Raubernennung

Fachliche Diskussionen zum Themenbereich Dienstrecht

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Wusel1989
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Raubernennung

Beitragvon Wusel1989 » So 16. Jun 2019, 20:55

https://www.polizei.mvnet.de/static/POL ... %20PVB.pdf

Angenommen ich bewerbe mich als Hamburger Polizeibeamter auf die o.g. Stellenausschreibungen beim Land M-V.
Ich bekomme eine Zusage zum 01.10.2019.
Kann ich dann in HH einfach zum 30.09.2019 meine Entlassung beantragen und bekomme am 01.10. nahtlos meine neue Ernennungsurkunde vom Land M-V?

Dann bräuchte ich theoretisch keinen Tauschpartner oder habe ich irgendwo was überlesen?

Wenn es so einfach wäre, dann wäre dies doch eine ,,Raubernennung" oder nicht?
Ich dachte immer sowas wird unter den Ländern nicht praktiziert.

Gruß

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Re: Raubernennung

Beitragvon Tinker » Mo 17. Jun 2019, 07:59

nö, aber steht doch auch in der Ausschreibung: mind. 24 Monate raus und das auf eigenen Wunsch, also nicht gegangen worden

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Re: Raubernennung

Beitragvon Buford T. Justice » Mo 17. Jun 2019, 08:14

Da steht nicht „mindestens“, sondern „längstens“. :)
:applaus:

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Re: Raubernennung

Beitragvon scw » Mo 17. Jun 2019, 18:31

Kenne diverse Fälle von sog. "Raubernennungen". Ist immer etwas kritisch und mit ein wenig Risiko verbunden. Solltest du vorher mit beiden Behörden abklären. Insbesondere mit jene, die dein Wechselwunsch ist.
Offiziell wird es natürlich auch nirgendwo angepriesen. Aber ich denke, jedes Bundesland benötigt Leute und wieso sollten Sie einen ausgebildeten Polizeibeamten ablehnen, in den Sie absolut kein Geld in die Ausbildung investiert haben? ;)

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Re: Raubernennung

Beitragvon Tinker » Di 18. Jun 2019, 01:00

oh, stimmt. Trooper - gibts den hier eigentlich noch - musste damals ein Jahr nach der Kündigung beim BGS warten, bevor er wieder in NDS eingestellt wurde.

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Re: Raubernennung

Beitragvon chrichie » Di 18. Jun 2019, 19:15

Mein Kenntnisstand ist, da ich selbst bei der Bundespolizei und in Hessen war und nun in Bawü bin, dass man, wenn man laufbahngleich tauscht, ein Jahr Sperrfrist hat. Ich hatte damals als PM bei der BPOL gekündigt und habe in Hessen als PKA studiert, da gab es keine Sperrfrist, da es die nächsthöhere Laufbahn war. Ansonsten hätte ich ein Jahr warten müssen, bis ich wieder bei einer Behörde als PM eingestellt worden wäre.

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Re: Raubernennung

Beitragvon Wusel1989 » Di 18. Jun 2019, 22:29

chrichie hat geschrieben:
Di 18. Jun 2019, 19:15
Mein Kenntnisstand ist, da ich selbst bei der Bundespolizei und in Hessen war und nun in Bawü bin, dass man, wenn man laufbahngleich tauscht, ein Jahr Sperrfrist hat. Ich hatte damals als PM bei der BPOL gekündigt und habe in Hessen als PKA studiert, da gab es keine Sperrfrist, da es die nächsthöhere Laufbahn war. Ansonsten hätte ich ein Jahr warten müssen, bis ich wieder bei einer Behörde als PM eingestellt worden wäre.
Ja, so habe ich es auch gehört.
Mein Kenntnisstand war, dass ich als POM in HH meine Entlassung beantrage, daraufhin entlasse werde und 1 Jahr etwas anderes mache, bevor ich in M-V neu eingestellt werden kann.
Aber aus der Stellenausschreibung geht solch ein Passus nicht hervor :nein:

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Re: Raubernennung

Beitragvon schutzmann_schneidig » Mi 19. Jun 2019, 14:32

Eine "Raubernennung" im eigentlichen Sinne liegt vor, wenn ein Dienstherr einen Beamten, der sich bei einem anderen Dienstherrn in einem aktiven Dienstverhältnis befindet, durch Ernennung in ein neues Dienstverhältnis beruft.
Dass so etwas angestrebt sein könnte, geht aus der Ausschreibung nicht hervor.

Die Vereinbarung zwischen den Polizeien des Bundes und der Länder, einen Beamten erst nach mind. einem Jahr Wartezeit nach Ausscheiden in ein neues Dienstverhältnis zu berufen, stammt noch aus einer Zeit, in der die Rahmenbedingungen bei allen Polizeien weitgehend vergleichbar waren (Pensionsgrenze, Wochenarbeitszeit, Heilfürsorge, einheitliche Besoldungsstufen/Höhe der Besoldung usw).
Da diese vergleichbaren Rahmenbedingungen spätestens seit der Föderalismusreform Geschichte sind und sich über die Jahre hinweg zwischen den verschiedenen Polizeien z.T. signifikante Unterschiede herausgebildet haben, ist es m.A.n. durchaus legitim zu hinterfragen, ob diese Vereinbarung noch in die heutige Zeit passt.
Den Konkurrenzkampf zwischen Bund und Ländern, den man dadurch ausschließen wollte, hat man mittlerweile durch die genannten Abweichungen an anderer Stelle massiv gefördert.
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Re: Raubernennung

Beitragvon RafaelGomez » Mi 19. Jun 2019, 17:25

schutzmann_schneidig hat geschrieben:Eine "Raubernennung" im eigentlichen Sinne liegt vor, wenn ein Dienstherr einen Beamten, der sich bei einem anderen Dienstherrn in einem aktiven Dienstverhältnis befindet, durch Ernennung in ein neues Dienstverhältnis beruft.
Dass so etwas angestrebt sein könnte, geht aus der Ausschreibung nicht hervor.

Die Vereinbarung zwischen den Polizeien des Bundes und der Länder, einen Beamten erst nach mind. einem Jahr Wartezeit nach Ausscheiden in ein neues Dienstverhältnis zu berufen, stammt noch aus einer Zeit, in der die Rahmenbedingungen bei allen Polizeien weitgehend vergleichbar waren (Pensionsgrenze, Wochenarbeitszeit, Heilfürsorge, einheitliche Besoldungsstufen/Höhe der Besoldung usw).
Da diese vergleichbaren Rahmenbedingungen spätestens seit der Föderalismusreform Geschichte sind und sich über die Jahre hinweg zwischen den verschiedenen Polizeien z.T. signifikante Unterschiede herausgebildet haben, ist es m.A.n. durchaus legitim zu hinterfragen, ob diese Vereinbarung noch in die heutige Zeit passt.
Den Konkurrenzkampf zwischen Bund und Ländern, den man dadurch ausschließen wollte, hat man mittlerweile durch die genannten Abweichungen an anderer Stelle massiv gefördert.
Gerade aus diesem Grund ist die Vereinbarung mE zeitgemäßer denn je. Sonst würden den zahlungsschwächeren BL die Ausgebildeten reihenweise von der Fahne gehen, um bei den solventeren anzuheuern. Diese sich wiederum den Ausbildungsaufwand sparen, bzw. diesen minimieren könnten.

Grüße

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Re: Raubernennung

Beitragvon schutzmann_schneidig » Mi 19. Jun 2019, 17:50

Ja, aus Sicht der potenziellen "Geberländer" stellt die Vereinbarung natürlich eine gewisse Beruhigung dar. Insbesondere Kollegen, die noch zu Zeiten der weitgehenden Vergleichbarkeit eingestellt wurden, und somit nicht wussten, worauf sie sich mit den heute bestehenden Unterschieden "einließen", dürften das m.A.n zu Recht anders sehen.
Und auch die potenziellen "Nehmerländer", die für ihre Attraktivität mehr investieren als andere, könnten sich künftig verstärkt die Frage stellen, aus welchem Grund sie noch daran festhalten sollten.
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Re: Raubernennung

Beitragvon RafaelGomez » Mi 19. Jun 2019, 18:49

schutzmann_schneidig hat geschrieben:Ja, aus Sicht der potenziellen "Geberländer" stellt die Vereinbarung natürlich eine gewisse Beruhigung dar. Insbesondere Kollegen, die noch zu Zeiten der weitgehenden Vergleichbarkeit eingestellt wurden, und somit nicht wussten, worauf sie sich mit den heute bestehenden Unterschieden "einließen", dürften das m.A.n zu Recht anders sehen.
Und auch die potenziellen "Nehmerländer", die für ihre Attraktivität mehr investieren als andere, könnten sich künftig verstärkt die Frage stellen, aus welchem Grund sie noch daran festhalten sollten.
Alles richtig. Nur, erwartest Du ernsthaft Solidarität über das absolute Minimum hinaus? Die politisch breit gefächerten Koalitionen in den BL lassen Konsens gar nicht zu. Zumal immer irgendwo Wahlkampf ist. Daher denke ich nicht, dass es zu einer Anpassung kommt. Um so mehr sollte sich jeder Newcomer damit auseinandersetzen, in der Behörde des Einstellungs-BL dauerhaft zu verweilen. Gibt sonst schnell n bitteres Erwachen.

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Re: Raubernennung

Beitragvon Wusel1989 » Do 20. Jun 2019, 09:04

Ein soeben geführtes Telefonat brachte Licht ins Dunkel.
Ich habe mich immer auf mindestens/ längstens 24 Monate versteift.
Das ist aber gar nicht der Punkt.

Der wesentliche Punkt ist, dass in der Stellenausschreibung steht, dass sich diese an EHEMALIGE PVB richtet. Mit dem einem Jahr "Sperrfrist" kommt hin.

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Re: Raubernennung

Beitragvon schutzmann_schneidig » Do 20. Jun 2019, 09:52

RafaelGomez hat geschrieben:
Mi 19. Jun 2019, 18:49
Nur, erwartest Du ernsthaft Solidarität über das absolute Minimum hinaus?
Nein, denn ein Abweichen von der Vereinbarung wäre doch das Gegenteil von Solidarität. :polizei2:
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Re: Raubernennung

Beitragvon lordlucan » Do 20. Jun 2019, 16:38

Die Sperrfrist gibt es nicht mehr. Jetzt gibt es eine Bearbeitungsfrist, die mehrere Monate dauert.


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