Angst vor Klagen haben, falls sie die Situation durch Erste-Hilfe-Versuche verschlimmern. Es gab auch Gerichtsurteile dazu. Habe ich auf die Schnelle nicht mehr gefunden. Aufgrund dessen rufen viele Amerikaner 911, da sie damit sicher gehen. Dies bezieht sich nun eher auf den normalen Bürger, aber erklärt schon die Hintergründe.

Hierzu eine Erklärung:

https://en.m.wikipedia.org/wiki/Good_Samaritan_law
United States Edit
All 50 states and the District of Columbia have some type of Good Samaritan law. The details of good Samaritan laws/acts vary by jurisdiction, including who is protected from liability and under what circumstances.[27]

The 1998 Aviation Medical Assistance Act also provided coverage for "Good Samaritans" while in flight (Section 5b).[28

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Brot » Mi 21. Okt 2020, 09:40

scw hat geschrieben:
Mi 21. Okt 2020, 03:14
Die Kollegin aus den USA kann von Glück reden, dass er augenscheinlich nicht richtig zugestochen hat. Das wäre sonst ganz ganz anders ausgegangen. Ich finde es auch sehr beachtlich, wie die Kollegen dort reagieren. Auch aus dieser kurzen Distanz quasi an der Kollegin vorbei zu schießen, ohne das sie was abbekommt. Dazu gehört eine Menge Mut, Training und eine gehörige Portion Adrenalin.
Was aber mir wieder deutlich wird, dass Taser in keiner Weise eine Option für mich darstellen würde. +
Wobei ich vermute, dass gerade aufgrund des noch aktivierten Tasers kein "richtiges" Zustechen seitens des Gegenübers erfolgte. Man sieht im Video, wie er bei seinen Bewegungen verkrampft wirkt, was auf die Wirkung der Elektroimpulse hindeuten kann.

Ich würde den Taser daher nicht als keine Option darstellen. Wenn ich es richtig sehe, sieht man das Messer erst nach dem Tasereinsatz. Vergleiche ich es mit unseren Mitteln (Schusswaffe, EKA, Pfefferspray), dann wäre anstelle des Tasers (wenn überhaupt) das Pfefferspray zum Einsatz gekommen, da ich davon ausgehe, dass niemand die Schusswaffe einsetzen würde, wenn eine Person "nur" mit einem Rucksack auf einen zulauft, ohne dass man die Hände sieht (vorausgesetzt, man hat keine Kenntnisse von seiner Bewaffnung). Ob Pfefferspray hier eine bessere Stoppwirkung erzielt hätte, bezweifle ich. Eine scheiß Situation, die ich keinem wünsche.

Den anschließenden Schusswaffeneinsatz finde ich ebenfalls beachtlich. Gerade der Kollege, der zuvor einen kurzen Sprint hingelegt hat. Auch wenn es nur wenige Meter Schussdistanz sind, muss man da erstmal sicher schießen können.

Zu überlegen wäre in solch einer Situation, bevor ein Messer oder anderer gefährlicher Gegenstand gezogen wird, noch der Einsatz der Stroboskopfunktion der Taschenlampe, sofern man diese besitzt. Die Taschenlampe hat man bereits in der Hand und in Verbindung mit einer Positionsveränderung könnte man so ggf. zumindest dem ersten Angriff ausweichen und ein paar wichtige Sekunden gewinnen.

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Fritz4081 » Mi 21. Okt 2020, 20:05

Moin Brot,
der Taser dürfte abgeschaltet haben, die auffällige Koordination des Angreifers kann leider viele Ursachen haben und dürfte so kaum zu ergründen sein.

Das Messer ist erst spät sichtbar, ob ein RSG da eine ausreichende Reichweite hat? Und angesichts des nachfolgenden SWG mit der realen Verzögerung, da erscheint RSG als keine zweckmäßige Alternative, oder übersehe ich etwas?

Gruß

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Brot » Do 22. Okt 2020, 08:05

Ich dachte, dass das knatternde Geräusch vom Taser kommt und er daher noch während des Angriffs aktiviert ist. Kann mich aber auch irren.

Der Hinweis auf das RSG war nur der Gedanke, welche Mittel in Deutschland eingesetzt würden. Ich glaube kaum, dass ein Kollege schießen würde, wenn jemand mit einem Rucksack auf einen zurennt und man das Messer noch nicht sieht und zuvor keinerlei Hinweise bzgl. einer Bewaffnung hat. Die Schusswaffe aus dem Holster ja, aber zum Schießen ist es vermutlich dann schon zu spät, wenn er an einem dran ist.

Also sobald man das Messer sieht SWG, keine Frage. Aber welche Mittel setze ich davor ein?

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Fritz4081 » Do 22. Okt 2020, 09:43

Moin Brot,

das "davor" schwankt zwischen möglicher Annäherung mit verdeckter Waffe, koordinationsgestöretem gegenüber und harmlosen möglicherweise unbedachten Bewegungen.
Auf der Ebene sehe ich wirklich kein Patentrezept. Maximale Aufmerksamkeit, koordiniertes Handeln asu mehreren Richtungen.
Das war ein Grund warum ich den link eingestellt hatte. Denn auch hie rkann man zumindest ansatzweise überlegen wie sich die Lageentwicklung gestalten lässt soweit diese überhaupt möglich ist.
Zumal sich Intuition und Menschenkenntnis nicht wirklich beüben lassen.
Gruß

scw
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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon scw » Fr 23. Okt 2020, 19:11

Ich sehe beim Taser einfach mehr Nach- als Vorteile. Aber das ist ne andere Diskussion.
Generell gilt bei uns : Messer = Waffe ziehen. Ohne wenn und aber. Aktion, Reaktion. Bei uns wird es generell auch so gehandhabt, dass einer bei solchen Einsätzen immer das große Pfeffer mithat - zwecks Reichweite. Sofern der Einsatzanlass natürlich die Nutzung eines Messer (schon im Vorfeld) hergibt. Alles andere sehe ich als grob fahrlässig und das würde ich in jeder Auswertung auch knallhart zum Ausdruck bringen.

Das bloße Herumstehen ist natürlich keine Grundlage für den RSG Einsatz. Jegliche Bewegung in meine Richtung, jegliche Bewegung, die für mich vor Ort den Anschein erweckt, als gäbe es eine Vorbereitungshandlung, etwas aus der Jacke ziehen o.ä. - rechtfertigen den RSG Einsatz für mich jedoch definitiv. Auch das bloße Umherlaufen mit einem Messer (natürlich sichtbar für Dritte) - ohne aktive Stich-/Hiebbewegung rechtfertigt doch einen RSG-Einsatz - sofern es nicht fallen gelassen wird. Natürlich wird das Ganze angekündigt, das ist klar. Ich sehe da absolut kein Problem.

Ich finde es beachtlich, dass überhaupt thematisiert wird, welche anderen X Einsatzmittel man nehmen könnte. Mal ehrlich, mein GEGENÜBER hat doch immer (!) eine Wahl. Er bestimmt doch die Maßnahme. Wieso sollte ich mich auch nur ansatzweise in Gefahr begeben? Strobo-Effekt usw...ich hoffe das war ein Scherz. Was soll denn da passieren? Du blendest ihn.. und dann? Richtig, musst du ein anderes Einsatzmittel wählen. Im schlimmsten Fall ist es dann aber zu spät. Ich würde mich auf solche Spielerein gar nicht einlassen. Jedenfalls nicht, mit einer psychisch auffälligen Person und ob mein Gegenüber das ist, dass merke ich nach der ersten Ansprache.

Ich denke die Äußerung "maximale Aufmerksamkeit" trifft es am Besten. Ich denke, dein Handeln hängt aber auch ganz stark davon ab, auf welcher Dst. du selbst bist und wie du ausgebildet, eingelernt, fortgebildet - du bist. Natürlich ist das auch eine Menge Bauchgefühl.

@Brot, das Einsatzmittel davor ? RSG - Aufforderung soll er nachkommen und sich meinet wegen auf den Boden legen, wenn nicht - Pfeffer. Sehe da die Problematik nicht. Wenn das nicht klappt, muss man eben den SWG androhen, wenn die Situation die Grundlage dafür hergibt.

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Fr 23. Okt 2020, 20:34

Dann hast du wohl noch nicht den Messertäter gehabt, der trotz Pfeffer nicht fallen lässt und passiv aggressiv Druck aufbaut, bzw. die Örtlichkeit in Richtung belebte Orte zu wechseln droht.
:lah:

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon scw » Fr 23. Okt 2020, 21:42

Tatsächlich hatte ich genau das auch schon. Dafür gibt es dann eine Schusswaffe. Außerdem gibt es nicht in jedem Bundesland auf jeder Dienststelle Taser. Nur mal so.

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Fr 23. Okt 2020, 21:49

Also den flemmst du dann weg? Mutig.
:lah:

scw
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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon scw » Fr 23. Okt 2020, 22:59

Das sage ich jetzt genau wo?? Aber soll auch keine Diskussion werden.
Du wirst es sicherlich besser wissen und dir auf deine Art und Weise zu helfen wissen, da du sicher tagtäglich draußen deinen Dienst versiehst - ich mir glücklicherweise auch.
Ich sage nur, dass die Ultima Ratio die Schusswaffe ist und das nicht ohne Grund. Das lässt sich doch auch gar nicht pauschalisieren.
Ich bleibe bei der Aussage, das Gegenüber bestimmt die Maßnahme. Eine Wahl hat Jeder.

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Fr 23. Okt 2020, 23:01

Weiß nicht, ob der betrunkene BTMer auf Psychoschub ebenbürtig in der Wahl der Mittel ist...mein AG sieht das durchaus strittig. Aber gut.
:lah:

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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Officer André » Fr 23. Okt 2020, 23:39

Wenn es nicht gerade ein Frühstücksmesserchen ist, das höchstens dazu taugt Knack&Back Brötchen ne Kreuzkerbe zu drücken, hantiere ich weder mit Pfeffer, noch werde ich den Taser verwenden.

Hier geht es mir nicht darum meinem Gegenüber die Verantwortung, da Ursache selbst gesetzt, zuzuschieben. Es geht darum meine Kollegen, mich und Dritte zu schützen.
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Re: Der Realeinsatz-Videothread

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Fr 23. Okt 2020, 23:50

-editiert von schutzmann_schneidig-
Nochmal.
Bedrohung in der Wohnung MFH. Frau flüchtet, setzt den Notruf ab. Team 1 trifft ein. A bedroht mit Waffe, B mit Pfeffer. TV lässt sich auf nix ein und ist verbal aggressiv, unterschreitet Mindestabstände, ohne aktiv zu bedrohen. Zwei Mal Pfeffer ohne Wirkung. Dann schreitet er mit Messer in der Hand durch den Nebenausgang Richtung Straße mit KiTa und FuZo. Ohne konkrete Bedrohungshandlung.
-editiert von schutzmann_schneidig-

Ich wünschte mir da einen Taser. Aber gut. Wegböllern ist ja einfacher. Und die -editiert von schutzmann_schneidig- können ja bestimmt versehentliche Tötungsdelikte bei TV oder Unbeteiligten ausschließen.
:lah:


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