Randale & Plünderungen in Stuttgart

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Trooper
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Re: Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon Trooper » Mo 29. Jun 2020, 23:58

1957 hat geschrieben:Das ist auch ziemlich einseitig. Auch in schwierigen sozialen Bereichen wachsen intelligente Menschen auf, haben aber bei weitem nicht die gleichen Chancen wie andere. Auch in sogenannten Mittel- und Oberschichten gibt es auffällige und actionorientierte junge Menschen.

Das ist alles so einfach nicht, Trooper.
Nö, es ist die statistische Realität. Und damit meine ich gar nicht irgendwelche vererbten Anlagen (wenngleich Intelligenz zumindest bis zu einem gewissen Grad vererbbar sein dürfte).

Klar gibt es Leute, die sich aus schwierigen Verhältnissen mit Talent und Durchhaltevermögen buchstäblich herausgearbeitet haben (und auch thrill seeker aus gutem Hause). Ich kenne aber auch etliche, die das trotz einiger Begabung nicht geschafft haben, weil Talent eben nicht alles ist und auch vorhandene Begabung einem bildungs- und leistungsfernen familiären Umfeld oftmals leider nicht hinreichend Paroli bieten kann.

Und es nützt da auch nix, auf Einzelfälle zu gucken. Im großen Gesamtbild korreliert Delinquenz negativ mit dem Bildungsniveau. Und ein hoher erreichte Bildungsgrad stark positiv mit einem ebensolchen Elternhaus. Nicht nur, weil die ökonomischen Voraussetzungen besser sind, sondern weil schulischer Erfolg extrem stark von Faktoren abhängt, deren Weichen bereits Jahre vor der Einschulung zuhause gestellt werden.

Ich bin Vater mehrerer Kinder im Kita- und Kindergartenalter. Die wachsen mit einer Wissenschaftlermama und einen kreuz und quer durch die Weltgeschichte interessierten Beamtenpapa ziemlich bildungsnah auf. Und wenn ich mir angucke, welche krassen Unterschiede selbst in dieser Altersklasse im Kindergarten schon offenbar werden, die sich direkt darauf zurückführen lassen, welche Ermunterung und Förderung, aber auch welche Vorbilder die Kinder durch das alltägliche Verhalten ihrer Eltern erhalten oder eben auch nicht erhalten, ist das schier atemberaubend.

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Re: Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon Controller » Di 30. Jun 2020, 00:16

thrill seeker, was ist das denn ??

Ok, habe es gefunden
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Re: Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon slugbuster » Di 30. Jun 2020, 06:36

Die Verniedlichung der Täter als Event- und Partygänger ist haarsträubender Unsinn. Würde gut zu einem unüberlegten Facebook/Twitter Post passen, ist aber schlimmer.

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Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon Officer André » Di 30. Jun 2020, 07:22

Zu G20nannte man sie „erlebnisorientierte Jugendliche. In Stuttgart „Gewalttouristen“.
Fakt ist, es gehört schon eine gewisse kriminelle Energie und Gewaltaffinität dazu, um eine spontane Lust an Plünderungen zu entfachen und alles um sich herum zu entglasen. Das kann man nicht mit „so sind junge Männer halt“ glattbügeln. Ein komplette Straße zu entglasen und alles auseinander zu nehmen, ist ein massiver Gewaltausbruch und die Überschreitung einer großen Hemmschwelle, die normalerweise vorhanden sein müsste. Die meisten jungen Männer, in unserer Gesellschaft, haben diese Hemmschwelle inne. Das kann mir niemand erzählen, dass die Teilnehmenden alles strahlend weiße Westen hatten. Sowas passiert nicht mal eben, frei nach dem Motto „tschuldigung, war halt grad wütend“.
Es ist mir schleierhaft, wie man sowas verharmlosen kann. Bei HG sagt ja auch keiner „naja, er hatte einen schweren Tag und war total frustriert. Das muss man doch verstehen. Die Gesellschaft und sein Arbeitgeber trägt die Verantwortung.“ :wall:

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Re: Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon Aldous » Di 30. Jun 2020, 11:04

1957 hat geschrieben:
Mo 29. Jun 2020, 17:56
Auch in schwierigen sozialen Bereichen wachsen intelligente Menschen auf, haben aber bei weitem nicht die gleichen Chancen wie andere.
Man sollte allerdings auch den Realitätsabgleich wagen. Wo auf der Welt gibt es so weitreichende Chancengleichheit wie bei uns?
Weil ich nur unter den Top 5 Umständen aufwachse und vielleicht nicht auf Platz 1, nehme ich das zum Anlass für asoziales Verhalten? Wer so denkt, wäre meiner Meinung nach gut damit bedient, echte Chancenungleichheit zu erfahren und die in den meisten Bereichen zumindest soliden, in manchen Bereichen geradezu ausufernden, Anstrengungen bezüglich Chancengleichheit in diesem Teil der Welt schätzen zu lernen.

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Re: Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon schutzmann_schneidig » Di 30. Jun 2020, 11:07

Bevor es jetzt völlig in eine "Erziehungsdebatte" abdriftet, weise ich auf den geforderten direkten Polizeibezug hin.
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Re: Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon Trooper » Di 30. Jun 2020, 12:34

Keine Sorge, ich wollte keine Wickeltipps und Breirezepte austauschen. Wenngleich ein Unterforum "Polizei und Familie" für den einen oder anderen so uninteressant gar nicht wäre :-)

Ich denke aber, daß der Zusammenhang zwischen delinquentem Verhalten und Bildungserfolg bzw. -mißerfolg deinem Erfordernis gerecht wird.

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Re: Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon 1957 » Di 30. Jun 2020, 18:39

Aldous, es gibt keine Gesellschaft ohne deviantes Verhalten.

Trooper, ist ja alles richtig, allerdings weißt du sicher auch um die kriminologische Ursachenforschung. Ich wollte bloß ausdrücken, dass die Stuttgarter Randale vielschichtige Ursachen hat und das dort sicher auch unbescholtene beteiligt bzw. anwesend waren.
Viele der Anwesenden stellten der Polizei bishlang ihre Bilder zur Verfügung.
Es ist wirklich zu einfach, hier auf "asoziales Pack" zu schauen. Menschliches , allzu menschliches ( F. Nietsche)

Weil es eben diese Phänomene gibt, gibt es auch die Polizei, der es bisher immer gelungen ist, die Wogen zu glätten.
Allerdings führt eine strenge "Law an Order" Strategie mitunter zum Gegenteil des erwünschten Zustandes.

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Re: Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon Controller » Di 30. Jun 2020, 18:53

kurz gesagt, es gibt keine klare Trennung in gut oder schlecht; es gibt Schnittmengen, die ihre Positionen auch dauernd wechseln, bzw neu besetzen. :polizei10:
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Re: Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon Brot » Di 30. Jun 2020, 22:10

Die Zahl der Verdächtigen ist auf 37 gestiegen, 13 davon in U-Haft.

Was es allerdings bringen soll, mehr Tonfas auszugeben, erschließt sich mir nicht ganz. Keine Frage, ein tolles Einsatzmittel, aber etwas wie die Randale in Stuttgart verhindert es auch nicht.

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Re: Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon Officer André » Di 30. Jun 2020, 22:57

Trooper hat geschrieben:...Wenngleich ein Unterforum "Polizei und Familie" für den einen oder anderen so uninteressant gar nicht wäre :-)
:zustimm:

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Re: Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon Ghostrider1 » Mi 1. Jul 2020, 10:29

Brot hat geschrieben:
Di 30. Jun 2020, 22:10
Was es allerdings bringen soll, mehr Tonfas auszugeben, erschließt sich mir nicht ganz. Keine Frage, ein tolles Einsatzmittel, aber etwas wie die Randale in Stuttgart verhindert es auch nicht.
Mir erschließt sich das schon, wenn es denn auch eingesetzt wird. Produziert allerdings häßliche Bilder, und das ist nicht gewollt.
Würde ja bedeuten, man geht gegen die.... wie hießen die Landfriedensbrecher, Räuber, Schläger gleich noch mal... ach ja, man würde mit Schlagstock gegen die Party- und Eventszene vorgehen.

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Re: Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon der kanadier » Mi 1. Jul 2020, 11:26

Man nutzt die aktuellen Umstände, um teils alte Forderungen mit neuem Nachdruck einzuspielen. Macht Sinn, da BaWü das einzige Bundesland ohne MES/Tonfa in den stehenden Einheiten ist.
Mal abwarten ob auch die Forderung nach Distanzwaffen kommen...

All dies setzt natürlich auch voraus, dass man die Mittel einsetzen kann (und darf...)
Konsequentes Einschreiten und entsprechender Rückhalt der Behörden, sonst tun wir uns schwer

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Re: Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon 1957 » Mi 1. Jul 2020, 15:14

Das soll jetzt keine Ausrüstungsdebatte werden. Distanzwaffen ( hier wohl Gummigeschoße o.ä.) sind außerhalb der Notwehr kaum das polizeiliche Mittel der Wahl. Ich möchte behaupten: Brauchen wir in D (noch) nicht,da wir noch weit von anomischen Zuständen entfernt sind.
Den "Knüppel " EMS habe ich im Wachdienst seit seiner Einführung noch nie als Schlaginstrument gebraucht.
Das die rechtlichen Normen entsprechend sein müssen, ist klar.
Für den Einsatz des Geräts ist der anordnende PF bzw. der einzelne agierende Kollege verantwortlich. Behörden können sich nur vor ihre Mitarbeiter stellen, wenn diese damit verantwortungsvoll umgehen.

Diese Debatte passt aber hier nicht hin, wobei ich neue Meldungen aus Stuttgart und der dortigen Stimmung nicht vernommen habe.

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Re: Randale & Plünderungen in Stuttgart

Beitragvon Controller » Mi 1. Jul 2020, 15:40

Naja, wenn der Einsatz der Tonfa an der Unterscheidung zwischen Räuber, Landfriedensbrecher, Plünderen und Mob im "the Purge" Modus und der Event und Partyszene besteht, dann traue ich das der Polizei vor Ort schon zu; auch wenn hier das scheinbar nicht so klar zu sein scheint.
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