Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

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Loewe
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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Loewe » Mi 16. Okt 2019, 14:58

Verfügbare Funkwagen zum Zeitpunkt x orientieren sich an der Statusmeldung im Funksystem. Das sagt gar nichts über die tatsächliche Einsatzstärke aus.
Die Verschwiegenheit zu dienstinternen Sachen gilt überall.
Niemand der noch halbwegs alle Latten am Zaun hat gibt eine Deckung ohne Nöte auf, wenn das pol. Gegenüber beim Schusswechsel zu Boden geht. Dann gilt es nämlich erstmal zu sondieren, wer sichert und wer sich von wo nähert. 1. kann es eine Finte des Täters sein 2. Wäre es u.U. unglücklich wenn ich dem Sicherer vor die Visierlinie laufe.
Aber im Nachhinein lässt sich ja immer trefflich schwadronieren, vor allem von Leuten die vom Polizeigeschäft keine Ahnung haben z.B.Journalisten und Politiker mit Profilneurosen.

Gruß
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Steffen767
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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Steffen767 » Mi 16. Okt 2019, 15:52

Brot hat geschrieben:
Di 15. Okt 2019, 22:34
Steffen767 hat geschrieben:
Di 15. Okt 2019, 19:20
- 12.06: Die Funkwagen in Halle werden alarmiert und zum Tatort geschickt. Im Polizeirevier Halle sind zu dieser Zeit insgesamt sieben Streifenwagen im Einsatz. In den benachbarten Kreisen sind 19 weitere Streifenwagen unterwegs, davon je fünf im Saalekreis, im Kreis Mansfeld-Südharz sowie im Burgenlandkreis sowie vier bei der Autobahnpolizei.
Transparenz ist schön und gut, aber meiner Meinung nach gehören solche detaillierten Infos nicht an die Öffentlichkeit bzw. der Presse übermittelt :nein:
Ob es nun sinnvoll ist oder nicht sei dahin gestellt. Ich kann aber den Zweck der Massnahme durchaus nachvollziehen.
Der Innenminister hat von vielen Seiten, gerade vom Zentralrat der Juden, soviele Vorwürfe bekommen, welches die Medien natürlich dankbar annehmen, sodass er mehr oder weniger, auch um seine Haut zu retten, zu diesem Schritt gezwungen wurde.
Ich denke, dass aus diesem Grunde auch Stärken veröffentlicht wurde, welche eigentlich nicht in die Öffentlichkeit gehören.
Er ist mein oberster Dienstherr und wenn er meint solche Sachen den Medien zu geben, kann ich diese auch weitergeben.

Gruß
Steffen
Wir haben so viel mit so wenig schon so lange vollbracht, dass wir qualifiziert sind, alles mit nichts zu erreichen.

Die oben angegebene Meinung ist die Meinung bzw. Ansicht des Verfassers und spiegelt nicht die Meinung anderer oder der Polizei wieder

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon JKM » Mi 16. Okt 2019, 16:10

In einem (kostenpflichtigen) Artikel auf welt.de wird bemängelt, dass es keine "standardisierte Meldekette" von der Gemiende zur Polizei gegeben habe. Der Gemeindevorsitzende habe den Notruf gewählt und keine "direkte Polizeinummer".

Wenn jetzt schon beanstandet wird, dass in einem Notfall der Notruf gewählt wird, kann man die Bereichterstattung wirklich nicht mehr ernst nehmen. :stupid:

vladdi
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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon vladdi » Mi 16. Okt 2019, 16:16

@Steffen

Die Kritik richtet sich nicht an dich, sondern an deinen Dienstherrn.
Die Informationen sind öffentlich zugänglich, deshalb kannst du sie weitergeben. Danke, nochmals, für die Zusammenfassung. Obwohl medial veröffentlicht und obwohl mich das interessiert, ist das an mir vorbei gegangen und bisher bin ich nur hier auf diese Zusammenfassung gestoßen (gegoogelt habe ich sie dann auch gefunden).

Ich denke aber, dass dein Dienstherr die Aufstellung etwas allgemeiner hätte fassen sollen.
Manche meinen dass diese Aufstellungen keine -nfD- Einstufung haben, ich meine, dass man bestimmte Werte nur für die Dienstgeschäfte behalten sollte und solche Meldungen hinsichtlich woher die 28 eingesetzten Wagen gekommen sind allgemeiner hätte formulieren sollen.

@JKM
Es wurde die 112 angerufen (wenn ich das richtig gelesen hatte),
Besser wäre die 110.
Wenn man bemängeln will und Fehler finden will, die Zeit gekostet haben, dann ist das einer.
Trotz dass ich seit kleinauf den Unterschied der 110 und 112 kenne, würde ich Menschen, die Todesangst haben, diesen „Fehler“ nicht vorwerfen. Aber Zeit geht dadurch verloren.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Loewe » Mi 16. Okt 2019, 16:30

Ob das wählen von 110 gegenüber der 112 einen eindeutigen Vorteil gebracht htte, weiß ich jetzt nicht. Aber ein Zeitgewinn von 1min wäre ja auch schon mal was. Vor allem in Anbetracht der Überschrift dieses Threads.

Ich habe mir das Video mit der Szene in der der Täter angeschossen wurde angesehen. Der Schusswechsel fand auf Entfernung von + 50 Meter statt. Der Täter fiel hinter die geöffnete Fahrertür seines KFZ und lag zw. KFZ und Tür. Ich bezweifle, dass die Polizisten überhaupt sehen konnten, dass er lag bzw. getroffen wurde.

Was ich aber dem Video entnehmen konnte, waren 2 Schüsse auf große Distanz in dem Moment, als der Täter klar erkennbar war. Auf diese Entfernung einen Treffer anzubringen - unter diesen Umständen - alle Achtung!

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Aldous » Mi 16. Okt 2019, 16:43

Brot hat geschrieben:
Mi 16. Okt 2019, 14:34
Auch die Szene des Treffers in den Hals wird gezeigt. Es wird kritisiert, dass der Täter danach ohne Reaktion der Polizei 20 Sekunden liegen bleibt, anschließend aufstehen und in sein Fahrzeug steigen kann. Der Teil sieht nicht gut für die Polizei aus.
Es sieht aber nur deshalb nicht gut aus, weil Zuschauer des ehemaligen Nachrichtenmagazins zu oft nicht zu den sehr hellen Leuchten zählen. Würde man, anstatt in regenbogenpressetypischer Manier nur sachfremde Gäste, einen sachkundigen Besucher zu Wort kommen lassen, könnte der durchaus anschaulich erklären, dass nach erfolgtem Beschuss durch den Täter erst einmal die Selbstkontrolle auf Verwundungen erfolgt, der gebundene Täter unter Kontrolle bleiben muss, weitere Täter oder (vor allem bei Erstmeldungen dieser Art) Sprengsätze bedacht werden müssen.
Ich befürchte allerdings, dass der Spiegel seine Zuschauer nicht mit Fakten überfordern möchte und sich lieber der einheitlichen Empörungsmaschinerie anschließt.
Steffen767 hat geschrieben:
Mi 16. Okt 2019, 15:52
Der Innenminister hat von vielen Seiten, gerade vom Zentralrat der Juden, soviele Vorwürfe bekommen, welches die Medien natürlich dankbar annehmen, sodass er mehr oder weniger, auch um seine Haut zu retten, zu diesem Schritt gezwungen wurde.
Wünschenswert wäre aber auch, irgendwelchen Lobbyvereinen öffentlich eine sachliche Absage zu erteilen und ihre offensichtlichen Versuche der Beeinflussung mit Fakten zu entkräften, anstatt sich für reguläre Abläufe zu rechtfertigen, als hätte es Verfahrensfehler gegeben.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Loewe » Mi 16. Okt 2019, 16:47

Das Fahrzeug des Täters steht auf der Fahrbahn, die Fahrertür schwingt auf das erhöht liegende separate Gleisbett. Da ist nicht viel Platz zw. Boden und Türunterkante. Und da soll Polizei erkennen, dass hinter der Tür jemand liegt ? Aus der Entfernung?
Ich bleibe dabei, egal was Spiegel TV dazu absondert, die Kollegen haben vollkommen richtig gehandelt.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Aldous » Mi 16. Okt 2019, 16:49

Ich denke da sind sich alle einig, oder worauf bezogst du dich jetzt?

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon slugbuster » Mi 16. Okt 2019, 16:53

vladdi hat geschrieben:
@JKM
Es wurde die 112 angerufen (wenn ich das richtig gelesen hatte),
Besser wäre die 110.
Wenn man bemängeln will und Fehler finden will, die Zeit gekostet haben, dann ist das einer.
Dann sollte sich der Gemeindevorsteher selbst an den Kopf fassen und sich nicht über die Polizei beschweren. Der ist ja nicht der Vorsteher des Briefmarkensammlervereins und weiß , dass jüdische Gemeinden schon (trauriger weise) einer Gefährdung ausgesetzt sind. Einen guten Notfallplan kann man da wohl erwarten. Dazu gehört dann auch einer der korrekt Meldung machen kann.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon squad » Mi 16. Okt 2019, 17:25

Loewe hat geschrieben:
Mi 16. Okt 2019, 16:30
Der Schusswechsel fand auf Entfernung von + 50 Meter statt. Der Täter fiel

(...)

Was ich aber dem Video entnehmen konnte, waren 2 Schüsse auf große Distanz in dem Moment, als der Täter klar erkennbar war. Auf diese Entfernung einen Treffer anzubringen - unter diesen Umständen - alle Achtung!
:o

Entweder Hut ab, oder schnell Lotto spielen gehen. Einfach nur ersatunlich, in solchen Bedingungen.

Zum Vergleich:

2008 Rand study (...) looked at the accuracy of New York Police Department officer-involved shootings. The key data point is the "hit rate," the number of rounds that struck a suspect divided by total shots fired.

The Rand study looked at NYPD firearm-discharge reports from from 1998 through 2006. Some of the findings point in Watts’ favor, while other data refutes her point.

Hit ratios were below 30 percent for gunfights (18 percent) and from long ranges (23 percent from more than seven yards away). However, in cases where suspects did not return fire, NYPD officers hit their targets 30 percent of the time. Accuracy levels were above 30 percent when the target was seven yards away or closer (37 percent).


https://www.politifact.com/truth-o-mete ... rk-gun-co/
Je suis baguette.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon vladdi » Mi 16. Okt 2019, 17:42

Sorry.

Hab ich den Link zum Video übersehen?

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Fritz4081 » Mi 16. Okt 2019, 18:26

Moin,

Über 50 m ist schon eine Hausnummer, die Statistiken decken sich mit meinen 10-20 % Treffer auf alle abgegeben Schüsse. Ist so und liegt meist nicht primär am Schützen. Zumal die Treffer dann auch noch recht ungleich verteilt sind.
WON tritt gerade das USBV Arsenal medial breit, bleibt die Frage ob es denn zweckmäßig wäre sich da plump anzunähern?

Gruß

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon vladdi » Mi 16. Okt 2019, 18:40

50m sind das eine, das andere die Waffe.
Mit Pistole ist das ganz schön schwer zu treffen, mit MP nicht so schwer.

Anständige Waffen hatte die Haller Polizei noch nicht?
Wiedermal ein Beispiel, dass vernünftige Bewaffnung, für die Lagen die stattfinden, auf dem Streifenwagen sein müssen.
Mit einem Sturmgewehr mit vernünftigem Visier ist 50m nicht zu schwer, zu treffen.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon wolfi71 » Mi 16. Okt 2019, 21:20

Zum Wählen der 112 statt der 110, es kam zumindest vor, dass einige Handys da immer eine Kennung mitgeschickt haben, die die Nummer übersteuert haben. Ich hatte das Problem zeitweise in einem Lumia 650 gehabt. Da wurde immer die 112 angerufen und ich kam nie bei der 110 raus (Telekomnetz, auch berichtet von O2). Da muss man bei dem Vorwurf vorsichtig sein. Es kann technische Hintergründe geben, für die der Anrufer nichts kann.

Zwar schon etwas älter, aber dennoch evtl. beachtenswert.
https://www.lokalkompass.de/dortmund-ci ... 12_a682038

Bei der Abfrage kommt das als weitergeleiteter Notruf an, auf den Weiterleitungsleitungen, die normal zur Weiterleitung dienen.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon bb44 » Fr 18. Okt 2019, 13:13

HessieJames hat geschrieben:
Do 10. Okt 2019, 11:42
Als Gemeindevorsitzender .. ist man nicht irgendwer sondern kommentiert das Geschehen stellvertretend für eine große Gemeinschaft. Das hat dann einfach ein ganz anderes Gewicht ..
Eine Folgerung aus diesem Vorgang könnte sein, dass die Polizei zu solchen stärker gefährdeten Gruppen einen etwas kürzeren Draht bereit stellt als die 110.
Mindestens deren Telefonnummern notiert haben, damit solche Anrufe mit etwas höherer Aufmerksamkeit bedacht werden.
- Freilaufender Bürger -


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