Infos aus 1. Hand zum Thema SEK

Informationen zur Einstellung und Ausbildung der Landespolizei!

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Polli
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Infos aus 1. Hand zum Thema SEK

Beitragvon Polli » Fr 21. Jan 2005, 12:25

Hi Leute,

Regelmäßig wird in der copzone danach gefragt,
wie man zum Spezial-Einsatz-Kommando (SEK) kommen kann.

Das SEK ist ein Teil der Polizei.

Man kann sich nicht direkt dort bewerben.

Eine Voraussetzung besteht also darin, dass man erst mal Polizist(in) sein muss:!:


In einem anderen Thread, hatte sich der User Granit,
der einige Jährchen in einem SEK war, zu dem Thema geäußert.

Hier ein Auszug daraus:




Der Auswahltest ist bei allen SEKs in Deutschland in etwa ähnlich
und setzt extreme Belastbarkeit in punkto
Ausdauer, :runningdog: geistiger Flexibilität :gruebel: und Körperkraft :mukkies: :!: voraus.

Wenn man ein solches Auswahlverfahren bestanden hat,
heisst das nicht, das man automatisch in eine
Ausbildungsgruppe übernommen wird, da der Test nach Bestenauswahl erfolgt.

Bei meinem SEK war vor Jahren eine hervorragende Bewerberlage;
so hatten wir Ende der 90er Jahre im Schnitt rund 40 - 60 Bewerber,
die den Test gepackt hatten, aber nur wenige SEK-Stellen zu vergeben.
Dann nahm man halt diejenigen mit den besten Testergebnissen.
Momentan sieht die Bewerberlage aber nicht so traumhaft aus wie
damals, so dass man gegenwärtig bessere Chancen hat,
aufgenommen zu werden.


Ist der Aufnahmetest bestanden, wird man in eine sog.
SEK-Ausbildungsgruppe übernommen und man beginnt den Basislehrgang.

Dieser dauert ca. 6 Monate :time: - und in dieser Zeit scheiden
einige geeignete Bewerber z.T. freiwillig aus, weil sie
den psychischen und körperlichen Stress :flehan: des Lehrgangs
nicht aushalten.

Man wird permanent an seine körperlichen Leistungsgrenzen :freak:
gebracht, aber auch die Psyche :irre: steht durch Schlafentzug u.ä.
Spässe stark unter Druck.

Diese 6 Monate sind sehr interessant, da man die
gesamte Bandbreiteeiner Spezialeinheit antrainiert bekommt,
angefangen vom Schießtraining mit verschiedensten Waffen über
Fahrtraining und Nahkampf bis hin zum Klettertraining im Hochgebirge.

Wie oben erwähnt scheiden einige Kollegen trotz hoher Fitness aus,
v.a. auch deshalb, weil sie sich bei der Ausbildung Verletzungen
:opa: zuziehen, die sie für den weiteren Dienst im SEK ungeeignet
machen (z.,B. komplizierte Bänderverletzungen, Frakturen etc.)

---> Verletzungen beim Training (nicht bei Einsätzen!) sind der
HAUPTGRUND weshalb junge Kollegen aus den SEK ausscheiden
müssen!
:sad:

Wenn man diese extrem harten 6 Monate Basisausbildung hinter sich
gebracht hat, wird man in eine der SEK-Gruppen aufgenommen. :jump:


Im Schnitt braucht ein junger SEK-Anfänger mehrere Jahre, :time:
bis er als voll einsatzfähig bezeichnet werden kann und Einsätze
"routiniert" erledigen kann.


Zum SEK-Alltag:


Dieser besteht - entgegen den Darstellungen von Medien und Internet –
NICHT aus spektakulären Einsätzen wie Geiselnahmen,
Entführungsfällen und Häuserstürmungen :!:

Solche Einsätze sind auch für das SEK eher die Ausnahme. :yau:

Das alltägliche Geschäft eines SEK sind Festnahmen von gefährlichen
und BEWAFFNETEN Straftätern, welche die Kripo, das LKA
oder die Schutzpolizei aufgrund der Gefährlichkeit eines Täters nicht
eigenständig durchführen kann bzw. will.

Diese Zugriffe werden bis zum Erbrechen trainiert und verlaufen daher
i.d.R. schnell, unspektakulär und ohne das die Medien dies mitkriegen.
:unknown:

Diese Zugriffe können sowohl in der bekannten SEK-Ausrüstung
mit Helm und Weste als auch unauffällig in zivil stattfinden.

Die Anzahl der wirklich aufsehenerregenden Einsätze meiner SEK-Zeit
kann ich an zwei Händen :juggle: abzählen, somit also wie gesagt
Ausnahme :!:

Wenn keine Anforderungen des SEK vorliegen, besteht der Alltag
aus ständigem Training, :runningdog: welches eben nur durch
Einsätze unterbrochen wird.

Hier hatten wir das Glück, das in den letzten Jahren innerhalb
der Polizei spezialisierte Einheiten aufgestellt wurden,
die das SEK von gewissen Einsätzenentlastet haben.

Beispielsweise wurden bei uns in den 90er Jahren die BFE
(Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten) aufgestellt, die uns
insbesondere im Bereich von Razzien und Einsätzen bei gewalttätigen
Demonstrationen entlasteten, wofür wir ehrlich gesagt auch
dankbar waren. :gut:


Zum Selbstverständnis der SEK:


Die Kollegen des SEK sehen sich weder als Helden noch als
"etwas Besseres" als der „normale“ Polizist, was sie auch nicht sind.

SEK-Beamte rekrutieren sich aus allen Teilen der Polizei,
sie kennen den Alltagsdienst der Polizei und müssen spätestens mit
Anfang 40 :opa: :mrgreen: auch wieder in diesen zurückkehren.

Auch ist das SEK keinesfalls ein Karrieresprungbrett -
die Beförderungschancen sind nicht besser oder schlechter als bei
anderen Polizeidienststellen. :nein:

Ausser den lächerlichen paar Kröten, die sich Erschwerniszulage nennen,
gibt es auch keinen finanziellen Anreiz bei einem SEK. :sad:

Angehörige der SEK sind trotz ihrer extremen körperlichen Fitness
keine Supermänner, die im Handumdrehen jede Situation meistern.

Auch bei uns gab es Einsätze, bei denen wir massiven Gefahrensituationen
ausgesetzt waren oder bei denen Kollegen auch erhebliche Verletzungen
:steinigung: erlitten haben.

Was mir aus meiner SEK-Zeit ungemein positiv in Erinnerung
bleiben wird, ist die ausgeprägte Kollegialität unter den Beamten,
die sich auch in die Freizeit überträgt. :zustimm:

Diese Kollegialität besteht nicht nur unter den Mitgliedern eines einzelnen
SEK, sondern auch unter den Kommandos in ganz Deutschland und auch
Europas. :gut:


Zum Thema Frauen beim SEK:

Ein heikles Thema - zugegeben :wink:

Fakt ist:
Für eine Frau gelten genau dieselben körperlichen Anforderungen
wie für den Mann, welche die Frau aufgrund ihrer "biologischen Struktur"
meistens aber nicht in der Lage ist zu bringen.

Hiermit meine ich v.a. das Thema Körperkraft. :mukkies:

Grundsätzlich aber ist die Aufnahme einer Frau bei den SEK der meisten
Bundesländer durchaus möglich - wenn sie den Test packt.


Einige SEK's in Deutschland haben bereits einzelne Frauen in ihren
Gruppen, welche auch problemlos integriert wurden.

Bei anderen wiederum scheiterte die Aufnahme von Frauen bis dato
einfach daran, das keine Frau den Aufnahmest packte.

In diesem Fall ist es am besten, sich bei dem jeweiligen SEK zu
erkundigen, wie der Test aussieht und wie die Chancen als Frau stehen.


Zum Thema freie Stellen bei SEKs:


Ebenfalls Ländersache :!:

Die Bundesländer, die mehrere SEKs haben
- also Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern - stellen regelmäßig neue
Kollegen ein, während es bei den anderen auf die Größe des
SEKs ankommt.

Eine Ausnahme ist die Polizei Hamburg, die kein SEK hat
- hier übernimmt das MEK deren Aufgaben und stellt auch Frauen ohne
weiteres ein.

Das SEK der Polizei Bremen ist relativ klein und ist der dortigen
Bereitschaftspolizei angegliedert.

Das SEK der Polizei Niedersachsen ist dem Landeskriminalamt (LKA) Hannover angegliedert.



THX :hearts: Granit :gut:


............


Hier als Ergänzung ein Link (PDF-Datei)
zur Zeitschrift "Streife" mit einem Artikel über die SEKs:

http://www.polizei-nrw.de/streife/stepo ... heiten.pdf

Herausgeber ist das Innenministerium des Landes NRW.

THX :hearts: Addy :gut:
Gruß ;)
Polli (NRW)

--> Hier gibt´s Beratung - bitte mal draufklicken :!:

Polli is wech - vom 04.06.19 - 23.06.19



http://polizeistiftung-nrw.de/


Wählen ist wie zähneputzen, wenn mans nicht macht, wirds braun!

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