HK neue SFP9

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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon tyrant » Sa 31. Okt 2015, 21:58

Ich bin KEIN PVB!

An allem Unrecht, das geschieht,
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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon Trooper » Sa 31. Okt 2015, 23:06

Tja. Es kann immer nix passieren und alles ist toll... bis es halt doch passiert. Daß bei ordnungsgemäßer Handhabung alles tutti ist, nützt nunmal nichts, wenn der Bewegungsablauf so gestaltet ist, daß er schon bei minimalen Abweichungen falsch und gefährlich wird. Es hat sich nach meinem Kenntnisstand übrigens bei etlichen der genannten Vorfälle um erfahrene Anwender gehandelt... und es ist trotzdem in die Hose gegangen. Und ich meinte den normalen Tragesteg, nicht das Drehding.

Im Schmutz und Schnee kann man auch als Schutzmann mal landen, gerade wenn man sich mit einem Probanden am Boden rumwälzt... dazu muß man nicht in Flecktarn in Absurdistan rumrennen. Unter diesen Umständen ist es ein wirklich blöder Konstruktionsfehler, den Sicherungsmechanismus an die exponierteste Stelle zu setzen, die als erste allen möglichen Umwelteinflüssen ausgesetzt ist, nämlich die Außenseite des Holsterkörpers. Safariland hat das übrigens wesentlich besser gelöst und die Sicherung auf der Innenseite angebracht.

Und nur um das Gesagte mal in einen Kontext zu stellen: ich bin mit dem Teil dienstlich ausgestattet und mache selber den Vorturner bei Einweisung und Handhabungstraining. Und es ist immer noch Grütze.

Natürlich gibts eine Menge Anwender, die mit dem Teil noch nie Probleme hatten. Das ist aber nicht der Maßstab, weil im täglichen Dienst (und auf dem Schießstand erst recht) MEISTENS Bedingungen herrschen, die schwerlich geeignet sind, ein Holster an seine Grenzen zu bringen. Es ist kurzsichtig und leichtsinnig, das als Grundlage für eine Beschaffung eines derart wichtigen Ausrüstungsgegenstandes zu nehmen. Erst recht, wenn für vergleichbares Geld erprobte bessere Lösungen auf dem Markt sind.
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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon Lone Soldier » Sa 31. Okt 2015, 23:16

Also, ich kann Trooper (der hier im Forum DER Experte für das Thema Schusswaffen ist) nur zustimmen. Ein Argument ist für mich auch, dass man das Safariland auch mit einem leistbaren Trainingsaufwand so weit beherrscht, wie es der Schutzmann auf der Straße sollte. Wenn man mit dem Abzugsfinger anfängt an der Sicherung zu hantieren, ist m.E. ein deutlich höherer Trainingsaufwand nötig, damit in Hochstresslagen das Risiko wieder minimiert wird.

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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon Harkov » Sa 31. Okt 2015, 23:23

Lone Soldier hat geschrieben:Also, ich kann Trooper (der hier im Forum DER Experte für das Thema Schusswaffen ist) nur zustimmen. Ein Argument ist für mich auch, dass man das Safariland auch mit einem leistbaren Trainingsaufwand so weit beherrscht, wie es der Schutzmann auf der Straße sollte. Wenn man mit dem Abzugsfinger anfängt an der Sicherung zu hantieren, ist m.E. ein deutlich höherer Trainingsaufwand nötig, damit in Hochstresslagen das Risiko wieder minimiert wird.
Zum letzten Satz; da die SFP-9 in etwa einer P30 entspricht, ist der Abzugsbügel doch komplett vom Holster verdeckt ?
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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon Trooper » Sa 31. Okt 2015, 23:25

Isser. Das Problem beginnt ja auch erst dann, wenn die Waffe aus dem Holster gezogen wird (und der Zeigefinger trotzdem noch Druck ausübt).
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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon Harkov » Sa 31. Okt 2015, 23:30

aso, ja das leuchtet ein. Das Abzugszüngel der Sfp, entschärft das nicht solche Szenarien ein wenig ?

Da muss ja die ganze Fingerbeere den Abzug umschließen.

Oder ist dieser Mechanismus bei diesem speziellen Problem irrelavant ? Oder generell mehr Marketing denn sinnvolles Feature ?
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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon DerLima » So 1. Nov 2015, 01:19

Die Probleme mit dem Blackhawk sind mir auch bekannt und ich weiß von vielen Anwendern, dass diese umgestiegen sind.
Davon ab ist es immer schön zu formulieren: "Genug Training".... <- genau das stellt doch ein Problem für die Polizei dar. Um einen Handgriff sicher zu beherrschen muss er 1000x geübt werden.
Die Schusswaffe ist doch bei vielen Beamten jetzt schon notwendiges Übern, was ich mit rumschleppen muss. Bei vielen Schutzfrauen (und das meine ich nicht böse) ist es noch deutlicher, dass die Handhabung eher als nachrangig empfunden wird und allein der tägliche Ladevorgang schon zähneknirschend durchgeführt wird...

Dann noch ein Holster, welches ich bekomme, anschliessend zwei Stunden Training und dann soll Schutzmann das in einer Hochstresssituation beherrschen?
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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon fmullins » So 1. Nov 2015, 12:01

Ich trug dienstlich schon beide Holster: Blackhawk und Safariland.
Der trainierte Anwender kann mit beidem klar kommen, dazu gehört Handhabungstraining...

Hand auf Herz und an die eigene Nase: Wie viele Kollegen kennt ihr, die Trockentraining mit der Waffe/dem Holster machen? Macht ihr das selbst auch?

Bei Antwort nein spreche ich mal pauschal die Fertigkeit ab irgendwas auch nur ansatzweise im Stress zu beherrschen.
Jeder Fussballer trainiert zweimal die Woche für Kreisliga Niveau aber die Schusswaffe in Extremsituationen unter Lebensangst einsetzen geht mit 4 Schießterminen im Jahr...

Aus genau dem Grund ist das Safariland besser geeignet, denn der schlecht trainierte Beamte kann im Stress weniger falsch machen.

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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon Trooper » So 1. Nov 2015, 21:41

fmullins hat geschrieben: Der trainierte Anwender kann mit beidem klar kommen, dazu gehört Handhabungstraining...
Kann, muß aber nicht. Wie auch immer. Wer sich beim Ziehen ins Bein flakt, ist zumindest selber schuld.

Ich finde das Risiko einer Holsterblockierung mindestens ebenso besorgniserregend. Doof, wenn du du die Kanone dringend brauchst, und nix tut sich...
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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon Close1086 » Di 10. Nov 2015, 21:43

Ist ja praktisch, wenn Sachsen seine P7 ausmustert, dann kann Bayern wieder ein paar Ersatzteile kaufen und die P7 doch noch ein paar Jahre nutzen.

Ich persönlich mag die P7. Ist eine handliche Pistole und die Spannhebelsicherung find ich auch gut...aber da gibt es auch vieeeele Gegenstimmen.

Wenn sie dann auch bei uns in Bayern mal abgelöst wird, würde ich auch die SFP-9 favorisieren. Wobei man für das Geld einer SFP-9 wahrscheinlich drei Glocks kaufen kann. Trotzdem hat in Deutschland keine Polizeibehörde (abgesehen von den jeweiligen Spezialeinheiten) Glock als Dienstwaffe.

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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon Trooper » Di 10. Nov 2015, 21:49

Dafür in den meisten Polizeibehörden im Rest der Welt... aber in Deutschland ist ja alles anders.
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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon Harkov » Di 10. Nov 2015, 22:11

Lässt sich diese Nichteinführung begründen, z.B. durch Nichterfüllen von technischen Richtlinien. ?

@Close: Ich kenn nicht den Behördenpreis, aber auf dem regulären Markt ist die SfP- ca. 200 EUR teurer als eine Glock.
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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon tyrant » Di 10. Nov 2015, 23:11

Dafür zitiere ich mal Trooper:
Nein. Tatsächlich ist Glock ein Hersteller mit relativ moderaten Preisen, selbst bei Kleinstmengen im Einzelhandel. Viele Anfänger bei uns im Verein kaufen als erste Waffe eine Glock, weil die ziemlich erschwinglich ist (und dabei solide Qualität und gute Schießeigenschaften bietet).

Der Grund dafür, daß Glock nicht für eine flächendeckende Beschaffung bei der deutschen Polizei in Frage kommt, ist vielmehr, daß die TR in ihrer gegenwärtig gültigen Fassung vorschreibt, daß eine Dienstpistole bei einem Zündversager einen sofortigen zweiten Abzugsvorgang mit derselben (nicht ausgelösten) Patrone ermöglichen muß. Da das Funktionsprinzip von Glock beinhaltet, daß die Schlagbolzenfeder nach jedem Abzugsvorgang per Verschlußbewegung neu gespannt werden muß, fallen alle Glocks aus der TR raus und kommen nur noch für Dienststellen in Frage, die an die TR nicht gebunden sind.

Das ist aus taktischer Sicht natürlich völlig hanebüchener Unsinn, weil man dann mit einiger Wahrscheinlichkeit auf den ersten Zündversager noch einen zweiten draufsattelt und dadurch noch mehr Zeit verliert. Die einzig sinnvolle Handlungsalternative ist die sofortige Störungsbeseitigung durch Auswerfen der fehlerhaften Patrone und Zuführung einer neuen, wofür man die oben beschriebene "second strike capability" natürlich nicht braucht. Es steht aber trotzdem in der TR drin, weil die anscheinend nicht von Trainern, sondern von Technikern geschrieben worden ist.
Quelle: http://www.copzone.de/phpbbforum/viewto ... 3#p1029643
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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon MICHI » Di 10. Nov 2015, 23:12

Über die Glock wurde schon unzählige Male geschrieben. Sie erfüllt nicht die TR für die Standarddienstwaffe der deutschen Polizei.
Gruß
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Re: Die neue Dienstpistole in Sachsen

Beitragvon hellbert » Mi 11. Nov 2015, 00:58

Ich habe bei einem Zündversagen auch noch trainiert (trainieren müssen):

1. Nochmal abdrücken
2. Auf den Verschluss schlagen
3. Auf das Magazin schlagen
4. Nochmal abdrücken
5. Dann erst repetieren

Der Schwachsinn, der innerhalb der Polizei ausgebildet und durch Richtlinien auch noch untermauert wird, ist wirklich unendlich.

Bei uns gibt es zur Zeit auch wieder einen Trageversucht zwischen Safariland und Blackhawk. Gab es ja noch nie... :wall: :wall: :wall: :wall: :wall: :wall: :uebel: :uebel: :uebel: :uebel:


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